Jetzt ist es ja mein 3ter Aufenthalt in Japan und es hat mich schließlich auch erwischt. In der Nacht begann meine Unterkunft zu wanken und sich zu schütteln und mir mir war gleich klar – Wow .. ein Erdbeben.
Mein Gebäude schwankte jedoch nur und ich hatte das Gefühl, dass es die Bewegungen aus dem Untergrund abfederte, so dass ich mich in meinem Bett durchaus sicher fühlte. Auch hörte ich von draußen nichts außergewöhnliches und so gingen die etwa 20 Sekunden des Bebens angstfrei an mir vorüber.
Im Laufe des vergangenen Jahres waren mir allerlei Fotos aus Japan und Kyoto im speziellen untergekommen. Dabei war eines, welches mir besonders gefiel. Es zeigte einen Bambus Hain so herrlich und schön, dass für mich feststand, dass ich ihn auf jeden Fall auch besuchen wollte. Vor allem wollte ich einmal sehen in wie weit Foto und Realität übereinstimmten.
So saßen wir schon relativ früh im Zug und traten unsere Fahrt in Richtung Wäldchen und den ebenfalls dort zu findenden Sehenswürdigkeiten an und obwohl wir verhältnismäßig früh dran waren, teilten wir das Gefährt mit allerlei anderen Personen die das selbe Ziel zu haben schienen wie wir.
Als der Zug ankam und er nach der Weiterfahrt doch recht leer war, bestätigte sich meine Vermutung und wir bewegten uns mit dem Tross hinaus aus dem Bahnhofsgebäude.
Dort wurden wir von wir sogleich von Rikscha Fahrern in Empfang genommen. So ziemlich jeder wurde angesprochen, ob man nicht eine Fahrt unternehmen wolle. Jedoch nicht wenn ich bei ihnen vorbei kam, dann senkten sich die Augen etwas verschämt in Richtung Boden. Man wagte es nicht mich um eine Fahrt zu bitten. Ach, was musste ich grinsen.
Ich dachte noch immer über diese kleine Episode nach, als mir ein paar Meter weiter ein herrlicher Duft in die Nase Kroch und schon sah ich es, einen kleinen Laden der leckere Kleinigkeiten zum Verzehr anbot. Zumeist handelte es sich um Fisch, es gab aber auch etwas vom Huhn. Eri und ich konnten beim besten Willen nicht wiederstehen und erwarben ein bisschen Huhn. Oh, wie lecker das war. Die Begeisterung dafür begleitete uns noch den ganzen Tag.
Doch irgendwie drängte es mich den Bambus Hain zu erreichen. Also ging es weiter. Als wir schließlich in eine Nähe kamen, nahm die Anzahl der Besucher doch deutlich zu und es gab die ein oder andere sehr umfangreiche Menschentraube zu umschiffen.
Es bogen neben uns durchaus ein paar Leute in den Hain ab und alleine war man dort wirklich nicht, dennoch war es nett. Enttäuscht war ich nicht, doch war der Hain viel kleiner als erwartet und das Foto welches mich veranlasst hatte zu kommen, konnte ich nicht nachvollziehen und das lag nicht daran, dass im Foto keine Menschen zu sehen waren, dafür gab es schließlich Mittel und Wege. Ich schaffte es auch nicht herauszufinden wo das Bildchen geschossen worden war.
So konzentrierte ich mich alsbald wieder auf all die anderen hübschen Dinge, so wie einen kleinen Schrein, der bei Mädchen sehr beliebt war. Dort konnte man sich nämlich einen guten, hübschen Partner wünschen. Ich denke, das an der Ernsthaftigkeit, in der man an die Erfüllung glaubte, keine Zweifel gab.
Als wir den Hain wieder verließen, hatte ich wirklich großes Glück. In Kyoto ist es durchaus nicht unüblich, dass sich Gäste Kimonos ausliehen und so begleitet ihren Ausflug durch die Stadt starteten. Zwei so begleitete junge Damen bekam ich zu sehen und ich genoss es sie zu beobachten, wie sie bestaunt wurden und mit Genuss durch den Ort liefen.
Obwohl der Stadtbezirk (Ukyō) einiges an Menschen aufwies, entdeckte Eri eine kleine Ecke die mir wahrlich gut gefiel und ganz Menschenleer waren. Man nannte es wohl Kimono-Wald. Hier hatte man verschiedene Kimono-Stoffe in Glasröhren gepackt und diese aufgestellt. Mir gefiel es wirklich sehr gut und ich war froh, dass wir es aufgesucht hatten.
Auf dem weiteren Weg erreichten wir schließlich einen Fluß über den hinweg sich ein netter Blick auf die Umliegende Hügelkette ergab und bei dem schönen Sonnenschein lud es ein, sich niederzulassen und die Umgebung zu genießen. Lange währte der Stop nicht, denn es war durchaus frisch, trotz der wärmenden Sonnenstrahlen.
Den Abschluss unseres Aufenthaltes bildete der Besuch eines Buddhistischen Tempels (Tenryū-ji). Schon der Zugang zum Tempel erlaubte es uns andere Gärten und Gebäude zu betreten und zu sehen. Doch meist waren sie kurz hinter dem Tor abgesperrt, so dass sich nur ein kleiner Blick erhaschen ließ, doch selbst die waren es wert nicht ein einziges Gebäude auszulassen.
Wie sich herausstellte war der Tempel zu großen Teilen wegen Renovierung geschlossen. Da es jedoch einen Park geben sollten, bezahlten wir trotzdem und starteten unseren Rundgang durch die Anlage. Natürlich merkte man immer, dass der Herbst schon vorüber war und die Natur langsam in den Winterschlaf versank und dennoch, die gartenarchitektur war beeindruckend und es wurde der Phantasie überlassen wie üppig und herrlich die Anlage im Frühling aussehen.
Wir verbrachten schließlich mehr Zeit im Garten, als wir selber erwartet hatten, doch langsam begann sich wieder die Dunkelheit auf die Stadt zu legen und so traten wir unsere Fahrt in Richtung unserer Unterkunft an.
Während wir in der Bahnsaßen und darüber nachdachten, was wir denn zu Abend essen sollten, entdeckte Eri ein “Kuru Kuru Sushi” – also ein Sushi Restaurant bei dem die Tellerchen mit den Leckereien stetig auf einem Laufband vor der Nase vorbei fuhren, und dies ohne Unterlass.
Also verließen wir den Zug und nahmen als bald unseren Platz im Restaurant ein. Doch bevor wir zu Essen beginnen konnten, erlaubte ich mir noch einen kleinen Patzer. Natürlich war ich auch für dieses Restaurant und die Sitzgelegenheit etwas zu üppig dimensioniert. Ich hockte mich und dabei verrückte ich die gesamte Sitzbank inklusive des dort sitzenden älteren Herrn. Der, ob wohl ich die Bank rund 30 cm versetzt hatte, nichts davon mitbekommen hatte und sich etwas wunderte wofür ich mich entschuldigte.
Danach begann das futtern und wenn mal nichts leckeres auf dem Laufband vorüber kam, oder uns einfach nach etwas anderem als dem Angebotenen der Sinn stand, bestellten wir es und es wurde kurzer Hand produziert und wurde auf einem zweiten express Band angeliefert.
Der gesamte Genuss kostete auch nur 100 Yen – akt. 75 cent – pro Tellerchen, was den Verzehr noch angenehmer machte, ohne dass die Qualität irgendwie darunter gelitten hätte.
Vom Suhi Restaurant ging es noch kurz in ein 100 Yen Geschäft, dort wurde fürs Frühstück eingekauft. Bevor wir jedoch den Laden betraten, kamen wir an einer gewaltigen Batterie an “Kaugummi Automaten” vorüber, die jedoch keine Kaugummis beinhalteten, sondern allerlei Krimskrams und Figuren.
Diese Automaten fand man aller Orten, doch in solch einer geballten Form hatte ich persönlich sie noch nie gesehen.
Nach der Erledigung aller Einkäufe ging es weiter in Richtung Hotel und wir hatten diesbezüglich richtig Glück, denn am Bahnhof des Kuru Kuru Sushi, gab es eine U-Bahnstation die uns direkt, ohne Umsteigen bis zum Hotel brachte. Ok, einen Sitzplatz gab es nicht, denn selbst im normalen Verkehr war die Bahn relativ voll.
Eigentlich wollte ich in diesem Jahr keine Hinweisschilder mehr fotografieren und mir eine andere Serie suchen, doch Japan macht es mir wirklich schwer dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, denn überall stolpere ich über diese mich ansprechenden Aufforderungen etwas zu tun oder zu unterlassen.
Ich hoffe, dass auch diese neue Serie, die sich natürlich über die gesamte Reise erstrecken wird, auch den ein oder anderen Schmunzler oder Kopfschütteln hervorbringen wird.
Eigentlich muss ich den 100 Yen Shop als 1 Euro Geschäft übersetzten. Doch aus meiner Sicht tue ich damit dem 100 Yen Shop nicht recht. In diesem Laden gibt es wirklich alles, von Schreibwaren, über Küchen-Utensilien, in gewissen Maße Kleidung aber auch Lebensmittel und das alles für 100 Yen .. ok 105 Yen, denn es kommen noch 5 Yen Steuer oben drauf.
Sich in diesem Geschäft mit allem nötigen auszustatten macht wirklich Freude, besonders wenn man an die Kasse kommt und bezahlen muss. Zudem scheinen mir alle Gegenstände wirklich eine ordentliche Qualität zu haben. Besonders die Schreibutensilien haben es mir angetan.
100 Yen Geschäfte gibt es überall im Lande und sie haben durchaus unterschiedliche Größen – Vom an einen großen Markt erinnernd bis zu kleine Lädchen.
Auf jeden Fall sollte man sie bei einer Reise nach Japan einmal besucht haben oder sich dort vielleicht mit dem ein oder anderen Teil eindecken.
Nach einem 100%ingen total Ausfall am Vortag, den ich wirklich 24 Std. im Bett verbracht hatte – warum? Keine Ahnung, mir ging es einfach nur sau schlecht und es ging einfach nix – stand wieder ein Ausflug in die Sehenswürdigkeiten Kyotos an.
Doch auch hier hatten wir unsere Planung vollständig umgeworfen, denn die Wettervorhersage , kündigte für diesen Tag mehr als übles Wetter an. So sollte es besonders am Morgen Gewitter und heftigen Regen geben. Also hatten wir uns schon im Vorfeld für einen späteren Eintritt ins unsere Erkundung eingestellt. Nun war es wohl so, dass das Wetter nicht ganz so wurde wie angekündigt, oder das Gewitter brach schon in der Nacht los und somit wurde die Gesamtsituation doch deutlich besser als gedacht.
Es war jedoch ein wirklich stürmischer und kühler Tag und wir mussten uns ordentlich einpacken, damit wir nicht froren.
Unser erstes Ziel an diesem Tag war der Tōfuku-ji Tempel. Wie sich herausstellte war dieser Tempel nur einen Steinwurf, ok 4 Busstationen, von unserem Hotel entfernt.
Die Busfahrt zum Tempel brachte mir erneut einen kleinen Einblick wie Busfahren im Bereich Kyoto, Osaka, Kobe funktioniert (s. A. Japan – Wie fährt man Bus). Uns war nicht klar, welcher Bus für uns der richtige sei und so schlug ich vor den Busfahrer zu fragen. In Deutschland würde man zum Busfahrer gehen und ihn fragen, nicht so hier. Hier trat man an den Zugang zum Bus, der sich in der Mitte des Fahrzeugs befindet und betätigte die Gegensprechanlage. Nachdem sich der Fahrer meldete und einem, uns zumindest, geholfen wurde, konnte man einsteigen, oder halt nicht.
Wir gehörten zur zweiten Gruppe. Wir mussten die Straßenseite wechseln und sahen unseren Bus uns vor der Nase wegfahren. Doch warten brauchten wir nicht lange, bis der nächste Transport anstand.
Am Ziel angelangt, traten wir unseren Spaziergang zum Tempel an, der nicht mit Historischen Sehenswürdigkeiten begann, sondern mit ein paar wirklich putzigen Figuren, die den Eingang zu einem Kindergarten schmückten.
Danach trafen wir alle paar Meter auf herrliche Holz-Tore und deren Gärten und Gebäuden. So kamen wir nicht wirklich schnell vorwärts bei der Annäherung an den Tōfuku-ji Tempel, doch auch so erreichten wir ihn.
Gleich zu Beginn eröffnete sich ein herrlicher Blick von der Zugangsbrücke zu einem der Gebäude und es war das erste Mal, dass ich etwas traurig war, dass wir die Herbstfarben und Laub wirklich knapp verpasst hatten. Ich konnte mir vor meinem inneren Auge gut vorstellen, wie herrlich alles hier leuchtete, wenn die Blätter in rot getaucht von der Sonne beschienen wurden.
Da die Wettervorhersage nicht so gut gewesen war für diesen Tag, war die Anzahl der Besucher wirklich herrlich niedrig und der Spaziergang durch die Anlage mit seinen grandios erscheinenden Holzbauten, war wirklich ein Genuss.
Ein kleiner Höhepunkt des Aufenthaltes war ein kleiner Zen Garten. Dort ließ es sich wirklich trefflich hinsetzen, die Ruhe und die Gartenarchitektur genießen. Es war auch das erste Mal, wo wir uns wirklich hinsetzten konnten, denn Sitzgelegenheiten existierten sonst nicht. Ich wäre so manches Mal froh gewesen mich einmal Mehr niederlassen zu können und das zu sehende zu genießen.
Bevor wir die Anlage verließen streifte wir noch durch einen anderen Teil der Park ähnlichen Anlage und genoss die herrlich und auf mich harmonisch wirkenden Baumanpflanzungen.
Man mag es kaum glauben, doch zwischenzeitlich schlich sich der Wunsch nach etwas Essbaren ein. Also ging es wieder in Richtung Bus und wir fuhren vom eher am Stadtrand gelegenen Tempel in die Innenstadt. Dort angelangt, hatten wir das Problem, dass das Restaurant noch geschlossen hatte. Daher war es Praktisch, dass es beim Ankunftsort einen Schrein gab.
Es handelte sich um den Yasaka-Schrein. Ihn hatte ich zwar schon in einem meiner vorherigen Besuche aufgesucht, doch minderte es kein bisschen die Attraktivität für mich. Zudem waren auch hier deutlich weniger Besucher als bei meinem letzten Besuch. So erkundeten wir die Anlage und ich entdeckte sogar einiges an das ich mich kaum mehr erinnern konnte.
Die Zeit bis zum Essen war dadurch wahrlich kurzweilig, doch war er auch deutlich angewachsen. So war ich froh, als wir dann doch zum Essen aufbrachen und das Restaurant sogar schnell erreicht war.
Für heute hatte Eri ein Geschäft ausgesucht, welches Tempura anbot. Bei Tempura handelte es sich um die Kunst Lebensmittel Teigmantel zu frittieren. Mir persönlich fällt es etwas schwer diese Kunst mit dem Frittieren in Deutschland zu vergleichen, denn die Japanische Variante ist aus meiner Sicht deutlich bekömmlicher und leckerer. Ok, auch teuer, wenn man einen wirklich guten Laden aufsucht.
Alsbald konnten wir uns durch die Köstlichkeiten futtern und ich genoss dabei jedes Stückchen.
Einmal wurde Eri etwas unruhig und sie wollte mich nicht wirklich motivieren eines der angebotenen Stücke zu Essen. Woran das lag? Wie sich herausstellte hatte mein Menü eine Besonderheit aufzubieten, den mir wurde Fugu, also dieser tierisch giftige und 100% tödliche Fisch, sollte er nicht korrekt zubereitet sein.
Ich vertraute dem Koch und ließ es mir schmecken. Wie der geneigte Leser merkt, ich lebe noch. Was den Geschmack betraf, also der war nicht so, dass ich unbedingt nocheinmal diesen Fisch verzehren würde. Er hatte eigentlich keinen Geschmack. Ich war froh, dass mir dieser Eindruck von einem japanischen Freund später bestätigt wurde und ich nicht nur einfach keine Geschmacksknospen hatte.
Danach folgte nur noch unser Dessert und der kulinarische Ausflug in die Welt des Tempura war beendet und ich war froh es genossen haben zu dürfen.
Zurück zur Unterkunft ging es erfreulicherweise via U-Bahn und mir blieb der Bus mit seinem Gedränge – selbst wenn er nicht übermäßig voll war, erspart.
Es war wirklich erfreulich, dass auch dieser Tag mit herrlichem Sonnenschein aufwartete. So fiel es wirklich nicht schwer aus dem Bett zu hüpfen und alles für die Fahrt von Osaka nach Kyoto vorzubereiten. Hier ahnte ich noch nicht wie sehr sich mein Reisegepäck, welches sich doch immerhin auf rund 35 Kg belief, mir Schmerzen bereiten würde.
Das erste Teilstück vom Hotel bis zur U-Bahn brachte ich noch tapfer hinter mich, es waren auch nur 10 – 15 Min. Fußweg. In der U-Bahn, die natürlich gut mit Passagieren angefüllt war, ging es mir schon etwas schlechter, zumal bei der hohen Dichte an Personen nicht daran zu denken war, das Gepäck irgendwo abzustellen. Es musste alles schön weiterhin geschultert bleiben.
Über die Zugfahrt nach Kyoto gibt es zum Glück nichts zu berichten, außer, dass das Gepäck den Durchgang im Zug mächtig verstopfte, und sich die armen anderen Passagiere immer vorbei quetschen mussten.
In Kyoto ging es weiter mit der U-Bahn und anschließend wieder per pedes. Wie sich herausstellte, waren es nur 10 Min. Fußweg bis zur Herberge, doch das wusste ich zu Beginn des Marsches nicht und so schnitt sich das Gepäck mit jedem Schritt tiefer in meine Schultern. Hier sei vielleicht noch erwähnt, dass mein Gepäckstück, lediglich Schulterstücke besaß, jedoch keinen Hüftgurt. Also lag das gesamte Gewicht gnadenlos auf meinen Schultern. Ja, und das schmerzte.
So war ich einfach nur fertig und ausgepowert als wir unser Hotel erreichte. Es fiel mir Anfangs deswegen nicht leicht zu realisierten wie schick diese Unterkunft war. Was für eine herrliche Herberge wir hatten, lernte ich erst in den nächsten Tagen zu schätzen – Tolles Zimmer – Kosten loses Internet – kostenlose Waschmachine und Trockner und vieles mehr.
Nachdem ich wieder Lebenszeichen von mir gab, starteten wir unseren ersten Ausflug in die Stadt und den ersten Tempel. Also ging es wieder zur U-Bahn und von dort zum Hauptbahnhof.
Von dort wollten wir mit dem Bus zum Tempel (Nanzen-ji) (engl. Artikel wesentlich ausführlicher Nanzen-ji). Als wir schließlich den Bus bestiegen, wusste ich, was ich nicht vermisst hatte und das waren die wirklich engen und kleinen Busse hier in Kyoto.
Erst versuchten sich Eri und ich gemeinsam auf eine Sitzbank zu quetschen, doch das ging beim besten Willen nicht. Zum Glück konnten wir jetzt noch schnell auf dies große Sitzbank hinten im Bus wechseln und so konnte man die Fahrt einigermaßen überstehen.
Was die enge auf den Sitzbänken angeht, so war es selbst für 2 Japaner nebeneinander ein wirklich kuscheliger Zustand und das mag schon etwas heißen.
Die Fahrt durch die Stadt zog sich wirklich in die Länge, denn der Bus kam einfach nicht vorwärts. Als wir dann noch auf eine Gruppe von Demonstranten stießen, ging überhaupt nichts mehr. So nervend diese lange Fahrt zum einen war, so bot sie auf der anderen Seite die Gelegenheit etwas das Treiben in der Stadt zu beobachten. Trotzdem war ich froh, als wir schließlich den Nanzen-ji Tempel erreichten.
Trotz der relativ späten Stunde (15:30 Uhr) war die Anlage noch gut Besucht. Warum ich 15:30 Uhr als späte Stunde bezeichne hat einzig darin seine Begründung, da die Meisten Tempel und sonstige Anlagen etwa gegen 16:00 – 16:30 Uhr schlossen und es ohnedies gegen 16 Uhr langsam dunkel wurde und ab 17 Uhr die Nacht über die Stadt hereinbrach.
So blieb uns auch nicht all zu viel Zeit, um die Anlage zu genießen und da kam meine Angewohnheit zu versuchen, Fotos relativ Menschenfrei aufzunehmen, diesem Vorhaben nicht wirklich entgegen. Irgendwann gab ich es dann auch auf und versuchte den Aufenthalt einfach zu genießen.
Was neben den wirklich hübschen und herrlich verzierten Holzgebäude Gebäuden mir besonders ins Auge fiel, war ein steinernes Aquädukt. Es bereicherte die Anlage wirklich sehr, und war bei den Besuchern ein extrem beliebtes Objekt, um sich gegenseitig abzulichten.
Mehr als dieses Aquädukt erfreute mich die kleinen Gärten, die so anschaulich die Kunst eines japanischen Gartens vor Augenführte. Ich war sehr enttäuscht, dass all zu rasch die Dunkelheit über uns und die Anlage hereinbrach.
Sightseeing macht hungrig, und so unterbrachen wir unsere Fahrt zum Hotel kurz und suchten uns eine Möglichkeit zu Nahrung zu kommen. Der einzige Ort der uns etwas zum Essen anbot, war eine Bar. Laut Eri war das nichts schlimmes, sondern man konnte durchaus in diesen Läden zu einem brauchbaren Essen kommen. Dies war dann auch tatsächlich der Fall.
Das einzige was uns jedoch etwas auf den Magen schlug waren die 2 Euro Tischmiete, die wir zu entrichten hatten. Ich hatte zwar in der Zwischenzeit davon gehört und auch schon gelernt, dass dies durchaus auch in Europa vorkommen kann, trotzdem fand und finde ich es seltsam für einen Tisch miete zu entrichten, wenn man nun schon bereit war in einem Lokal zu essen.
Vor Reiseantritt hatte mein Fotoapparat seinen Geist aufgegeben und auch der Versuch einer Reparatur war nicht wirklich mit Erfolg gekrönt. Also musste ein neuer Fotoapparat her. So weit, So gut … Leider folgte dieser Beschaffung der Kauf neuer Speicherkarten und hieraus erfolgte mein urlaublicher Alptraum.
Zwar hatte ich zu Hause schon lustig fotografiert, Bilder auf meinen Rechner übertragen und bearbeitet, doch dies mit meinem Heimarbeitsplatz. Die Reise führte ich jedoch mit meinem Netbook durch und dies ist schon etwas betagter und war mit einem älteren Betriebssystem ausgestattet als der besagte Arbeitsplatz zu Hause.
Als ich nun in Osaka in meinem Zimmer saß, meinen Speicherkartenleser anschloss und die Speicherkarte darin versenkte, merkte ich sehr schnell, dass ich auf die Karte nicht zugreifen konnte. Es war nichts zu machen. Eine gewisse Panik stieg in mir auf.
Aus lauter Verzweiflung, schloss ich schließlich die Kamera selber an mein Rechner an, kam hier zwar an die die Daten, jedoch nur an meine im JPG Format aufgenommen Fotos. Dies war zwar eine kleine positive Aussicht, doch meine RAW Bilder (also die Bilder, die wesentlich mehr Informationen enthalten) verlieren zu müssen war nicht sonderlich verlockend.
Das Studium des deutschsprachigen Internets brachte hervor, dass es nur am Kartenleser liegen müsse. Ich hatte so meine Zweifel, denn der meinige war ebenfalls gerade erst beschafft. Dennoch besorge ich einen neuen Leser und dabei machten wir den Verkäufer durchaus etwas verrückt, denn wir bestanden darauf, dass es das absolut neuste Modell sein sollte 🙂
Natürlich brachte diese Beschaffung keine Verbesserung der Situation. Also nochmal ins Internet und auf den englischsprachigen Seiten gesucht. Dort wurde empfohlen ein Update des Betriebssystems durchzuführen.
Also Treiber besorgt und installiert. Tatsächlich brachte es den gewünschten Erfolg und ich konnte wie gewohnt auf meine Daten zugreifen. Welch ein Stein mir vom Herzen fiel, mag man sich wohl kaum vorstellen.
Als Ergebnis dieser kleinen Katastrophe, bedeutet es für mich, in Zukunft wirklich alles vor der Reise einer Prüfung zu unterziehen, um solche Überraschungen in Zukunft zu vermeiden.
Nun könnt Ihr und ich mich auf hoffentlich schöne Fotos von dieser Reise weiterhin freuen.
Die Frage nachdem was “Love Hotels” sind ist nicht so einfach zu beantworten wie es der Name es vermuten lässt. Doch ganz weit weg von der Namensgebung ist es auch nicht.
Auch wenn die Anmietung eines Hotelzimmers durchaus Stundenweise erfolgt, ist es kein Stundenhotel in dem Sinne wie ich es spontan verstehen würde.
Um das System der Love Hotels verstehen zu können, muss man sich die räumlichen Gegebenheiten in Japan vor Augen führen. Alles ist sehr eng, auch die Wohnverhältnisse. Auch ist es üblich, dass Frauen bis zur Heirat bei den Eltern wohnen und so gibt es nicht wirklich Möglichkeiten sich zu Treffen und seine Zweisamkeit zu genießen. So ist es nicht so ungewöhnlich, dass man solch ein Hotel aufsucht, um der häuslichen Enge entfliehen zu können.
Natürlich, wie überall, werden solche Häuser auch für außereheliche Treffen oder dem professionellen Gewerbe verwendet, doch es ist nicht das Hauptansinnen oder Zweck dieser Hotels.
Mein erster Tag in Japan begann spät, denn mein nicht schlafen während des Fluges von Deutschland nach Japan hatte seinen Tribut gezollt. Aber auf diese Weise erwachte ich durchaus munter im neuen Land und dem neuen Tag, zusätzlich erfreut, dass ich Sonne durch mein Hotelzimmer fluten sah. Ich merkte zwar, dass das Wetter durchaus wechselhaft zu sein schien, doch gegen ein paar Sonnenstrahlen für den ersten Tag hatte ich wahrlich nichts einzuwenden.
Das aufgesuchte Hotel hatte kein Frühstück zu bieten, also ging es als bald hinaus und sogleich ins erste Restaurant. Es war fast 12 Uhr Mittag, also wurde das Frühstück ausfallen gelassen und gleich mit dem Mittagessen begonnen. Ich bestellte mir, ok Eri bestellte, denn ich konnte nichts lesen oder gar bestellen, eine Schale Reis auf der allerlei leckere Meeresfrüchte angerichtet waren und eine Miso-Suppe. Es war wirklich lecker und verschaffte mir ein angenehmes Gefühl gesättigt zu sein.
Nachdem wir gestärkt waren, stellte sich die Frage wohin es uns verschlagen sollte. Nach einigem Hin und Her fiel die Entscheidung eines der acht höchsten Gebäude der Stadt aufzusuchen und von dort, ohne störende Fenster die Aussicht auf die Stadt zu genießen.
Bevor wir uns jedoch in schwindelnde Höhe des Umeda Sky Building wagen konnten, hieß es in den Untergrund der Stadt zu verschwinden und via U-Bahn unser Ziel zu erreichen.
Obwohl es für meinen Geschmack noch recht früh am Tage war, waren die U-Bahnen und die Zuwege schon gut gefüllt mit Menschen und ich hatte schon ein wenig das Gefühl etwas beengt reisen zu dürfen. So war ich wirklich froh, als wir schließlich das Ende der Fahrt erreichten.
Als wir wieder Tageslicht erblickten, wurde ich gleich mit etwas konfrontiert, was ich nur allzu gut kannte – Einem Weihnachtsmarkt :-). Er bestand nur aus ein paar Buden, aber dort gab es alles, was man auf jedem deutschen Markt auch finden würde. Es gab zwar augenscheinlich keinen Glühwein, aber dafür deutsches Bier.
Bevor es schließlich zum Umeda Sky Building ging, musste ich einen Ort aufsuchen, über den man in aller Regel kein Wort verliert. Ich musste auf die Toilette. Doch japanische Toiletten verzücken mich jedes Mal. Nicht nur, dass man zumeist und überall kostenfreie und vor allem saubere Toiletten findet, so kann man auch oft das Glück haben, auf super moderne japanische Toiletten zu stoßen. Diese machen einen Besuch wahrlich angenehm. Die Wohltaten beginnen mit einem beheizten Sitz, über eine angenehme Hinterteilspühlung bis hin zum automatischen Abspülen und Deckel schließen. Wer einmal solch einen Luxus genossen hat, mag kaum mehr darauf verzichten. Ich gebe ehrlich zu, mir geht es auf jeden Fall so.
So erreichten wir schließlich das Hochhaus, zu dessen Füße sich ebenfalls ein Weihnachtsmarkt ausbreitete, der auf jedem Fall einem deutschen Markt in nichts nach stand. Es gab alle möglichen Leckereien und Weihnachtsutensilien. Sogar einen Thüringer Bratwurststand entdeckte ich. Doch waren mir 6 Euro für eine Wurst etwas zu viel und ich versagte mir, trotz reichlichem Speichelfluss, den Einkauf. Stattdessen ging es ins Hochhaus und die Fahrt hinauf in den – so glaube ich zumindest – 41 Stock begann. Teilweise bot der Fahrstuhl freie Sicht auf die umliegende Stadt, die immer kleiner werdend unter unseren Füßen verschwand.
Auf dem Dach angelangt, empfing uns ein wirkliche kaltes Lüftchen, doch die grandiose Aussicht machte es alle Mal wett. Ich wusste nicht in welche Richtung ich meinen Blick als Erstes richten sollte. Zumal überforderte mich dieses Meer an Häusern und Straßen meine Sehgewohnheiten.
Es war erstaunlich zu erkennen, dass selbst große Gebäude von diesem rund 180 Meter hohen Koloss, wie Spielzeuge wirkten, von den Fahrzeugen oder gar Menschen ganz zu schweigen.
Erfreulicherweise riss die Wolkendecke während des Aufenthaltes etwas auf und so wurde es etwas wärmer und die Gebäudefluchten und Straßentäler wurden wesentlich plastischer. Jetzt wirkte alles noch tiefer und weiter als zuvor. Es fiel mir schwer mich von diesem Ausblick loszureißen. Doch der Hunger begann wieder zu bohren, es war schließlich auch schon Zeit zum Abendessen geworden.
Wir entschieden uns gegen den Besuch eines Restaurants, stattdessen besuchten wir einen “Convenience Shop” (Nachbarschaftsgeschäft) und erstanden dort ein paar Onigiri (Reisball) und andere Leckereien, auf die ich mich wirklich gefreut habe. Mit den Lebensmitteln hockten wir uns in eine Sitzecke und wir ließen es uns wirklich schmecken. Es war einfach, aber so lecker, dass ich mich jeder Zeit davon ernähren könnte.
Mittlerweile war es dunkel geworden und so genossen wir noch die nächtliche weihnachtliche Beleuchtung in der Stadt. Ich musste feststellen, dass mich das japanische Engagement für dieses Event, die deutschen Aktivitäten wirklich nicht vermissen ließ.
Ich war einigermaßen erschrocken, als ich erfuhr, dass genau dann ein Orkan über Nord-Deutschland einbrechen sollte, als meine Reise nach Japan beginnen sollte.
Je mehr ich von den Ausmaßen des Orkans (Orkan Xaver)hörte, um so mehr Sorgen machte ich mir. Es half auch nicht, beim Reisebüro anzurufen oder die Abflüge vom Berliner Flughafen zu beobachten. Im Grunde lief es darauf hinaus zum Flughafen zu fahren und abzuwarten was passieren würde. Ich fragte mich, warum mich solches Ungemach bei all meinen Reisen nach Japan verfolgte, denn erst war es ein Vulkanausbruch in Island, dann der Atomunfall in Japan und jetzt der Orkan. Ich überlegte, was diese Regelmäßigkeit an außergewöhnlichen Ereignissen zum Reisebeginn bedeuten soll. Ich entschied mich, dass es keine Bedeutung haben sollte, doch es blieb dabei dass es den Reisebeginn etwas unangenehm würzte.
Irgendwann machte ich mich schließlich auf zum Flughafen und das Wetter zeigte sich noch von seiner nicht so unangenehmen Seite. Nachdem ich mich jedoch am Flughafen eingecheckt und es mir gemütlich gemacht hatte, brach es draußen los. Es gab heftige Sturmböen und es schien auch zu Schneien begonnen zu haben
Als mir während des Wartens ein Weihnachtsmann und sein Engel begegneten, nahm ich dass als ein positives Zeichen und irgendwie sollte ich Recht behalten.
Bis mein Flug schließlich Berlin verlassen konnte, verging einiges an Zeit und mit etwa 50 minütiger Verspätung hob der Flieger vom Flughafen ab. Rechnete ich von jetzt an die Flugzeit hinzu und betrachtete den Zeitpunkt meines Einsteige-Zeitpunkt ich den Flieger nach Japan, stellte ich fest, dass sie gleich waren. Dies beruhigte mich wirklich. Auch das Schütteln des Fliegers ließ meine Zuversicht für einen reibungslosen Umstieg nicht wachsen.
Beeindruckt war ich jedoch von den Flugbegleitern, die trotz des sehr wilden ritt durch die Lüfte Essen und Getränke austeilten.
Istanbul erreichten wir etwas früher, als ich errechnet hatte. Doch auch so hatte ich nur 20 Minuten für meinen Umstieg. So nahm ich meine Beine in die Hand und stürmte los.
Das erste Mal wurde ich aufgehalten, als ich in die Nähe einer Personenkontrolle kam. Hier sollten die Passagiere die Flugkarten für den Weiterflug vorzeigen. Die Gruppe vor mir, verstanden nicht was man von ihnen wollte und so brach eine kleine Diskussion aus und ich wurde zunehmend Unruhiger. Als das Palaver kein Ende nahm. Ich rief schließlich, dass ich nur noch 10 Min. bis zum Boarding hätte und durfte überholen.
Relativ schnell brachte ich die Personenkontrolle hinter mich, nahm mir dann aber keine Zeit wieder meinen Gürtel in die Hose zu fädeln oder die Schuhe zu schnüren. Es ging nur darum so schnell wie möglich mein Gate zu erreichen.
Natürlich verlief ich mich kurz, da ich eine Abzweigung verpasste, doch das hielt mich nur kurz auf und ich mochte es kaum glauben, genau zum Boarding erreichte ich mein Gate.
So Glücklich ich war pünktlich angekommen zu sein, um so erschrockener war ich, als ich die Schlange beim Gate sah. Es waren etwa 150-180 japanische Schüler. Jetzt verstand ich auf einen Schlag, warum die Maschine so brechend voll erschien, als ich meinen Online Checkin (Platzreservierung) vornahm. Als Ergebnis dieser Massen stellte sich der Flieger wirklich bis auf den letzten Platz ausgebucht heraus, was für mich und meinen Sitzplatznachbarn wirklich nicht so angenehm war.
Irgendwie schaffte ich es mir es trotzdem dem Flug zu überstehen. Fotos vom Essen konnte ich aber nicht machen, denn die Nahrungsaufnahme war eine Herausforderung. denn wenn ich das Tablett herunterklappte, auf dem ich mein Essen abzustellen hatte, schaffte es dieses Tablett nie in die Waagrechte, sondern wurde es in einem 45 Grad Winkel auf meinem Bauch gehalten. Das Abstellen des Essens war wirklich nicht so spaßig. Doch kannte ich diesen Zustand und ich hatte ich schon meine Techniken entwickelt, trotzdem Essen zu können.
Irgendwie war ich froh, als die rund 12 Std. Flug vorüber waren. Hier erwies es sich als gut, dass so viele Japaner im Flieger waren, denn so war die Schlage am Einreiseschalter für Ausländer extrem kurz und ich brachte diesen Punkt erstaunlich schnell hinter mich.
Auf mein Gepäck musste ich lang warten. Ich wollte dieses Mal versuchen einer Gepäckkontrolle zu entgehen und stellte mich an jene Schlange, die nichts zum Verzollen hatte, doch da hatte ich die Rechnung ohne den japanischen Zoll gemacht. Höflich aber bestimmt wurde ich gebeten mein Gepäck zu öffnen und die Innereien meines Koffers zu offenbaren. Schnell sah der Zollbeamte aber ein, dass es die Mühe nicht wert war.
Damit war Japansicher Boden erreicht. Ich wurde von Eri in Empfang genommen und dann begannen wir unsere Fahrt nach Osaka, wo wir die nächsten 2 Nächte verbringen wollten.
Nach nun rund 2 Jahren geht es wieder auf Reisen und wie die Überschrift schon zeigt, wird mein Ziel erneut Japan sein.
Im Gegensatz zu meinen vorherigen Aufenthalten wird dieses Mal einiges an Reiseaktivitäten auf dem Programm stehen. Neben Tokyo wird die Insellandschaft der Ostküste erkundet, es geht aber auch in die japanischen Alpen. Also Abwechslung ist angesagt.
Zudem ist es das erste Mal für mich dass ich vielleicht den Herbst aber auf jeden Fall den japanischen Winter erleben werde. Ich hoffe, dass es mir nicht all zu kalt werden wird.
Auch entrinne ich dem Trubel des Silvester. Stattdessen werde ich den ruhigen und besinnlichen Beginn des neuen Jahresbeginns erleben dürfen.
Auch wenn die ersten 3 Wochen der Reise schon bis ins kleinste Detail geplant und gebucht sind, so ungeplant sind die Reisevorstellungen und –Vorbereitungen für die zweite Hälfte der Reise. Also es gibt alle mal viel zu erwarten und ich hoffe, dass meine Fotos und Berichte Euch in das Abenteuer Japan fesselnd einbeziehen.
Noch ein bisschen Geduld, doch in Kürze gibt es wieder Futter zum Lesen und hoffentlich genießen.
Japan ist wirklich eine unerschöpfliche Quelle an lustigen Hinweisschildern. Ich kann mich überhaupt nicht satt sehen und genieße es, wenn wieder ein neues entdeckt wird.
Es geht direkt los mit einem neuen Bildchen, bei dem mir, trotz englischsprachigem Hinweis (Face Cover -> Gesicht Schutz) nicht klar war auf was hingewiesen werden soll, oder wo es gar Anwendung hat.
Ich gebe die Auflösung irgendwann später im Kommentar-Bereich. So lange darf jeder einmal raten was es mit diesem Hinweis auf sich hat. … Viel Spaß.
Eines meiner Favoriten der japanischen Küche sind Gyōza. Diese gefüllten Teigtaschen, stammen ursprünglich aus China, gehören jedoch heute zu den typischen japanischen Speisen und sind landesweit sehr beliebt.
Als Reisender kann man aller Orte in den Genuss dieser kleinen Köstlichkeiten, die zumeist mit Fleisch oder Gemüse gefüllt sind, gelangen. Natürlich kann man sie auch tief gefroren im Supermarkt erwerben, doch die Hand gemachten lassen einem einmal mehr das Wasser im Munde zusammen laufen.
Zubereitet werden können die Gyōza im Wasserdampf oder auch frittiert, doch die Kombination aus beidem Zubereitungsarten ist allerdings der wahre Hochgenuss.
Verzehrt mit einer leichten Sauce aus Sojasauce, Reisweinessig, Sesamöl und Zucker ist der Gaumengenuss ein ganz besonderer.
Nachtrag 2018
Die für mich besten Gyōza habe ich bislang in Kobe bei einem Besuch von China Town verspeist. Der Laden ist kein Geheimtipp mehr und so ist die Schlage vor dem Geschäft oft lang. Doch das Warten lohnt sich.
Nachdem ich schon einiges an landschaftlicher Vielfalt in Neuseeland und anderen Ländern der Welt habe kennenlernen dürfen, wollte ich mich dieses mal, der für mich vielleicht am extremsten anmutenden Landschaft widmen, einem Vulkan. Dafür hatte ich mir einen Wanderausflug in den Tongariro Nationalpark ausgesucht.
Doch vor antritt einer Wanderung, muss man erst einmal seinen Ziel erreichen und dies war in diesem Falle wirklich ein klein wenig schwierig.
Gemeinsam mit einem Engländer hatte ich mich in Wanganui aufgehalten. Eine freundlich Einladung hatte mich dort hin verschlagen und nachdem ich herrliche 3 Tage dort verlebt hatte, inklusive eines Erdbebens der Stärkte 6,7, wollten wir den Ausflug zum Nationalpark in Angriff nehmen.
Die einzige Möglichkeit um das Ziel zu erreichen war ein Überlandbus. So ging es früh morgens zu einer der beiden im Ort befindlichen Gesellschaften. Dort erfuhren wir jedoch, dass der Bus erst in 3 Stunden fahren sollte und nur noch 2 Plätze frei seien.
Die Wartezeit war etwas lang, so ging es kurzentschlossen zur anderen Busgesellschaft, doch diese bot keine Fahrt zum Nationalpark an. Also ging es wieder zurück zur ersten Gesellschaft, um mit dieser die Reise anzutreten. Doch es kam, wie es kommen musste, einer der beiden Plätze war in der Zwischenzeit verkauft worden.
Da der Engländer jemanden im Nationalpark treffen wollte, entschieden wir, dass er als erstes fahren dürfe und ich mit dem nächsten Bus nachfolgen würde. Zum Glück fuhr an diesem Tag ein zweiter und dies empfand ich wirklich als Glücksfall, denn eher kannte ich es so, dass nur einmal täglich ein Transport angeboten wurde. So war ich auch nicht sonderlich unglücklich über die Tatsache, dass ich bis zum späten Abend warten musste, bis die Fahrt beginnen sollte. Doch als sich der Tag wie ein Kaugummi immer länger und länger wurde, hatte ich doch etwas Zweifel, bezüglich unser Entscheidung.
Nicht lange vor der Abfahrt meines Busses, reifte in mir die Erkenntnis, dass ich es an diesem Abend nicht mehr bis in den Nationalpark schaffen würde, sondern gerade mal bis in den Ort “Nationalpark” an der Grenze zum Wandergebiet. Also musste unbedingt die Frage einer Unterkunft geklärt werden.
Da mit mir zwei andere Backpacker an der Bushaltestelle warteten, konnte ich mir von ihnen einen Unterkunftsführer ausleihen. Dort suchte ich mir schnell etwas heraus und wollte es sogleich telefonisch buchen.
Doch dies brachte mir eine neue Herausforderung ein. Während man heute immer und ohne Probleme jede Rufnummer direkt anwählen kann, so musste ich noch über eine Telefonzentrale mein Ziel anwählen lassen. Um dieses Verfahren hatte ich mich auf der gesamten Reise gedrückt, denn wer stolzer Besitzer einer Telefonkarte war, durfte schon damals alle Nummern direkt anwählen. Doch meine Telefonkarte war leer und ich musste mit Bargeld und der Telefonzentrale mein Glück suchen. Bevor ich dieses kleine Abenteuer begann, starrte ich sorgenvoll auf die 3 Knöpfe auf dem Apparat die mit A, B und C gekennzeichnet waren. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung wann ich was zu drücken hatte, lediglich hatte ich mitbekommen, dass ich beim Abheben des Hörers direkt jemanden von der Vermittlung dran hatte.
Also schnappte ich mir den Telefonhörer und nach kurzer Zeit meldete sich eine nette Stimme. Noch immer unsicher teilte ich mit, wen ich anzurufen gedachte. Die Stimme meinte sie würde nun wählen und dann sollte ich (so meine ich mich zu erinnern) A drücken und das Geld einwerfen. Natürlich machte ich es alles falsch und die Stimme musste sehr geduldig mit mir sein, bis wir das Prozedere ordentlich hin bekommen hatten und ich schließlich meinen Gesprächspartner an der Leitung hatte.
Ich buchte die Unterkunft und bekam als Wegbeschreibung “Es ist nur 2 Sekunden von der Haltestelle entfernt”. Ich hatte etwas Zweifel, ob dies als Beschreibung reichen würde, doch ich ließ es darauf ankommen.
Ich sollte gegen 22 Uhr in Nationalpark ankommen und auch dies stellte kein Problem für die Beherbergung dar. Daher bestieg ich frohen Mutes den Bus und trat die Fahrt an.
Wie lange wir unterwegs waren kann ich nicht genau sagen, doch irgendwann wunderte ich mich, dass der Busfahrer ohne Licht über die Straßen Neuseelands fuhr. Es war Vollmond und vielleicht wollte er ja unbedingt Strom sparen. Doch irgendwann hielt der Fahrer und machte sich am Bus zu schaffen. So rechten Erfolg schien er damit jedoch nicht gehabt zu haben, denn geraume Zeit später setzten wir die Fahrt ohne Licht fort.
Eine erneute Unterbrechung der Fahrt gab es bei einer Werkstatt. Auch dort versuchte man sich an der Beseitigung des Problems. Doch auch hier gab man schließlich auf. Nun mussten wir auf einen Ersatzbus warten. Wie lange es war, weiß ich nicht, denn ich hatte mich ins Traumland verabschiedet. Irgendwann war wohl der Bus da, man hatte das Gepäck umgeladen und die Fahrt ging weiter. Auf diese Weise war es 2 Uhr in der Früh geworden, als wir Nationalpark erreichten.
Als ich den Bus verließ hatte ich ein schlechtes Gewissen auf Grund des späten eintreffens und jemanden wecken zu müssen. Zudem schien es mir, als würde der Ort nur aus Unterkünften bestehen und etliche davon lagen in den besagten 2 Sekunden Entfernung. Ich hatte somit keinerlei Vorstellung wo ich untergebracht war und ich stand Ratlos auf der Straße herum.
Als der Bus den Ort verließ, war ich noch immer unsicher, doch es geschah das Wunder. Eine Frau erschien auf einem Balkon und erkundigte sich, ob ich der angekündigte Gast sei. Ich bejahte und ich wurde herzlich in die Herberge eingeladen. Freundlich ging es dann auch noch weiter. Mir wurde mein Bett gezeigt und auf die Frage, wie ich am kommenden Tag in den Nationalpark gelangen könne, meinte man, man würde die Gäste kostenfrei in den Park bringen. Doch müsste ich dazu an diesem Tage um 5 Uhr aufstehen.
Obwohl mir somit nur 3 Std. Schlaf blieben, meldete ich mich für den Transport an und legte mich sogleich zum Schlafen nieder.
Die 3 Std. vergingen wahrlich schnell und völlig Müde quälte ich mich aus dem Bett. Nach einem ganz leichten Frühstück begann auch schon die Fahrt. Lange dauerte sie nicht und wir erreichten den Ausgangsort für die Wanderungen im Park.
Bevor ich ausstieg, fragte die Herbergsmutter etwas verschämt, ob es in Ordnung sei, dass sie 5 Euro für die Nacht verlangen würde. Ich war über solch eine Großzügigkeit so verdutzt, dass ich es nur dankend an nahm. Noch heute bin ich über so viel Großzügigkeit erstaunt und dafür dankbar.
Nun stand jedoch die Aufgabe auf meinem Programm den Engländer wiederzufinden und dies erwies sich als durchaus schwierig, denn ich hatte nicht wirklich eine Idee wo er untergekommen war. Doch irgendwann war er gefunden und wir berieten über die anstehende Wanderung. Er war über das aktuelle Wetter und deren Entwicklung nicht so glücklich und wollte den Ausflug in den Nationalpark heute nicht beginnen. Ich sah dies etwas anders und so trennten sich unsere Wege hier.
Nach einem kurzen Besuch im Büro der Nationalparkverwaltung und der Erledigung aller Formalitäten, brach ich bei leichtem Nieselregen auf.
Die Sicht auf die umliegende Landschaft erwies sich am heutigen Tage ebenfalls nicht als wirklich gut und so stapfte ich einfach vor mich hin, ohne mich groß umzuschauen. Das laufen war auch nicht ganz so einfach, denn der Regen verwandelte den Untergrund in ein feuchtes und extrem glitschiges Etwas, was mich wie auf Eis schlittern ließ und mich mehr als regelmäßig dazu veranlasste auf der Nase zu laden. Es nervte durchaus etwas. Hinzu kam das ständige auf und ab um die div. Wasserläufe zu durchqueren, die sich durch die Landschaft zogen. Daher war ich froh, als ich alsbald jene Hütte erreichte, welche ich mir zur Nächtigung ausgesucht hatte, auch war ich wegen der kurzen Nacht rechtschaffen müde.
Die Hütte war nicht sonderlich groß und trotz meiner relativ frühen Ankunft schon gut besucht. Es gab etwa 20 Schlafplätze und die waren schon fast alle belegt. Doch nach und nach kamen mehr und mehr Leute an und als auch noch eine Gruppe von Pfadfindern hier Schutz für die Nacht suchte, war die Hütte einfach nur überfüllt. So hätten wir in dieser Nacht wohl rund 40 oder mehr Schlafplätze benötigt, doch da es diese nicht gab, wurde einfach sehr nah zusammen gerückt. Wenden beim Schlafen, daran war wirklich nicht zu denken.
Trotzdem war es nett und durchaus beschaulich. Es gab viel zu reden und die Pfadfinder, alles Mädchen und Jungs im Alter um die 10 – 13 Jahre, brachten mich oft zum Schmunzeln. Besonders ein Punkt blieb mir im Gedächtnis verhaftet.
Natürlich brauchten sie auch etwas zu essen und wie alle, kochten wir auf unseren Kochern vor uns hin. Um Licht zu haben, führten sie Kerzen mit. Während sie kochten, wollten sie auch einmal nachsehen wie ihr Essen so war. Nun war es im Topf allerdings eher dunkel. Also nahmen sie die Kerzen hielten diese schräg über den Topf um hineinzusehen. Sie sahen nun zwar ihr Essen, doch tropfte nun auch lustig das Wachs hinein. Danach begann das große Angelspiel um das Essen wieder vom Wachs zu befreien. .. Ja, wir hatten alle Spaß.
Irgendwann legte ich mich hin, das hieß, ich quetschte mich zu den anderen auf die Schafstätte.
Als ich am Morgen erwachte, war ich durchaus froh, dass die Nacht vorüber war, denn es war laut und wirklich zu eng. So stand ich auf und begab mich vor die Hütte. Dort staunte ich nicht schlecht, denn die Landschaft hatte sich dramatisch verändert. Während es am Vortag feucht, glitschig und unangenehm war, war jetzt alles von einem herrlichen Weiß überzogen. Es hatte in der Nacht tatsächlich ein paar Zentimeter Schnee gegeben. Zudem lag ein recht dichter Nebel über der Landschaft und ich überlegte, ob ich meine Tour fortsetzen sollte oder nicht.
Da der Wanderweg hier wirklich gut markiert war, entschied ich mich meine Sachen zu packen und den weiteren Weg anzugehen.
Viel sah in heute in der Tat nicht vom Park. Ich arbeitete mich lediglich von einem Markierungspfosten zum nächsten und starrte in das dichte weiß des Nebels. Ab und an konnte ich durch das dichte Weiß die Vulkanische Umgebung erahnen und das fand ich schon fast spannender als bei herrlichem Wetter hier zu laufen.
Besonders aufregend fand ich den Schnee der am Vulkangestein festgefroren und durch den stürmischen Wind geformt worden war und ich genoss es diese Skulpturen der Natur zu bestaunen.
Irgendwann kam mir eine Gruppe von Wandern entgegen. Sie waren allem Anschein nach nicht auf dieses Wetter vorbereitet gewesen, denn sie trugen Socken als Mützen oder als Handschuhe. Zudem waren sie alle samt von einer Eisschicht überzogen und sie wirkten alle etwas verfroren.
Ich schaute an mir herunter, konnte jedoch weder Eis noch sonstiges ausmachen und Kalt war mich auch nicht. Ich wunderte mich nun zwar etwas, hinterfragte das Gesehene jedoch nicht.
Dieser Begegnung folgte ein recht bemerkenswerter Aufstieg. Dieser ließ in mir Ernsthaft die Überlegung aufkommen, ob ich besonders schlau gewesen war, in diesem Wetter zu laufen, denn zum einen fand ich keine Markierungen mehr und zum anderen wehte solch ein extrem starker Wind, dass ich mich in ihn legen musste, um in ihm überhaupt gehen zu können.
Das Problem mit meiner Schräglage im Wind war, dass ich dadurch mit meinem Oberkörper über einem Vulkankraterrand schwebte. Hätte der Wind schlagartig aufgehört zu wehen, wäre ich sofort den Abhang hinunter gefallen. Wie tief, ich weiss es nicht. Der Nebel verhinderte eine ordentliche Schätzung, doch das was ich sah reichte mir.
Trotz allem lief ich weiter, legte aber fest, dass wenn ich nicht binnen 15 Min. eine Markierung fände, ich die Wanderung abbrechen und zur Hütte zurück laufen würde. Genau nach der von mir festgelegten Zeitdauer, fand ich solch eine Markierung. Sie lag auf dem Boden und war vom Schnee verdeckt. Erfreulicher weise wurde der Weg nun deutlich sichtbarer und sicherer. Er wurde breiter und besser definiert und so traute ich mich die Wanderung fortzusetzen..
Mit dem Fund der Markierung begann der Abstieg, der zuvor erklommenen Höhenmeter. Je tiefer ich kam um so ruhiger wurde der Wind und ich entschied mich eine kleine Pause einzulegen. So nahm ich meine Wasserflasche und wollte etwas trinken, doch mein Wasser hatte sich fast vollständig in Eis verwandelt. Nun machte ich mir auch die Mühe mich einmal genauer zu betrachten und dabei stellte ich fest, dass auch mich eine Eisschicht überzog und ich wohl ebenso wild und verfroren aussah wie jene Wandergruppe, die ich vor nicht wirklich all zu langer Zeit getroffen hatte.
Ich war deshalb froh, dass es bis zu meinem Tagesziel nicht mehr weit war und ich freute mich wirklich sehr auf die heiße Quelle mit Bademöglichkeit.
Als ich die Hütte erreichte, war ich der erste Besucher an diesem Tag und nachdem ich mir eine Schlafstätte ausgesucht hatte, zog ich die Badehose an, kletterte in meine Wanderschuhe, schnappe mir mein Handtuch und machte mich halb nackt auf den Weg durch Eis und Schnee zur heißen Quelle.
Dort angelangt stellte ich fest, dass man in dem Bächlein, der sich aus der Quelle ergoss, verschiedene Barrieren aus Stein errichtet hatte, die jeweils einen Pool bildete. Je weiter der Pool von der eigentlichen Quelle entfernt lag um so kühler wurde das Wasser. Auf diese Weise konnte ich mir genau jenen Pool aussuchen er mir am angenehmsten war.
Ich hockte ich mich in einen und genoss es von Schnee umgeben im wohl temperierten Nass zu sitzen.
Ganz in Ruhe konnte ich den Ort nicht genießen, denn jedes Mal wenn Wanderer oder Ausflügler vorüber kamen, musste ich als Fotomotiv herhalten. Doch ernsthaft störte es mich nicht.
Herrlich aufgewärmt zog ich mich irgendwann in die Hütte zurück und bedauerte nur etwas, dass das Wetter noch so schlecht war, denn von dieser Hütte hätte ich einen grandiosen Blick über das Umland vom Nationalpark haben können. So hoffte ich, dass mir vielleicht der kommende Morgen dieses Glück schenken würde.
Wie nicht anders zu erwarten, füllte sich die Hütte zusehends mit Wanderern und obwohl sie nicht wirklich überfüllt wurde, entschied ich mich in einen Anbau der Hütte umzusiedeln, denn sehr unhöfliche Zeitgenossen meinten in der Hütte rauchen zu müssen und in diesem Mief wollte ich wahrlich nicht schlafen.
Im Anbau hatte ich dann wirklich meine Ruhe, denn es war mehr als kalt bei meiner Schlafstätte und ich war froh, meinen bis –30 Grad ausgelegten Schlafsack dabei zu haben, denn laut meines Thermometers bewegten wir uns langsam aber sicher immer tiefer in die Minusgrade. Es waren dann zwar nur –15 Grad, doch auch das reichte mir für eine sehr frische Nacht.
Als ich am Morgen aus dem Schlafsack kletterte wurde ich sofort von einer eisigen Hand ergriffen und ich wollte sofort in die Hütte umsiedeln. Als ich jedoch vor meinen Anbau trat, sah dass die Wolken verschwunden waren und welch herrliche Aussicht sich mir bot, blieb ich stehen und genoss es in vollen Zügen.
Mit dieser Aussicht und der Erinnerung an meine abenteuerliche Anreise, die Wanderung in Eis und Schnee und das herrlich warme Bad, ließ ich die Wanderung ausklingen und verinnerlichte diesen Ausflug in den Tongariro Nationalpark als eines meiner besonderen Wandererlebnisse.
Eine Herausforderung an den unbedarften Gaumen stellt in der japanischen Küche Umeboshi dar.
Diese Frucht, zumeist als Pflaume bezeichnet, ist nach ihrer Zubereitung ein sauer, salziger Genuss. Ich gebe zu, dieser Geschmack überforderte mich im ersten Moment etwas, wenngleich ich sowohl salziges als auch saures sehr schätze. Doch in der Zwischenzeit mag ich diese Frucht außerordentlich.
Die verschiedenen Darreichungsformen von traditionell bis zu einem leckeren Snack aus der Tüte haben alle ihren Reiz. Besonders an warmen Tagen sind diese Früchte bekömmlich.
Wer in Japan ein Bentō oder Onigiri ersteht, hat eine gute Chance auch Umeboshi dargereicht zu bekommen. Gerade in einem Onigiri, mit seinem Reis, entwickelt sich der besondere Geschmack durchaus mild und sehr angenehm.
Shiokara lernte ich erst jüngst kennen und man meinte, ich könnte Natto genießen, also warum nicht auch Shiokara.
Ohne etwas Genaueres zu wissen, näherte ich mich dem Verzehr dieses Nahrungsmittels. Zum Glück hatte man mir mitgeteilt, dass es zumeist mit gekochtem puren Reis konsumiert wird und so tat ich es auch.
Diesem Umstand war es zu verdanken, dass mein Salzschock nicht gar so umfangreich ausfiel. Doch selbst, nachdem ich den Geschmack zumindest als extrem ungewöhnlich eingestuft hatte, fand ich eigentlich gleich einigermaßen Gefallen an diesem Lebensmittel. Doch meinte ich auch jeden zu verstehen, der sich mit grauen abwendet.
Nach dem Studium zu Shiokara, erfuhr ich, dass es sehr salzig eingelegte Meeresfrüchte waren (von Zubereitung zu Zubereitung konnten es durchaus andere Meerestiere sein) und es zumeist gerne nach dem Genuss von Alkohol konsumiert wurde. Was ich mir gut vorstellen konnte, denn nach Alkohol lechzt der Körper durchaus etwas nach Ausgleich seines Salzhaushaltes. Zudem lernte ich, dass es selbst für Japaner ein gewisses Maß an Gewohnheit bedarf, bis man Shiokara zu schätzen weiß.
Den geschmacklichen Durchbruch und der Zeitpunkt, seit dem ich Shiokara mehr als liebe, hatte ich nach einem Besuch eines wunderbaren Wochenmarktes in Wajima. Dort erstand ich an einem Stand von einer älteren Dame eine hausgemachte Version dieses Essens. Diese Version war nicht so salzig wie üblich und war zudem außergewöhnlich geschmackvoll und lecker. Seit jener Zeit war ich ein wirklicher Fan von Shiokara und vermisse diese Version, die ich wohl nie wieder essen werden kann.
Stewart Island, diese Perle im Süden Neuseelands, ja was war sie für mich, die Hölle, ein bizarres Abenteuer oder der größte Spaß den ich bisher erlebt habe. Dieser Zwiespalt sitzt so tief, dass ich selbst jetzt, wo die Strapazen der Tour schon lange ein Ende haben, noch mein Bewusstsein spaltet.
Als ich die Wanderung vorbereitete, war ich Feuer und Flamme. Ich malte mir in glühenden Farben aus, wie ich mich durch den Schlamm, den Regen und den Busch von Hütte zu Hütte oder zum nächsten Biwakplatz kämpfte. Jedoch schon die Überfahrt von Bluff nach Oban (der einzige Ort auf Stewart Island) ließ meinen Enthusiasmus stark sinken. Die See war zwar ruhig und dennoch wurde mir zusehends schlechter und schlechter. Nur die Tatsache, dass ich mich in den Schlaf rettete ließ es nicht zum äußersten kommen.
Als ich wieder erwachte, fühlte ich mich sehr elend. Jedoch nach einem Blick aus dem Fenster hielt mich nichts mehr, denn nun sah ich diese wilde, wunderschöne Insel.
Ich war sehr froh, als ich endlich festen Boden unter den Füßen spürte, denn nun stand meinem Abenteuer nur noch eine Nacht, die ich in Oban bleiben musste im Wege.
Die Suche nach einer Unterkunft stellte mich vor ein paar Probleme, denn mein Vorrat an Geld war fast gegen Null geschrumpft.
Eigentlich hatte ich die Reise an diesem Morgen mit genügend Geld begonnen, doch ungewöhnliche Ausgaben, sorgten dafür, dass ich wahrlich Haus halten musste mit meinen Geldmitteln.
Was war passiert…
Meine Überfahrt auf die Insel fiel genau auf die Osterzeit. Dies hatte zur Folge, dass meine geplante Anreise von Invercargill nach Stewart Island an dem Umstand scheiterte, dass keine Fähre an meinem Wunschtermin zur Verfügung stand. So hatte ich mich auf ein anderes Datum vertrösten lassen und auch mein hartnäckiges Nachfragen, ob ich ohne Probleme hätte von Invercargill bis nach Bluff, dem Startpunkt meiner Fährfahrt gelangen würde, wurde mir mit Nachdruck versichert.
Nun saß ich am Morgen meiner Fahrt nach Bluff an der örtlichen Bushaltestelle und wartete auf meinen Transport. Die Tatsache, dass an diesem Tag die Straßen von Invercargill mehr als Menschen leer waren, wunderte mich schon etwas, doch maß ich diesem Umstand aktuell keine weitere Bedeutung bei. Dies änderte sich, als die Zeitpunkt der Abfahrt des Busses deutlich überschritten war. Selbst geduldiges Warten änderte nichts. Es kam kein Bus. Lediglich ein Taxi fuhr ab und zu an meiner Nase vorbei und so stoppte ich es schließlich und ließ mich nach Bluff bringen. Der Taxifahrer erklärte mir, dass der heutige Tag ein Feiertag sei und an diesem Tag führen keine Busse. Zudem teilte er mir mit, dass ich einen Feiertagszuschlag für die Fahrt entrichten müsse und so blätterte ich meine paar Kröten vor ihn hin und musste arg rechnen, ob meine Finanz- Ressourcen nun noch ausreichten. Ich kam zu dem Schluss, dass ich die Rückfahrt der Fähre noch bezahlen könne, doch blieben mir lediglich 10 Euro zur sonstigen Verfügung übrig.
Kurz nach meiner Ankunft hatte mich eine Bewohnerin angesprochen und sie unterhielt sich mit mir und ich erzählte ihr von meinem aktuellen Problem. Dies nahm sie zum Anlass mir im jedem Fall Helfen zu wollen. So wurde ich in ihr Haus eingeladen und sie begann zu telefonieren. Sie fand ein paar Möglichkeiten zur Übernachtung, doch jedes Mal kam sie zu dem Entschluss, dass es zu teuer für mich sei, da mein ganzes Geld drauf ginge. Schließlich fand sie eine Unterkunft und diese sollte lediglich 5 Euro kosten.
Allerdings merkte sie bei dieser Unterkunft gleich an, dass es dort nichts zum Essen gäbe. Deshalb ging sie zu ihrem Kühlschrank, öffnete ihn, und bot mir an mich aus ihm zu bedienen. Ich war so überrascht, dass ganz verdattert dieses freundliche Angebot ablehnte, in dem ich ihr versicherte, dass ich genügend Nahrungsmittel mitführen würde.
Ich machte mich schließlich auf dem Weg zu meiner Unterkunft und hatte das Grundstück der Frau fast verlassen, als sie mich rief und aufforderte zu warten. Ich tat wie mir geheißen. Daraufhin verschwand sie um kurze Zeit später mit zwei riesigen Äpfeln aufzutauchen die sie mir in die Hand drückte.
Mit den Äpfeln in meinen Händen und dem guten Gefühl neuseeländische Herzlichkeit kennengelernt zu haben, ging es nun endgültig zu meiner Schlafstätte.
Meine Nacht verbrachte ich im Haus eines Fischers. Die Schlafstätte war wirklich spartanisch, dennoch fühlte ich mich sehr wohl und da es noch einen anderen Gast gab, wurde lange geplaudert und der Abend verging wie im Fluge.
Obwohl ich ein notorischer Langschläfer bin, erwachte ich bei den ersten Sonnenstrahlen. Das war aber, ehrlich gesagt, nicht ganz so schwer wie es sich anhört, denn hier war es schon spät im Jahr und so war es immerhin schon 8 Uhr.
Die Vorbereitungen für meine heutige Tagesetappe dauerte nicht lange, und voller Tatendrang stürmte ich los.
Die ersten 5 km hieß es einer geteerten Straße zu folgen. Da es aber stetig steil auf beziehungsweise ab ging, kostete es bei meinem rund 35 kg schweren Rucksack schon etwas Anstrengung. Etwa nach einer ½ Std. Fußweg, stellte ich zu “meiner Freude” fest, dass ich am Morgen wohl etwas zu flink beim Packen gewesen war und meine Wasserflasche vergessen hatte. Ohne sie wollte ich nicht laufen, daher landete mein Gepäck im Busch und ich rannte zurück um sie zu holen.
Nach rund 45 Minuten war ich zurück, schulterte meinen Rucksack und war froh wieder im Besitz meiner Wasserflasche zu sein.
Schließlich erreichte ich den eigentlichen Beginn des Wanderweges. Ich sah wie der Weg alsbald im dichten Bush verschwand und ich malte mir aus was mich hier erwarten würde. Doch lange währte dieses Verharren nicht, sondern ich setzte mich in Bewegung und befand mich gleich in der exotischen, wilden Natur der Insel.
Obwohl die Sonne von einem fast Wolken freien Himmel ein herrliches Licht verbreitete, merkte man davon im Busch nichts mehr. Das dichte Farnwerk hielt das Licht sehr gewissenhaft ab. Wollte ich fotografieren, blieb mir nichts anderes übrig, als den Blitz zu verwenden.
Zu Beginn war der Wanderweg außerordentlich gut präpariert. Er bestand aus einem Holzsteg, der zudem mit einem Drahtgeflecht überzogen war. Dadurch kam ich sehr schnell vorwärts.
Schon nach 20 Min. bekam ich das erste Mal das zu Gesicht, was den besonderen Reiz dieses Weges ausmachte. Der Wanderweg verließ den Busch und ich stand an einem kleinen aber sehr hübschen Strand. Über diesen Anblick war ich so entzückt, dass ich gleich ein paar Minuten stehen blieb und die Szenerie auf mich wirken ließ.
Solche herrliche Aussichten wurden mir an diesem Tag noch ein paar Mal geboten und ich genoss es jedes Mal von neuem, wenn ich durch den Busch das Meer erspähte oder sogar an einem Strand laufen konnte.
Eigentlich dachte ich, dass meine Begeisterung nicht mehr gesteigert werden könnte. Doch da täuschte ich mich gewaltig. Denn plötzlich sah ich mich einer neuen, sehr verlockenden Herausforderung gegenüber.
Es war eine Hängebrücke. Sie war zwar nicht besonders hoch, doch eine der Kürzesten war sie auch nicht. Da meine Erfahrungen in der Benutzung dieser Art von Brücken äußerst spärlich waren, tastete ich mich vorsichtig vorwärts. Doch nach und nach überwand ich meine Hemmungen, und ich gewöhnte mich an das Geschaukel, so dass ich schließlich richtig zügig über sie hinweg lief. Als die Brücke überquert war, schaute ich voller Bedauern zurück und wünschte mir, dass sie ruhig noch etwas länger hätte sein können.
Obwohl ich das Laufen genoss, freute es mich, als ich endlich mein Tagesziel die ‚Port William Hütte‚ zu Gesicht bekam.
Als ich die Hütte selber erreichte, ließ meine Begeisterung doch etwas nach. Dies lag weniger an der Hütte oder ihrer Lage, sondern mehr an der Tatsache, dass die Hütte gerammelt voll war. Ich konnte noch eines der letzten Schlafstätten ergattern. Da im Verlaufe des Tages jedoch immer mehr Leute eintrafen, war alsbald nicht ein Bett mehr frei und so wurden nach und nach immer mehr Zelte um die Hütte herum errichtet.
Den Nachmittag nutzte ich, um mich zu entspannen und um in der Sonne zu liegen. Das war jedoch kein reines Vergnügen, denn die Sandfliegen, diese kleinen Quälgeister, die einem schrecklich juckende Stiche verpassten, stürzten sich in wahren Scharen auf mich. Nur das Schutzmittel, welches ich vor Beginn dieser Tour erworben hatte, gab mir für einen begrenzten Zeitraum eine angenehme Ruhe.
Diese, meine zweite Nacht auf Stewart Island, wurde für mich zu einer kleinen Katastrophe. Die Leute, mit denen ich das Zimmer teilte schnarchten allesamt wirklich extrem. Als es mir zu bunt wurde, schnappte ich meinen Schlafsack und verzog mich vor die Hütte. Hier war ich zwar von den Schnarchern befreit, doch nun stürzten sich Stechmücken auf mich. An Schlaf war also kaum zu denken. Ich war sehr froh, als endlich der Morgen anbrach und die ersten Aktivitäten in der Hütte zeigten, dass auch ich aktiv werden konnte.
Heute, mein 3. Wandertag, sollte der Tag werden, an welchem ich den ersten Kontakt mit dem Schlamm haben würde. Der Anfang des Wanderweges war jedoch so gut ausgebaut, dass ich dachte, dass sich der Schlammkontakt um einen weiteren Tag verschieben würde. Diese Annahme war jedoch grundlegend falsch. Ohne Ankündigung endete nämlich plötzlich der gute Weg und das Gehüpfe von einer Seite es Weges auf die andere begann. Lief man in der Mitte, steckte ich sofort bis zu den Knöcheln im Morast.
Zu dieser Schlammschlacht kamen noch die Unwegsamkeiten, die einem der Busch auferlegte. Es ging nämlich stetig hinauf und hinunter und die Wurzeln, die sich stellenweise in einem dichten Geflecht über den Weg legten, erleichterten die Sache nicht gerade. Oftmals ging es so steil abwärts, dass ich froh war, dass es die Wurzeln gab, denn sie dienten als hervorragende Tritte und Griffe.
Nach einer schier endlos scheinenden Schinderei, erreichte ich den ‚Bungaree Beach‘. Als ich ihn betrat, war ich kurz davor einen riesigen Freudenschrei loszulassen so begeisterte mich dieser wunderschöne, mit weißem Sand gepuderte Strand. Zudem entdeckte ich am Ende des Strandes die Hütte welche meine Heimstadt für die nächste Nacht sein sollte.
Als ich die Hütte erreichte, befreite ich mich als erstes von meinen Klamotten die so voll Dreck und Schlamm waren, dass ich meinte, dass sie von alleine stehen könnten.
Aus dem Hüttenbuch, in dem man nicht nur seinen Namen und etliche andere Daten eintrug, erfuhr ich, dass man von der Toilette einen wunderbaren Blick auf den Strand haben sollte. Etwas skeptisch und belustigt über solch‘ eine Eintragung, ging ich mich überzeugen. Durch ein Loch in der Toilettentüren hatte man, ich gebe es voller Überzeugung zu, einen wirklich sagenhaften Blick auf diesen Strand.
Im Gegensatz zur letzten Hütte, waren wir in dieser Nacht nur zwei Personen und so kam ich zu einem ruhigen und wohl auch wohl verdienten Schlaf.
In den vergangenen Tagen hatte ich mit dem Wetter mehr als Glück gehabt, doch dies schien sich heute zu ändern, denn als ich am Morgen aufbrach, war der Himmel von dicken, sehr nach Regen aussehenden Wolken bedeckt.
Mein heutiger Weg verhielt sich auch nicht nett, er war noch schlammiger als am Vortag. Aber nachdem ich einmal so richtig eingesaut war, war mir alles egal, also lief ich meistens einfach mitten durch den Dreck.
Heute überraschte mich der Weg mit extrem steilen An- und Abstiegen. Mir blieb dadurch meist nichts anderes übrig, als die Abstiege auf dem Hosenboden und die Anstiege auf den Knien zu bewältigen.
Nach etwa eineinhalb Stunden erreichte ich den ‚Murray Beach‘. Der Abstieg zu ihm war zwar hart, aber es lohnte sich, denn als ich ihn betrat, sah ich wie herrlich er war. Er schien fast unendlich lang zu sein, so dass ich sein Ende kaum ausmachen konnte. In seiner Mitte zog sich ein Priel welcher der Schönheit dieses Strandes das gewisse etwas verlieh.
Ich genoss es im Sand zu laufen, auch wenn mich mein Rucksack oft tief in den Sand drückte und dadurch das gehen sehr erschwert wurde.
Schließlich verschwand der Weg wieder im Busch. Das nun zu bewältigende Stück war zwar flach, aber dennoch hatte ich Mühe vorwärts zu kommen.
Witziger weise entstanden diese Probleme nicht durch die Natur, sondern waren von Menschenhand geschaffen, denn um dem Wanderer das Laufen zu erleichtern, hatte man einen Holzsteg errichtet, doch waren die Holzstücke nicht flach, sondern halb rund. Außerdem fehlte meist das Drahtgeflecht und so lief ich wie auf Eiern und rutschte das ein und das andere Mal weg.
Als es schließlich tatsächlich zu regnen begann, wurde dieser Steg glitschig wie mit Seife eingeschmiert und so fand mich regelmäßig auf dem Boden liegend.
Ziemlich gegen Ende dieses Steges hatte ein Witzbold auf ein Stück Holz geschrieben: „Achtung vor entgegenkommenden Zügen!“ und erst jetzt fiel mir auf, dass dieser Steg wirklich viel Ähnlichkeit mit einem Bahndamm hatte!
Ich war heilfroh, als es wieder durch den Dreck ging. Der restliche Weg bis zur Hütte war dann erstaunlich einfach und dennoch war ich mehr als froh, als ich schließlich meine Unterkunft für die Nacht erreichte, denn der Regen begann an Intensität deutlich zuzunehmen..
Die erreichte Hütte war mit Abstand nicht nur die Neueste und Beste, sondern sie hatte auch noch einen hübschen Namen. Sie hieß ‚Christmas Village Hut‚.
In dieser Nacht teilte ich mit etlichen Leuten die Hütte und das brachte viel Spaß und Abwechslung. Lediglich meine nicht wirklich guten Englischkenntnisse bereiteten mir Probleme, um allen Unterhaltungen gebührend folgen zu können.
Mein Aufenthalt in dieser Hütte sollte 2 Nächte dauern. Den dadurch entstandenen Tag wollte ich nicht zum Müßiggang nutzen: Ich wollte den Berg Anglem, mit 980 Metern, der höchste Berg auf dieser Insel, besteigen.
Diese Besteigung (eigentlich mehr eine Erwanderung), führte ich nicht allein, sondern zusammen mit einem dänischen Jungen durch.
In der vergangenen Nacht hatte es ohne Unterlass geregnet und auch jetzt als wir uns den Berg hinaufarbeiteten, hörte es nicht auf. Dieser Regen hatte zur Folge, dass unser Weg mehr einem Bach mit 10 Zentimeter Wassertiefe glich. Anfangs versuchten wir noch irgend wie trockenen Fußes vorwärts zu kommen, in dem wir von einer Bachseite auf die andere hüpften. Doch alsbald gaben wir es auf, und liefen einfach gegen den Strom von Wasser an, was auch irgendwie einen gewissen Reiz hatte.
Trotz des vielen Wassers kamen wir gut vorwärts und bald erreichten wir die Baumgrenze. Da es hier noch manns hohe Sträucher gab, bemerkten wir den Wind der hier kräftig blies, noch nicht. Erst später, als die Sträucher kleiner wurden, bemerkten wir mit welcher Gewalt der Wind uns hin und her schüttelte.
Als ob wir durch den Regen, unseren Bachwanderweg und den Schweiß nicht schon genug Wasserkontakt hatten, erhielten wir noch eine extra Portion, denn aus heiterem Himmel glich unser Weg nicht mehr länger einem Bach, sondern einem See.
Wir überlegten, ob man ihn umgehen könnte, doch das war auf Grund des sehr dichten Buschwerkes unmöglich.
Ohne groß nachzudenken, wagte ich den ersten Schritt in das Wasser und versank sofort bis zum Bauchnabel darin. Tapfer wateten wir hindurch, waren aber mehr als froh, als wir schließlich wieder herausklettern durften.
Je höher wir kamen, um so stärker wurde der Wind und bald war es uns fast nicht mehr möglich vorwärts zu kommen. Irgendwann mussten wir einsehen, dass die Elemente sich gegen uns verschworen hatten und ein geordneter Rückzug sicherlich das cleverste war. Vor allem war kaum abzusehen wie wild das Wetter auf dem Gipfel sein würde.
Auf unserem Weg nach unten verwandelte sich der Regen schließlich in dicke Hagelkörner, die durch den stürmischen Wind wie Geschosse auf uns nieder gingen und trotz meiner dicken Regenjacke spürte ich den Aufprall jedes einzelnen Korns schmerzhaft.
Völlig durchnässt, verfroren und etwas enttäuscht, dass wir unser Ziel nicht erreicht hatten, erreichten wir die Hütte und freuten uns über ein schönes warmes Feuer.
Während ein herrliches Feuer langsam meine Glieder auftaute und ich beim Blick aus dem Fenster feststellte, dass das Wetter eher schlechter als besser zu werden schien, reifte in mir die Entscheidung, lieber den Weg zurück zu laufen, als weiter in wohl noch aufgeweichtere Regionen des Weges vorzudringen. Etwas Wehmut machte sich bei dieser Entscheidung schon breit, denn irgendwie hatte ich an der Wildheit dieses Wanderns auf Stewart Island wirklich Freude gefunden. Aber die Entscheidung war gefasst und so wollte ich am nächsten Tag den Rückmarsch antreten.
Der Tag meines Rückmarsches, sollte ein wahrer ‚Glückstag‘ werden, doch davon hatte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Ahnung.
Die ganze Nacht hatte es geregnet und entsprechend aufgeweicht und glitschig war der Weg.
Eine besondere Herausforderung war für mich, dass die Bäche durch den Regen zu kleinen reißenden Flüssen geworden waren und zusätzlich mehr als reichlich neue Bäche hinzugekommen waren.
Oft blieb mir nichts anderes übrig, als Hüft-Tief durch sie hindurch zu laufen. Auch der Schlamm war nicht weniger geworden. Nicht selten versank ich bis zu den Knien in ihn und hatte einige Mühe mich vorwärts zu arbeiten.
Nach dem üblichen auf und ab, erreichte ich schließlich den “gehassten” Holzsteg, der mich zum ‚Murray Beach‘ bringen sollte.
Schon beim ersten Schritt auf den Steg, rutschte ich weg und landete mit voller Wucht auf meinem Teleskopstock. Dieser quittierte mit einem deutlichen 90 Grad Winkel. Damit war er, der mir in dieser Schlammhölle eine große Hilfe gewesen war, nutzlos geworden. Dies erschwerte das Laufen auf diesem Steg zusätzlich.
Als ich schließlich “Murray Beach” erreichte, begann es zu hageln. Ich hatte bis heute schon etliche Wetterwechsel erlebt, jedoch solch ein Extrem wie heute, war mir noch nie untergekommen.
Wie gesagt, es hagelte gerade, als ich den Strand betrat; doch nur höchstens 2 Min. später war weit und breit fast keine Wolke mehr zu sehen und die Sonne schien so wunderschön warm, dass man sich in die Südsee versetzt fühlen konnte.
Dieses herrliche Wetter nutzte ich, um ein kleines Päuschen einzulegen. In dieser Zeit schloss der Däne, der etwa eine ½ Stunde nach mir aufgebrochen war, zu mir auf. Wir plauderten kurz und kamen dabei überein den Weg gemeinsam fortzusetzen, wenngleich er der Ansicht war, ich wäre viel zu langsam. Womit er sicherlich auch recht hatte.
Als wir aufbrachen hatte sich das Wetter gerade wieder zum schlechteren gewendet und da war es ein Trost, dass bis zum heutigen Tagesziel nur noch eineinhalb Stunden Fußweg waren.
Auch wenn der Weg durch das viele Wasser eher schlechter geworden war, kamen wir gut vorwärts. Was leider dazu führte, dass wir auch etwas unaufmerksamer wurden und an irgend einer Kreuzung falsch abbogen. Doch bemerkten wir diese Falsche Entscheidung rasch und konnten unbeschadet und ohne großen Zeitverlust wieder auf den eigentlichen Weg zurückkehren.
Nach wirklich viel Schlamm, Wasser, Regen, Hagel und Wind erreichten wir die Hütte. Etwas missmutig schaute ich an mir hinunter uns stellte fest, dass ich ein Maß an Dreck an mir erreicht hatte was alles bislang dagewesene in den Schatten stellte. Selbst ich hätte mich nicht mehr umarmen wollen. Auch der Neuseeländer, der aus der entgegengesetzten Richtung kommend hier eingetroffen war, schaute uns etwas merkwürdig an und spätestens da war klar, dass wir ein erbärmliches Bild abgaben.
Im Verlaufe dieses Nachmittags versuchte er mich der Neuseeländer in das Geheimnis des angelns einzuweihen, jedoch war uns das Glück nicht gerade hold und uns blieb ein leckerer Fisch zum Abendessen vergönnt. Stattdessen mussten wir uns über unser Trockenfutter her machen, was zwar zum satt werden reichte, aber nicht wirklich ein Gaumengenuss war.
Am Abend zog ich ein Resümee über diesen Tag und all die Sachen, die ich im Laufe dieses Tages verloren oder zerstört hatte. Das Ergebnis, so fand ich jedenfalls, war erschreckend.
Ich hatte meine Uhr und Feuerzeug verloren. Darüber hinaus meinen Teleskopstock ruiniert und die Riemen an meinen Gamaschen waren ebenfalls kaputt gegangen. Dies war wirklich ein überdurchschnittliches Maß an Vernichtung von notwendigem Material.
Als ich am Morgen erwachte und einen Blick aus dem Fenster auf den Bungaree Beach warf, war ich wirklich begeistert, obwohl es draußen wie wild stürmte. Das Wasser wurde durch den Wind weit auf den Strand hinauf gespült und ab und zu richtig aufgewirbelt. Das ergab wirklich ein beeindruckendes Bild und Schauspiel. Auch wie die Wolken über den Himmel gepeitscht wurden, suchte ihres gleichen. So änderte sich das Bild und Aussehen vom Strand fast sekündlich und ich genoss es nach draußen zu blicken und diesem Naturschauspiel zu folgen.
An diesem Tag brach ich sehr spät auf. Gemeinsam mit dem Neuseeländer stellte ich mich den heutigen Herausforderungen.
Die heutige Etappe war angenehm kurz und wir wanderten gemütlich. So blieb viel Zeit den Busch näher zu betrachten oder Vögel zu beobachten. Dies war ein wirklich unterhaltsames Vergnügen.
Neben den Beobachtungen, versuchte ich trotzdem mich nicht so voll zu sauen wie in den Tagen zu vor und wich dem Schlamm so gut es eben ging aus. Doch irgendwie hatte er eine magische Anziehungskraft auf mich und eh ich mich versah war ich wieder von oben bis unten dreckig, als war ich über den feuchten Untergrund gerobbt.
Im weiteren Verlauf dieses Tages, wollte ich zumindest ein Mal ein Foto von einer Bachdurchquerung haben und obwohl ich dieses Gewässer hätte mit Hilfe von Baumstämmen trocken Fußes überqueren können, stürzte ich mich ins kalte Nass und ließ das Foto schießen. Auf diese Weise war ich war völlig nass, meine Kleidung hingegen wurde wieder sauber.
An unserem Tagesziel angelangt, erwartete uns eine sehr unangenehme Überraschung, denn wir mussten alsbald feststellen, dass fast das gesamte Holz aufgebraucht und das, welches uns noch zur Verfügung stand, wirklich feucht war. Zum Glück beherrschte der Neuseeländer die Kunst auch solch ein Holz zum Brennen zu bringen. Es dauerte zwar lange, doch als bald konnten wir uns an den züngelnden Flammen aufwärmen.
Als es Zeit war mir das Abendessen zuzubereiten, zelebrierte ich eine mir lieb gewordene Gewohnheit. Das große Reste-Essen. Ich staunte nicht schlecht welche Mengen ich dabei produzierte. So wurde dies ein Abend, an dem ich wirklich einmal völlig satt wurde und mich rund und voll fühlte.
Als ich am Morgen erwachte, war es noch dunkel und es regnete in Strömen. Am liebsten wäre ich liegen geblieben, doch wollte ich mein Boot rechtzeitig erreichen, welches mich zurück zum Festland bringen sollte, deshalb musste ich wohl oder übel aufstehen.
Schließlich befand ich mich auf dem Weg nach Oban. Ich versuchte mich beim Laufen durch den Regen etwas aufzumuntern, Als sich der Wanderweg schließlich wieder in einen Bach verwandelte, halfen auch die besten Versuche mich aufzumuntern nichts mehr.
Trotz der widrigen Umstände, erreichte ich erstaunlich schnell den Maori Beach. Als ich dessen Ende erreichte, staunte ich nicht schlecht, denn dort hatte sich durch den Regen ein etwa 10 – 15 Meter breiter Fluss gebildet. Die Strömung war auch der Gestalt, dass ich mir etwas Sorge machte sicher durch ihn hindurch warten zu können. Als ich vor ein paar Tagen an selber Stelle vorüber gekommen war, gab es diesen Fluss zwar auch schon, doch unter schieden sie sich deutlich in hier Mächtigkeit und Wildheit. An vergangenen Tage zu denken, half mir jetzt jedoch nicht weiter und so suchte ich mir einen Stock und wagte mich an die Durchquerung.
Die Wasseroberfläche machge den Anschein, als hätte ich ein gleichmäßig fließendes Gewässer vor mir, doch dies täuschte. Denn während ich durch das Wasser watete, wurde verschiedene Regionen meiner Beine in die unterschiedlichsten Richtungen gedrückt. So wollte die Wasseroberfläche in Richtung Meer fließen und schon etwas tiefer schien das Wasser den Wunsch zu haben in Richtung Land zu strömen. Es war wirklich nicht einfach nicht aus dem tritt zu kommen und unbeschadet die andere Uferseite zu erreichen. So war ich wirklich froh, als ich wieder festen Boden unter mir spürte und nur noch auf das Hindernis zurück blicken brauchte.
Von nun an gab es keinerlei Probleme mehr und nach einem angenehmen Weg über die Zufahrtsstraße zum Wanderweg, erreichte ich Oban.
Als erstes erstand ich eine Fahrkarte für das Boot, um nicht unversehens noch eine Nacht hier bleiben zu müssen, weil das Bpot voll war. Nachdem ich das Ticket in Händen hielt, konnte ich mich entspannt anderen Aktivitäten wittmen. Gleich zu Beginn entschied ich mich von meinen durch und durch nassen und dreckigen Kleidungsstücken zu trennen. Ich gebe zu, ich fühlte mich bedeutend besser, als dies vollzogen war.
Die restliche Zeit verbrachte ich in der Nähe des Hafens und des örtlichen Supermarktes, wo ich mich mit ein paar Dingen versorgte, die ich etwas in den vergangen Tagen vermisste. Denn so eine Wander-Essens-Versorgung ist nicht zwangsläufig ein kulinarischer Hochgenuss.
Je näher die Abfahrt des Bootes rückte, um so mehr Leute tauchten aus dem Bush auf und schlossen sich mir beim Warten an. So kam ich in den Besitz an Informationen über den Wanderweg, der mich damit besänftigte die Tour abgebrochen zu haben, denn es schien mir, als seien sie noch tiefer im Wasser und Dreck versunken als ich.
Besonders die Erzählung eines Paares beeindruckte mich, denn sie hatten sich gleich mehrere Stunden am heutigen Tag mehr als knietief durch Wassermengen arbeiten müssen und sie fühlten sich mehr als Fisch als Wanderer.
Die Überfahrt aufs Festland war wesentlich stürmischer als die Herfahrt und so dauerte es noch weniger Zeit, bis sich in mir ein intensives Gefühl einer einsetzenden Seekrankheit meldete. Auch heute rettete ich mich in den Schlaf und überstand auf diese Weise die Überfahrt einigermaßen glimpflich.
Tja, das war sie nun, meine Wanderung auf Stewart Island. Sie war erheblich kürzer ausgefallen als geplant und ich lernte, was es hieß, morgens in nasse, stinkende Klamotten zu steigen. Doch wenn sich es nicht verlockend anhört, ich hatte Spaß an der Tour gehabt und sie brannte sich als ein besonders schönes und abenteuerliches Erlebnis in meine Erinnerung. Weder die widrigen Wetterverhältnisse, noch meine Unfähigkeit die Wanderung wie geplant zu beenden konnten mir dieses Erlebnis zerstören.
Eines ist für mich jedenfalls klar, sollte ich irgendwann einmal wieder Neuseeland besuchen, so steht Stewart Island wieder ganz oben auf meiner Liste und ich werde wesentlich mehr Zeit für dieses Juwel investieren.
Es war mein letzter Urlaub in Norwegen und das letzte Mal, dass ich mit einem Interrail Fahrschein fahren durfte, denn mein 27. Geburtstag stand in diesem Jahr an.
Aus diesem Grunde hatte ich mich dazu entschlossen nicht auf direktem Wege nach Norwegen zu fahren, sondern die Möglichkeiten des Interrail Fahrscheins ordentlich auszunutzen und die anderen skandinavischen Länder in meine Reise einzubeziehen.
So ging ich zu Beginn mit dem Zug von Deutschland nach Stockholm. Dort gab es einen mehrstündigen Aufenthalt, den ich für eine kleine Stadterkundung nutzte. Danach ging es weiter in Richtung Norden, bis die Grenze nach Finnland erreicht war. Hier ging es mit einer Bummelbahn über die Grenze und schließlich wieder weiter in Richtung Norden. nach etwa 70 Stunden Fahrt gönnte ich mir eine Unterbrechung der Fahrt und startete eine Wanderung in den finnischen Wäldern. Nach diesem Ausflug in die Natur ging es rasch weiter nach Norden, hinein nach Schweden bis ich schließlich Kirkenes an der Norwegisch-Russischen Grenze erreichte.
Um nach dieser langen Anreise wieder zu Kräften zu kommen und mich auf meine Hauptwanderung in Norwegen vorzubereiten, wollte ich mir eine gemütliche Fahrt mit dem Postschiff gönnen, welche den Süden Norwegens mit dem Norden verband. Erfreulicherweise erreichte jeden Tag eines der 12 Schiffe der Hurtigruten Flotte die Häfen auf der gesamten Strecke. So war es kein Problem eines der Schiffe zu erreichen und die Fahrt antreten zu können.
Leider stellte sich heraus, dass das bestiegene Schiff zur neueren Generation der Schiffe gehörte und diese waren mir zu nah an einem Kreuzfahrtschiff. Ich wollte lieber noch eines der alten Baureihe verwenden.
Nach kurzer Recherche erfuhr ich, dass das nächste Schiff nach diesem genau meine Wünsche erfüllte. So blieb ich gerade einmal bis zum nächsten Anlege Hafen an Bord, um dann auf mein Wunschschiff zu warten.
So konnte ich mich zwar auf die weitere Fahrt freuen, doch stellte die Unterbringung für die kommende Nacht ein Problem dar. Ich hatte nicht die Absicht in einem Hotel oder ähnlichem zu nächtigen, doch auch der örtliche Zeltplatz war für mich zu Fuß nicht wirklich erreichbar. So suchte ich mir einfach eine Stelle in der Nähe des Ortes, an der ich mich traute mein Zelt aufzubauen.
Sicherlich hätte ich, wenn ich gefragt hätte ganz offiziell irgendwo zelten können, doch war ich etwas scheu zu fragen und so baute ich mein Zelt so in einer Mulde auf, dass es von nirgends gesehen werden konnte.
Nach meinem 24stündigen Aufenthalt ging die Fahrt weiter und ich genoss sie, denn ich konnte sie mit genau dem Schiff fortsetzen, welches ich mir gewünscht hatte. Nun, ich gebe zu, einen kleinen Nachteil hatte das ganze. Das Wetter wurde zusehends schlechter und rauer und so wurde dieses Schiff ordentlich von den Elementen hin und her geschüttelt, denn einen ausgefeilten Wellenstabilisator gab es halt nicht. Also hieß es Tabletten schlucken und das schlechte Wetter genießen.
Nach drei Tagen Fahrt, verließ ich das Schiff in Bodø, eine Stadt weit oberhalb des Polarkreises und Ausgangspunkt meiner Wanderung im Saltfjellet.
Die Zeit in Bodø war damit angefüllt, die mehrtägige Tour durch das Hochland, vorzubereiten. So holte ich mir den Schlüssel für Hütten, bezahlte meine Mitgliedschaft (obligatorisch) im norwegischen Wanderverein (DNT) und ging zur Post um mein Verpflegungspaket abzuholen.
Ich hatte mir aus Deutschland postlagernd ein Paket mit Energieriegeln, Mineraldrinks und anderen notwendigen Lebensmitteln zugesendet, um genau das zur Verfügung zu haben, was mir für meine Tour an Nahrung vorschwebte. Zudem ließ sich dadurch einiges an Geld sparen.
Leider musste ich feststellen, dass sich der Zoll an meinem Paket vergangen hatte, was grundsätzlich wirklich in Ordnung war, denn was konnten meine Getränkepulver denn auch noch alles andere sein, als etwas zum Trinken. Doch hatte man sich beim Verschließen der Verpackungen nicht wirklich viel Mühe gegeben, und so herrschte eine herrliche Sauerei im Paket. Dennoch blieb noch genügend zum Verzehr übrig, was mich etwas versöhnte.
Zum Wanderweg ging es via Bus. Auf dieser Fahrt lernte ich Peter kennen. Einen Schweizer der hier in Norwegen arbeitete. Er wollte die selbe Strecke laufen wie ich und so fragte er, als wir schließlich die Endhaltestelle erreicht hatten, ob wir nicht zusammen wandern sollten.
Ich erklärte ihm, dass ich wahrlich nicht der schnellste Geher sei und er sich meinem Tempo anpassen müsse. Dies war für ihn aber kein Problem und so begann ich den Ausflug ins Fjell mit ihm.
Der Bus hatte uns nicht wirklich in der Nähe des Wanderweges in die Landschaft entlassen, sondern es stand uns noch ein ordentliches Stück Weg auf einer Zufahrtsstraße bevor. Dies war nicht so verlockend und so war ich um so glücklicher, als es Peter gelang eine Mitfahrgelegenheit für die nächsten Kilometer zu ergattern.
Auf diese Weise näherten wir uns wirklich zügig dem Beginn des Wanderweges und jener Hütte, in der wir die folgende Nacht verbringen wollten. Wir mussten bis zur Hütte zwar noch ein klein wenig Laufen, doch dies war ein angenehmes Stück Weg durch die unberührte Natur Norwegens.
Bei der Hütte angelangt, freuten wir uns schon auf eine schöne Unterkunft, ein schickes Bett und leckeres Essen. Doch bevor wir dies in Anspruch nehmen konnten, hieß es die Hütten Tür aufzuschließen. Dies erwies sich aber als schwierig, denn weder der Hüttenschlüssel von Peter noch der meinige passte auf das Schloss und so standen wir etwas verdutzt vor der verschlossenen Hütte und begannen zu grübeln wie wir die Nacht verleben wollten.
Ich hatte eine Folie mitgenommen, um zur Not in der Natur ein Notbiwak errichten zu können, dass ich diese aber schon so früh zu Beginn meiner Tour benötigen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Sie war aber unsere einzige Möglichkeit, um mit einem Dach über dem Kopf die Nacht verleben zu können.
Wir hatten gerade unsere Notunterkunft bezogen und dachten über unser Mahl nach, als andere Wanderer bei der Hütte eintrafen. Ihr Schlüssel passte und so bekamen auch wir Zutritt in die Hütte. Nun stellte sich auch heraus, dass diese Hütte zu einem anderen Wandergebiet gehörte und somit ein anderer Schlüssel zu verwenden war. Dass man uns darauf nicht aufmerksam gemacht hatte, als wir unsere Schlüssel in Empfang genommen hatten, war schon ein wenig ärgerlich, doch nun waren wir eigentlich nur froh, dass wir für diese Nacht eine schöne Unterkunft zur Verfügung hatten. Der erste richtige Wandertag verlief wirklich gut. Wir hatten schönes Wetter und Peter fand den Wanderweg, trotz mangelhafter Markierung fast wie im Schlaf und so konnte ich mich ganz auf die grandiose Landschaft konzentrieren und brauchte ihm nur hinterher zu trotten.
Es war gerade die Zeit der Moltebeere und so konnten wir ab und zu die Wanderung unterbrechen und genossen diese besondere Leckerei.
Als wir am Abend unsere Hütte erreichten war ich so fertig, dass ich kaum mehr laufen konnte. Peter hingegen war durch diese kurze 8stündige Tagesetappe überhaupt nicht ausgelastet und wusste fast nicht wohin mit der verbliebenen Energie. Ich selber schielte nur auf das Bett und die Möglichkeit schnellst möglich nach dem Abendessen im Schlafsack zu verschwinden.
Bevor wir am nächsten Tag unsere Tour fortsetzten wurde die Hütte ordentlich geputzt und sie blitzte wie neu als wir schließlich aufbrachen. Doch so hatten wir die Unterkunft auch vorgefunden und so war es selbstverständlich dem nächsten Wanderer ein sauberes Heim für die Nacht und genügend trockenes Holz zu hinterlassen. Dieses Selbstverständnis bei der Nutzung dieser Hütten gefiel mir ausgesprochen gut.
Am dritten Abend erreichten wir eine der schönsten Hütten, die ich bislang in Norwegen aufgesucht hatte. Sie war außerordentlich luxuriös und ansprechend eingerichtet. In der Küche entdeckten wir zudem einen Karton mit, in Norwegen, teuren Lebensmitteln. Peter meinte daraufhin, dass hier etwas nicht stimmen würde. Aus Spaß meinte er noch, dass wir in der falschen Hütte seien. Dies stimmte zwar nicht, doch war dieser Karton schon sehr mysteriös.
So mysteriös diese Box auch war, auf unseren Aufenthalt hatte keine Auswirkung, denn wir mussten mit dem Essen auskommen, welches wir mit uns führten. So hockten wir schließlich in der Küche und philosophierten was wir uns an diesem Abend zubereiten wollten.
Während es hin und her ging, sah ich eine Gruppe von Menschen am Hüttenfenster vorüber kommen und es war klar, wir würden in dieser Nacht die Unterkunft teilen müssen, dennoch war aktuell unser Verpflegungsproblem vorrangig.
Schließlich betrat ein älterer Mann die Hütte. Er kam auf direktem Wege zu uns und meinte nur: „Benehmen sie sich bitte ganz normal, denn jetzt kommt der norwegische König und Königin.“
Wir schauten uns etwas ungläubig an, doch schon etwas später betraten tatsächlich der König und die Königin die Hütte. Ich gebe zu, wir waren über dieses Zusammentreffen mehr als verdutzt, wussten nun aber warum der Karton mit den leckeren Lebensmitteln in der Hütte deponiert worden war.
Kurze Zeit später, nachdem wir wirklich realisiert hatten, mit wem wir in dieser Nacht die Hütte teilen würden, kamen wir überein, die Gruppe in Ruhe zu lassen, denn wir waren der Ansicht, dass sie bestimmt froh währen, wenn wir uns nicht auf sie Stürzen und irgendwelche Erinnerungsphotos oder ähnliches einzufordern. Öffentlichkeit hatten sie bestimmt genügend und so hätten sie hier ihre Ruhe.
Etwas später kam der ältere Mann erneut und bat uns, ob wir nicht in einen Raum außerhalb der Hütte ziehen würden. Peter und mir war es egal und so packten wir unsere Sachen. Als der König dies sah, fragte er, was wir da machen. Wir erklärten ihm, dass wir gebeten worden waren umzuziehen. Er meinte daraufhin jedoch nur, dass dies wegen ihm nicht nötig sei, denn wir würden uns schließlich diese Hütte teilen.
Trotzdem zogen wir um.
Am nächsten Morgen schliefen wir länger, denn wir wollten die Küche nicht mit den anderen teilen und unserem Vorsatz sie in Ruhe zu lassen treu bleiben.
Wir lagen also noch in unseren Schlafsäcken, als es an der Tür zu unserem Raum klopfte. Peter stand, nur mit Unterhose begleitet auf und öffnete die Tür und er staunte nicht schlecht als nun der König vor ihm stand.
Ob es einem der Beiden peinlich war konnte ich nicht feststellen, zumindest erkundigte sich der König, ob wir schon gefrühstückt hätten. Wir verneinten und erklärten, dass wir nur noch unsere Reste verzehren würden, um dann außerhalb des Wandergebietes Nachschub zu besorgen.
Der König meinte nur, wir sollten uns keine Sorgen wegen des Essens machen und einfach in die Hütte kommen.
Wir warteten noch, bis die Gruppe die Hütte verlassen hatte, um dann in Ruhe in der Küche zu gehen. Dort wollten wir unsere Nahrungsreste zu einem einigermaßen ordentlichen Frühstück kombinieren.
Damit beschäftigt, was wir zusammenstellen würden, betraten wir die Hütte und staunten wirklich nicht schlecht, als wir den Esstisch sahen. Dieser war wie in einem Hotel gedeckt und allerlei Leckereien waren auf ihm drapiert. Sogar die Tomaten waren geschnitten. Wir brauchten uns nur hin zu setzen und konnten uns ein mehr als reichhaltiges Mahl schmecken lassen.
Natürlich waren die Lebensmittel nur vom feinsten und schmeckten hervorragent. Doch selbst wenn nicht, solch ein royales Essen angeboten zu bekommen, machte es zu einem besonderen Erlebnis.
Das Thema Essen spielte im weiteren Verlauf dieses Tages erneut eine Rolle, denn unsere Vorräte gingen zur Neige und es war dringend angesagt dies zu ändern. Glücklicherweise hatten wir die Möglichkeit, an einem Zeltplatz mit angeschlossenem Supermarkt vorbei zu kommen, der nur eine kurze Strecke Weges von unserer Hütte entfernt lag. So konnte dieses Problem relativ schnell behoben werden. Es bedeutete lediglich, dass ich schon von früh am Tag das mehr an Gewicht durch die Gegend zu tragen hatte.
Als wir den Zeltplatz verließen, schloss sich uns ein Hund an. Wir versuchten ihn zwar davon zu überzeugen, dass er uns nicht weiter folgen sollte, doch machte er keinerlei Anstalten dies zu tun. Als wir immer weiter in die Berge vor stießen, meinte Peter schließlich, er würde den Hund ins Tal zurück bringen. Ich passte derweil auf unser Gepäck auf und kam zu einer angenehmen Pause.
Im weiteren Verlauf unserer heutigen Tour, erreichten wir ein wahrlich großes Geröllfeld und ich musste mich schon arg konzentrieren, um nicht einen Unfall zu produzieren. Doch mit zunehmender Strecke, stieg das Selbstvertrauen in meinen jonglier Künsten.
Diese wurden jedoch schlagartig wieder weggewischt, als wir einen Bach zu überqueren hatten.
Peter hüpfte fröhlich von Stein zu Stein und war rasch auf der anderen Seite des Gewässers angekommen. Ich schaffte etwa die Hälfte des Weges und saß dann unversehens im kalten Bergwasser. Als ich nicht gleich wieder versuchte aus dem Bach zu klettern, meinte Peter, ich solle mein Bad doch auf später verschieben. Dies und die Tatsache, dass das Wasser wirklich kalt war, veranlasste mich zitternd aus dem Bach zu klettern.
Erfreulicherweise war es bis zu unserem Tagesziel nicht mehr all zu weit und so hatte ich die Hoffnung, mich alsbald wieder aufwärmen zu können. Doch als wir die Hütte erreichten, stellten wir fest, dass dort schon 2 Wandere Unterschlupf gefunden hatten. Nun sollte man meinen, dass bei 2 Personen noch genügend Platz vorhanden sein sollte, doch bei dieser Menge war das wohl fühl Kontingent schon erreicht. So schlug Peter vor zur nächsten Hütte zu laufen, die nicht wirklich weit entfernt sein sollte. Es waren dann zwar nur 2 Stunden Weg. Doch als ich am Abend meinen Rucksack auf den Boden der anderen Hütte plumpsen lies, hatte ich rund 13 Stunden Fußmarsch in den Knochen und so beschränkten sich meine Aktivitäten an diesem Abend nur noch auf die Nahrungsaufnahme und das Umsiedeln in meinen Schlafsack.
Selbst am kommenden Tag steckte mir die Anstrengung noch in den Knochen und so entschieden wir uns, es etwas ruhiger angehen zu lassen und lediglich eine kurze Etappe zu laufen. So liefen wir heute gerade mal die 2 Stunden den Weg zurück bis zur am Vortag “verschämten” 2 Personen Hütte.
Ich fand es wirklich schick einmal nicht den gesamten Tag zu laufen, sondern einfach nur die Landschaft zu genießen und dies bei wirklich angenehmen Wetterbedingungen. So ließen sich die Energie Ressourcen auf angenehme Weise wieder auftanken.
Für den folgenden Tag hieß es erneut die Berge zu verlassen und in die Zivilisation zurück zu kehren. Natürlich nutzten wir diese Gelegenheit, um uns erneut mit Lebensmitteln auszustatten. Dieses Mal erstanden wir die wirklich guten Sachen, so dass uns für den Abend ein wahres Schlemmer Mahl ins Haus stand.
Zurück in die Berge kamen wir auf bequeme Art und Weise. Es gab nämlich eine Straße, die das Wandergebiet durchschnitt und so brauchten wir uns nur mit einem Transportmittel mitnehmen zu lassen. Tatsächlich hielt relativ schnell jemand und bot uns an uns mitzunehmen. Es handelte sich um einen Holztransporter. Erst sah es so aus, als müssten wir uns den Platz mit dem Holz teilen, doch zum Glück sollten wir nur unsere Rucksäcke zwischen den Holzstämmen unterbringen. Wir selber durften im Fahrerhaus Platz nehmen.
Als sich der Truck die Serpentinen vom Tal hinauf ins Fjell arbeitet, war ich froh, dass ich das nicht zu laufen brauchte.
In den Bergen angelangt, kletterten wir vom Truck, packten unsere Rucksäcke und die Plastiktüten voller Lebensmitteln und machten uns auf in Richtung Hütte. Von der Straße war es nur rund 1 Kilometer Fußweg und so konnte ich mich schon auf ein frühes leckeres Mahl freuen.
Peter stürmte etwas voraus und ich gebe zu, es sah befremdlich aus jemanden mit Plastiktüten durch die Norwegische Natur stiefeln zu sehen. Doch mehr als über diese Tatsache wunderte ich mich, als er plötzlich stehen blieb, sich umschaute und mir zurief “Nicht schon wieder”.
Ich konnte nicht wirklich etwas mit dieser Aussage anfangen, doch als ich ihn erreichte, sah auch ich was gemeint war. Wir trafen die Royale Wandergruppe erneut und auch diese hatten uns schon entdeckt und winkten uns freudig zu.
Als wir die Hütte schließlich erreichten wurden wir nett begrüßt und eine Frau dieser Gruppe, zog uns gleich zu den Schränken in der Küche, um uns all die Lebensmittel zu übereignen, die sie nicht mehr benötigten, denn sie waren im Begriff diese Unterkunft zu verlassen.
Mehr als über das Essen war ich erfreut, dass wir solch einen positiven Eindruck hinterlassen hatten, und man sich ehrlich freute uns wieder zu treffen. Über andere Wanderer die man in den letzten Tagen getroffen hatte, stöhnte man ein wenig.
Nachdem die Gruppe die Hütte verlassen hatte, bereiteten wir uns in der Hütte aus und wollten einen gemütlichen Nachmittag beginnen. Doch es war Wochenende und diese Hütte lag nah an einer Straße. So kam es, das mehr und mehr Leute auftauchten und sich die Hütte zusehends füllte. Peter wurde es alsbald zu viel und so fragte er mich, ob wir nicht zu einer anderen Hütte gehen sollten. Sie wäre gerade mal den Berg hinunter ins andere Tal. Ich meinte warum nicht und so packten wir und begannen die Wanderung ins Tal.
Da wir für diese Strecke an der Straße entlang liefen, kamen wir wirklich schnell und ohne Probleme vorwärts.
Als wir die andere Hütte erreichten, kamen schnell Zweifel auf, ob unser Vorgehen gut gewesen war. Denn die Hütte war verschlossen und schaute man durch die Fenster, war sie zu sehr als Wohnung eingerichtet anstatt als Wanderhütte. Wir fanden nicht wirklich eine Erklärung dafür und so ging Peter zu einem ganz in der Nähe gelegenen Bauernhof.
Irgendwann rief er mich nach und nun erfuhr auch ich, dass diese Hütte schon vor vielen Jahren verkauft worden war und nicht mehr als Wanderer Hütte zur Verfügung stand. Nun war guter Rat teuer, denn es war mittlerweile schon spät und eine andere Hütte gab es weit und breit nicht. Nur jene oben in den Bergen und für einen Aufstieg war es zu spät.
So blieb uns nichts anderes übrig, als über die Hauptstraße in Richtung Bahnhof zu laufen, was wohl eine Wegstrecke von 60 Kilometer waren. Zu allem Überfluss begann es nun dunkel zu werden und ein leichter Regen setzte auch ein.
Während wir etwas lustlos über die Straße trotteten, begannen über ein Biwak nachzudenken, doch das Gebiet neben der Straße lud auf Grund des dichten Bewuchs und seiner Feuchte nicht wirklich zu einer Nächtigung ein.
Irgendwann gegen Mitternacht kamen Lichter eines Fahrzeugs näher und diese hielten dann auch noch direkt bei uns. Es war eine Bekannte des Bauern, bei dem wir die Information zur Wanderhütte erhalten hatten. Sie hatten mit dem Norwegischen Wanderverein telefoniert und mit ihnen abgesprochen, dass wir im örtlichen Vereinshaus nächtigen dürften und wir das Geld für diese Übernachtung vom Wanderverein zurück bekämen.
So kamen wir auch in dieser Nacht zu einer netten Schlafstätte und konnten wirklich sagen, dass dies ein ereignisreicher Tag gewesen war. Zudem genoss ich die freundliche Unterstützung die uns die Leute hier hatten angedeihen lassen.
Am nächsten Tag beendeten wir unsere Wanderung. Doch hieß es noch immer irgendwie bis zum Bahnhof zu kommen. Wir versuchten es als Tramper, was sich als wirklich schwierig herausstellte. Doch nach rund 6 Std. nahm uns jemand mit und wir erreichten noch bei Tageslicht unser angestrebtes Ziel.
In der Nähe des Bahnhofes gab es eine Wanderhütte und diese Nutzen wir zur Nächtigung, bis wir am kommenden Tag den Zug besteigen wollten. Die Nacht in der Hütte war dann nicht so angenehm. Eine große Gruppe von Schweden hatte sich eingenistet und diese hatten die Schlafräume in Männer und Frauen Unterkünfte aufgeteilt, was dumm war, denn es gab nur eine Frau und die Männer sollten sich in einem Raum stapeln.
Auch wenn ich mich diesem Ansinnen beugte, Peter tat es nicht, denn es gab keine Frauen- oder Männerschlafräume. So musste er sich am kommenden Tag zwar komische Blicke gefallen lassen, doch ihn ließ es kalt.
Ich selber hatte meine Nacht zwar im Schlafraum für Männer begonnen, doch bei 6 Leuten in einem wirklich kleinen Raum und ohne geöffnete Fenster wurde es so warm, dass ich es alsbald nicht mehr aushielt. Ich packte meinen Schlafsack und noch mich auf die Veranda der Hütte zurück und dort schlief ich dann wirklich ausgesprochen angenehm.
Bevor wir den Zug für unsere Fahrt nach Bodø bestiegen, blieb uns noch reichlich Zeit. Diese nutzten wir, um uns in einem, in der Nähe gelegenen Hotel, eine ordentliche Dusche zu gönnen. Diese war zwar zu bezahlen, doch es war es wert, mal wieder warmes Wasser auf der Haut spüren zu dürfen. In diesem Moment stellte sich wirklich ein Glücksgefühl über die Segnungen eines modernen Lebens ein.
Die Zugfahrt zurück nach Bodø war angenehm und mit ihr endete dieser Ausflug in die norwegische Wildnis und auch die Wege von Peter und mir trennten sich. Ich war wirklich etwas wehmütig, denn diese Tour war wirklich schön gewesen. Doch verschwand bald diese Wehmut, denn die schönen positiven Eindrücke dieser Tour schwangen noch lange in mir nach.
Bevor ich nach Australien aufbrach erzählte ich einem Kollegen, dass ich mit dem Indian-Pacific, dem Zug, der Sydney mit Perth verbindet, fahren würde und ich beabsichtige ein paar Tage in Perth zu bleiben.
Er fragte mich, wann ich in Perth ankommen würde und da ich die Fahrt schon gebucht hatte, konnte ich ihm den Termin sogar geben. Ich wusste zwar, dass er einen Bruder in Perth hatte, doch irgendwie hatte ich dieser Tatsache keine sonderliche Bedeutung beimessen.
Als ich nach einer rund 70stündigen Fahrt in Perth ankam und am Gleis stand und mich mit einem anderen Deutschen unterhielt, denn wir mussten wie im Flughafen auf unser Gepäck warten, wurden wir von einem Mann angesprochen, der uns fragte, ob wir einen Herrn …. kennen würden. Ich gebe zu, richtig verstanden hatte ich den Namen nicht und trotzdem meinte ich „Nein, kenne ich nicht“. Doch irgendwie war mir der Name bekannt vorgekommen und so lief ich dem Mann hinterher und fragte erneut wen er suchte. Wen wundert es, es stellte sich heraus, dass er mich gesucht hatte. Wie ich nun erfuhr, war es der Bruder meines Kollegen. Er holte mich hier ab und lud mich und den anderen Deutschen, den ich bis zu meiner Unterhaltung am Bahnsteig nicht kannte, zu sich ein. Ich war wahrlich überrascht und zugleich sehr erfreut.
Am ersten Tag unseres Aufenthaltes machte man sich die Mühe und stellte uns etwas Perth und seine Umgebung vor. Auf solch eine angenehme Art und Weise diese Region kennenzulernen hatte ich wirklich nicht gerechnet und so genoss ich es aus vollen Zügen.
Am Tag darauf starteten wir unsere eigene Erkundung der Stadt und ich stellte fest, dass sie mir gefiel. Auch wenn die Innenstadt durch Hochhäuser dominiert war, fühlte ich mich nicht so erschlagen und obwohl es die größte Stadt der australischen Westküste war, kam mir Perth trotzdem nicht wie ein Tiegel aus Stress und Geschäftigkeit vor. Alles schien ruhiger und entspannter abzulaufen.
Das grandiose Wetter nutzten wir auch, um einen Ausflug nach Frementle zu unternehmen. Dabei lockte uns die Aussicht eines der kulturellen Zentren Perth zu erkunden und frische Seeluft schnuppern zu können. Dass es dort auch eine sehr ansprechende Architektur und Sehenswürdigkeiten gab, lernten wir erst vor Ort. Auf jeden Fall wurde es ein Tag den wir voll und ganz genossen.
Völlig entspannt und beeindruckt von den Sehenswürdigkeiten, nahmen wir irgendwann die Rückfahrt in Angriff. Wir wollten noch bei Tageslicht den Kings Park erreichen, den von dort hatte man einen grandiosen Blick auf Perth.
Wir hatten gerade die Innenstadt erreicht und waren ein paar Minuten gelaufen, als sich bei mir ein Gefühl etwas zu vermissen einstellte. Ich konnte es aber nicht wirklich mit Fakten untermauern. Also grübelte und grübelte ich, bis es mir plötzlich aufging was ich vermisste. Es war meine Fototasche. Diese Erkenntnis zuckte wie ein Blitz durch meine Gedanken mit der Erkenntnis, dass ich keinerlei Erinnerung daran hatte, wo ich sie hatte stehen lassen. Es konnte irgendwo in Frementle gewesen sein, aber auch in der Bahn. Ich hatte keine Ahnung.
Schließlich nahm ich einfach einmal an, dass ich die Tasche in der Bahn vergessen hatte, denn dies war erst einmal die einfachste Möglichkeit mit der Suche zu beginnen. Dazu ging es zurück zum Bahnhof und auf direktem Wege zur “Bahnpolizei”
Dort erzählte ich von meinem Ungemach und man nahm sich auch gleich meinem Problem an. Es vergingen quälend lange 3 Stunden, bis erste Nachrichten eintrudelten. Es stellte sich heraus, dass jemand etwas gefunden hatte. Ob, es meine Tasche war, vermochte man nicht zu sagen. Der Finder hatte die Tasche nämlich nicht der “Polizei” aushändigen wollen. Man traute ihr nicht. Er hatte sie stattdessen nach Hause mitgenommen.
Ich stellte mir nun die Frage, ob und wie wir zu diesem Finder gelangen konnten, um zu prüfen, ob es denn meine Tasche sei und auch hier war die “Polizei” hilfreich. Man brachte uns mit einem Dienstfahrzeug zum Haus des Finders. Welch eine großzügige Geste.
Es stellte sich heraus, dass eine Frau tatsächlich meine Tasche gefunden hatte und mir viel mehr als nur ein Stein vom Herzen, denn nun bemerkte ich auch, dass ich an diesem Tag sogar meinen Geldbeutel und all meine Dokumente in dieser Tasche verstaut hatte. Was für ein Glück ich hatte wurde mir erst jetzt vollends bewusst und ich war all den Helfern mehr als dankbar. Die Finderin wollte lediglich ein Wort des Dankes akzeptieren, was ich ihr aus vollem Herzen auch gab.
Etwas leid tat mir die Frau, denn sie hatte wegen meiner Tasche etwas Ärger bekommen. Denn ihr Vater arbeitete für die Bahngesellschaft und er hatte kein Verständnis dafür gehabt, dass sie der “Polizei” (eine private Sicherheitsfirma) nicht getraut hatte und lieber selber meine Tasche in Verwahrung genommen hatte.
Als wäre ich heute nicht schon von Glücksmomenten überhäuft worden, wurden wir sogar noch zu unseren Gastgebern zurück gefahren.
Am kommenden Tag ging es nach „Rottnest Island„. Eine kleine Insel vor der Küste Perths, welche für Tagesausflügler sehr beliebt ist. Das reiche Angebot an Tieren und viel Natur schenkten einen sehr genussvollen Aufenthalt.
Da dort Kraftfahrzeuge verboten waren war man auf seine Beine oder die angebotenen Fahrräder angewiesen. Wir entschieden uns Fahrräder zu mieten und die Insel auf diesem Wege zu erkunden. So entdeckten wir hübsche Strände, herrliche Dünen, felsige Küstenabschnitte aber auch seine tierischen Bewohner die Quokkas, eine besonders kleine Art von Kängurus.
Alles in allem ließ sich der Tag wirklich genießen. Wir hatten uns bis an das Ende der Insel vorgearbeitet, als es hieß die Rückfahrt anzutreten, denn die Fähre wartete nicht auf uns, um wieder zum Festland zurückzugelangen.
Wir waren gerade losgefahren, als mir eine der Pedalen am Rad abbrach. Ich schaute ziemlich dumm aus der Wäsche, denn wie sollte ich mit nur einer Pedale am Rad fahren und zudem rechtzeitig die Fähre erreichen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mit nur einer Pedale Fahrrad zu fahren. Es ging erstaunlich gut und wir überholten sogar andere Radfahrer.
Beim Radverleih angelangt, zeigte ich die Pedale und das Rad und schon meinte man, ich würde meine Radmiete zurückerstattet bekommen. Da war ich aber platt. Kein Diskutieren, ein Argumentieren, einfach so wurde mir das Geld erstattet. Ich fand es nett und großzügig.
So hatte dieser Ausflug, trotz des Ungemach ein positives Ende gefunden.
Der folgende Tag stand im Zeiten meiner Abreise aus Perth. Es sollte zurück nach Melbourne gehen, von wo ich meine Heimreise antreten würde.
Zum Flughafen wurde ich von meinen Gastgebern gebracht was ich wirklich als eine sehr nette Geste empfand. Am Flughafen angelangt wurde ich aus dem Fahrzeug entlassen und man fragte mich „Andre, hast du auch alles“. Ich schaute mich im Fahrzeug um und meinte „Ja, ich habe alles“.
So ging ich in den Flughafen und meine Gastgeber fuhren zurück in die Stadt.
Ohne mich lange aufzuhalten, ging ich an den Schalter meiner Fluggesellschaft, um alle Formalitäten zu erledigen. Schon auf dem Weg dort hin, fühlte ich mich etwas Unwohl und es beschlich mich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Als ich schließlich am Schalter angelangt war, wusste ich was es war. Ich hatte meine Fototasche irgendwo vergessen. Ich war mir sicher, dass sie im Fahrzeug war. Doch diese Erkenntnis nutzte mir nun nichts, denn ich konnte meine Gastgeber nicht mehr erreichen. So blieb mir nichts anderes übrig, als zu einem späteren Zeitpunkt Kontakt mit ihnen aufzunehmen und zu versuchen die Tasche wieder zu erhalten.
Da ich in Melbourne aber noch fotografieren wollte, kaufte ich mir im zollfreien Bereich einen Ersatzapparat, was mir aber nicht wirklich leicht viel, denn auch dieser kostete noch ein Sümmchen. Doch ich tröstete mich, dass ich auch noch meinen restlichen Urlaub mit ein paar Aufnahmen festhalten konnte.
In Melbourne hatte ich mich in eine Jugendherberge eingemietet von der aus ich einfach meine Ausflüge in die Stadt koordinieren und durchführen konnte.
Während einer dieser Ausflüge verschlug es mich einmal in eine Post, denn es galt noch ein paar Postkarten zu versenden. Nach diesem Vorhaben erkundete ich einen Supermarkt, der sich im selben Gebäude wie die Post befand. Während ich nun zwischen den Lebensmittelregalen umherstreifte, stellte sich erneut das Gefühl des Verlustes ein.
Ich musste nicht lange nachdenken oder Grübeln was die Ursache war. Mein Fotoapparat war weg.
Mir war gleich klar, dass ich ihn wohl in der Post hatte liegen lassen. Also ging es auf direktem Wege zurück. Ich hoffte wirklich inständig, dass ich ihn finden würde, denn noch einen Verlust wollte ich nicht wirklich hinnehmen wollen.
Doch auch dieses Mal war mir das Glück hold. Der Apparat lag noch genau an jener Stelle, an der ich ihn zurückgelassen hatte. Ich schwor mir nun wirklich besser auf meine Sachen aufzupassen und zuzusehen, dass mir so etwas nicht nochmal passierte. Diese extreme Häufung von Missgeschicken in so wenigen Tagen, ließ mich wirklich an mir und meiner Gedächtnisleistung zweifeln.
Ich war froh, dass ich es ab diesem Moment wirklich schaffte ohne jeden Weiteren Verlust bis nach Hause zu gelangen, wenngleich dies nicht wirklich eine Leistung war, denn ich hatte gerade einmal 2 Tage zu überstehen.
Dieses Erlebnis hat sich erneut in Norwegen zugetragen.
Es sollte nur ein kurzer Urlaub in Mittel-Norwegen sein. Ich wollte den Snöhetta besteigen und den Herbst in den Bergen erleben, denn diese Zeit in den norwegischen Bergen ist einfach nur wunder schön. Die Bäume und vor allem die Moose leuchten in herrlichen Farben, so dass einem der Atem stockt.
Ich hatte wahrlich eine schöne Zeit im Nationalpark. Meistens war ich alleine und konnte somit die herrliche Natur und Ruhe in vollen Zügen genießen. Auch die Besteigung des Snöhetta war ein schöner Erfolg. Es war zwar sehr windig und kalt auf dem Gipfel gewesen, doch die Aussicht und der herrliche Blick über die Landschaft ließ mich diese Widrigkeiten vergessen.
An meinem letzten Abend im Nationalpark lernte ich sogar noch einen Jäger kennen. Er jagte Elche.
So eine Jagt hat es in sich und man muss sich alles hart erarbeiten, denn man konnte nicht mit einem Fahrzeug einfach an das gejagte Tier heranfahren und es abtransportieren. Der Jäger musste alles via Rucksack durch den Park bis zu seinem Fahrzeug tragen. Unter Umständen durfte er den Weg mehr als einmal zurücklegen. In Falle dieser Jagt, brauchte er einen ganzen Tag, um bis an den Rand des Parks zu gelangen, wo sich sein Auto befand.
Ich erzählte dem Jäger, dass ich am nächsten Tag den Nationalpark verließ um zurück zu meinem Ausgangspunkt zu gelangen und dazu zeigte ich ihm meine geplante Wanderroute. Er meinte daraufhin, dass ich zwar den richtigen Weg nähme (es war der offizielle Wanderweg), doch teilte er mir mit, dass ich den Weg abkürzen könnte.
Die Abkürzung, die er mir zeigte, sollte mir etwa einen halben Tag Zeitersparnis einbringen. Das einzige Problem war, dass diese Alternative, mich durch ein Manövergebiet der norwegischen Armee führen sollte.
Ich sagte dem Jäger, dass der Weg durch ein Manövergebiet sich etwas gefährlich anhört. Er erklärte daraufhin, dass jeder durch dieses Gebiet läuft, um den Weg abzukürzen. So entschloss auch ich mich, diese Abkürzung zu verwenden.
Als ich am Morgen loslief war es nicht so ruhig wie sonst. Eigentlich war ich nur gewöhnt Wind und Wasser zu hören, doch an diesem Tag mischte sich leicht Geräusche von Maschinen dazwischen. Woher diese Geräusche kamen, konnte ich nicht ermitteln und so ignorierte ich es.
Ich erreichte alsbald das Manöver Gebiet. Dort laß ich die Warnschilder, doch ich vertraute noch der Aussage des Jägers, dass es kein Problem sei und betrat das Gebiet.
Ich kam trotz Morastigem Untergrund, der mich regelmäßig bis zu den Knöcheln einsinken lies wirklich gut vorwärts und ich freute mich über den Zeitgewinn.
Doch plötzlich flog mit großem Lärm und ganz niedrig ein Düsenjet fast über mich hinweg. Ich erschrak ganz schön. Doch so schnell der Flieger aufgetaucht war, war er auch schon wieder verschwunden.
Doch eh ich mich versah kam er wieder und dieses Mal noch niedriger als zuvor. Ich beobachtete ihn und staunte nicht schlecht, als er plötzlich etwas zu verlieren schien. Schnell merkte ich, dass er nichts verlor, sondern abwarf. Es waren wohl Bomben, denn als diese den Boden erreichten, gab es heftige Detonationen und die Erde unter mir schien zu beben.
Ich brauchte nun wirklich nicht lange, um zu erkennen, dass ein Weiterlaufen in das Gebiet hinein mehr als sträflich wäre. So drehte ich mich nur um, und versuchte schnellst Möglich das Gebiet hinter mich zu bringen.
Während ich verzweifelt versuchte, durch den Morast vorwärts zu stapfen, kamen immer wieder Jets eingeflogen und hinterließen ihre Fracht. Mir wurde mit jedem Abwurf flauer in der Magengegend.
Schließlich hatte ich es geschafft. Ich war raus aus dem Manöver-Gebiet und wohl auch nicht zu spät, denn nun warf man wohl die dickeren Dinger ab, denn, obwohl ich mich zwischenzeitlich hinter einem Hügel befand, der mich vom Gebiet trennte, erwischte mich solch eine Schockwelle, dass ich mir nicht vorstellen mochte, wie es mir ergangen wäre, wenn ich näher gewesen wäre.
Ich musste mich nun erst einmal hinsetzten und das Erlebte verdauen, denn obwohl ich keine Angst gehabt hatte, fühlte ich mich in meiner Haut wahrlich nicht wohl. Es dauerte auch eine ganze Zeit, bis ich meinen Weg fortsetzte.
Auf dem weiteren Fußmarsch schien es mir, als wolle sich jemand für den erlittenen Schock entschuldigen, denn die Sonne blitzte zwischen den Wolken hervor und bestrich die ganze Landschaft mit ihrem herrlichen Licht, dass all die Moose, Gräser und Bäume in ihren herrlichen herbstlichen Farben zu leuchten begannen. Ich muss gestehen, dass mich dieser Anblick das Erlebte für einen Moment vergessen ließ.