Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Ryūjin (龍神)

Wer am Strand steht, wenn der Himmel sich verdunkelt und die Wellen plötzlich höher steigen, ahnt etwas von dem, was die Menschen Japans seit Jahrtausenden über das Meer dachten: Es ist nie nur Wasser. Es ist ein Wille, eine Stimmung, manchmal eine Gnade, manchmal ein Zorn. Tief unter der Oberfläche, so erzählten die Alten, liegt ein Palast aus Korallen und Fischschuppen, in dem ein Herrscher wohnt, dessen Atem die Gezeiten bewegt und dessen Laune über Fischfang und Sturm entscheidet. Dieser Herrscher ist Ryūjin, der Drachenkönig des Meeres. Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Ryūjin (龍神) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Aus dem Nichts in den großen Schöpfungsmythos

Am Anfang war nichts, das einen Namen verdient hätte. Kein Himmel wölbte sich über etwas, das Erde hätte sein können, kein Wasser trennte sich vom Land, kein Licht schied sich von der Finsternis. Japan – Gut zu Wissen – Aus dem Nichts in den großen Schöpfungsmythos weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was ist Zōka Sanshin (造化三神)

Bevor Izanagi und Izanami die Inseln Japans aus dem Urmeer hoben, war da nichts als eine schwebende, ölige Leere – kein Boden, kein Himmel, nur ein träges Schwanken wie Fett auf kaltem Wasser. In diesem formlosen Dunkel, lange bevor ein Gesicht oder eine Stimme denkbar war, geschah etwas, das die ältesten japanischen Erzähler mit auffälliger Zurückhaltung berichten: Drei Wesen traten hervor, ohne Geräusch, ohne Geste, und verschwanden im nächsten Atemzug wieder aus der sichtbaren Welt. Sie hatten weder Gestalt noch Geschlecht, keine Gefährten und keine Geschichte – und doch tragen sie bis heute den Titel der eigentlichen Urschöpfer Japans. Japan – Gut zu Wissen – Was ist Zōka Sanshin (造化三神) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Izanami (伊邪那美)

Am Anfang ist nichts als ein träges Treiben, ein Schwimmen ohne Ufer, wie Öl, das sich auf dunklem Wasser kräuselt, oder wie eine Quallenmasse, die ziellos durch ein Urmeer gleitet. Aus diesem Dämmerzustand der Welt treten zwei Gestalten hervor, ein junger Gott und eine junge Göttin, die letzten von sieben Götterschlechtern, die seit Anbeginn aus dem Nichts hervorgegangen sind. Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Izanami (伊邪那美) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Susanoo-no-Mikoto (須佐之男命)

Der Himmel bricht auf. Nicht mit einem einzelnen Blitz, sondern mit allem auf einmal: peitschendem Regen, dem Dröhnen des Donners, Wellen, die sich wie lebendige Berge auftürmen. Irgendwo in diesem Toben ist er: Susanoo-no-Mikoto (須佐之男命), der ungestüme Mann, Bruder der Sonne – und vielleicht die widersprüchlichste Gestalt der gesamten japanischen Mythologie. Kein anderer Kami, also keine andere Gottheit, vereint Zerstörung und Zärtlichkeit, Verbannung und Erlösung so eng in sich wie er. Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Susanoo-no-Mikoto (須佐之男命) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Tsukuyomi (月読命)

Stell dir vor, du stehst in einer mondlosen Herbstnacht irgendwo auf dem japanischen Land, weit genug von jeder Stadt, dass der Himmel sich schwer und dunkel über dir wölbt. Dann schiebt sich langsam die Scheibe des Mondes hinter einer Wolke hervor, und mit einem Mal hat die Welt eine andere Qualität – nicht erleuchtet, aber sichtbar gemacht. Das Dunkel hat sich nicht aufgelöst, es hat nur eine Form angenommen. So ungefähr lässt sich das Wesen der Gottheit beschreiben, die die Japaner Tsukuyomi-no-Mikoto nennen: nicht Licht, nicht Finsternis, sondern jene merkwürdige Zwischensphäre, in der das eine aufhört und das andere noch nicht begonnen hat. Japan – Gut zu Wissen – Wer ist Tsukuyomi (月読命) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was ist Mono-no-ke (物の怪)

Es gibt Dinge, die sich nicht erklären lassen. Eine Krankheit, die kommt und nicht geht. Ein Unglück, das sich häuft. Eine Schwere, die sich auf einen Menschen legt, ohne dass jemand sagen könnte, woher sie stammt. Die Menschen in Japan haben diesem Unerklärlichen seit Jahrhunderten einen Namen gegeben: Mono-no-ke. Japan – Gut zu Wissen – Was ist Mono-no-ke (物の怪) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was ist Shogyō mujō (諸行無常)

Wenn man von Shogyō mujō (諸行無常) hört, ist man sogleich auf dem Wege, dass Alles, was entsteht, vergeht. Deshalb ist dieses Thema sehr spannend und auch sehr umfangreich von seinen Bedeutungen. Japan – Gut zu Wissen – Was ist Shogyō mujō (諸行無常) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Myō-ō (明王) – Die Weisheitskönige

Die Myō-ō (明王), auf Japanisch Myōō, gehören zu den wichtigsten Gestalten des japanischen esoterischen Buddhismus. Der Name bedeutet „Weisheitskönige“ oder „Lichtkönige“. Das Schriftzeichen 明 (myō) steht für Licht, Weisheit und Erkenntnis, während 王 (ō) „König“ bedeutet. Der Ursprung des Begriffs liegt im Sanskritwort Vidyārāja, was ebenfalls „Weisheitskönig“ bedeutet. Japan – Gut zu Wissen – Myō-ō (明王) – Die Weisheitskönige weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Dreibeiniger Rabe Yatagarasu (八咫烏)

Yatagarasu (八咫烏), der dreibeinige Rabe der japanischen Überlieferung, erscheint in den frühesten schriftlichen Quellen Japans als eine Gestalt zwischen Mythos, religiöser Erfahrung und politischer Sinnstiftung. Überliefert ist er insbesondere im Kojiki („Aufzeichnung alter Begebenheiten“) und im Nihon Shoki („Chroniken Japans“), zwei der ältesten Geschichtswerke des Landes aus dem 8. Jahrhundert, die Mythen, Legenden und frühe historische Vorstellungen miteinander verbinden. In diesen Texten wird Yatagarasu nicht als gewöhnliches Tier beschrieben, sondern als ein göttlicher Bote der Kami. „Kami“ sind im Shintō, der traditionellen japanischen Religion, keine allmächtigen Schöpfergötter im westlichen Sinn, sondern geistige Wesenheiten oder heilige Kräfte, die in Naturerscheinungen, Orten, Ahnen oder besonderen Symbolfiguren gegenwärtig sein können. Japan – Gut zu Wissen – Dreibeiniger Rabe Yatagarasu (八咫烏) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was ist Shitennō (四天王)

Die Shitennō (四天王) sind in der japanischen buddhistischen Tradition die „Vier Himmelskönige“. Sie gehören zu den bekanntesten Schutzgottheiten des ostasiatischen Buddhismus. Man findet ihre Figuren oft in Tempeln: groß, bewaffnet, furchteinflößend und mit wilden Gesichtsausdrücken. Obwohl sie bedrohlich aussehen, gelten sie nicht als böse Wesen, sondern als mächtige Beschützer des Buddhismus, der Menschen und der kosmischen Ordnung. Japan – Gut zu Wissen – Was ist Shitennō (四天王) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was ist Tenbu (天部)

Im japanischen Buddhismus bezeichnet „Tenbu“ (天部) eine Gruppe von himmlischen Wesen, Schutzgottheiten und göttlichen Wächtern, die den Buddhismus beschützen und unterstützen. Das Wort setzt sich aus zwei japanischen Schriftzeichen zusammen: „Ten“ (天) bedeutet „Himmel“ oder „himmlisch“, während „Bu“ (部) „Gruppe“ oder „Abteilung“ heißt. Wörtlich könnte man Tenbu also als „die Gruppe der himmlischen Wesen“ übersetzen. Obwohl diese Wesen oft sehr mächtig dargestellt werden, gelten sie nicht als Buddhas. Ein Buddha ist im Buddhismus ein vollkommen erleuchtetes Wesen, das den Kreislauf von Leiden und Wiedergeburt überwunden hat. Die Tenbu dagegen sind eher Beschützer, Helfer und Wächter des buddhistischen Glaubens. Japan – Gut zu Wissen – Was ist Tenbu (天部) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Was sind Oni (鬼)

Oni sind in der japanischen Mythologie und Volksreligion dämonische Wesen, die seit Jahrhunderten in Legenden, religiösen Vorstellungen und der traditionellen Kunst Japans vorkommen. Historisch erscheinen sie bereits in frühen japanischen Chroniken und religiösen Texten, insbesondere in der Heian-Zeit (794–1185), als symbolische Verkörperungen von Chaos, Unglück und moralischem Fehlverhalten. Ihre Darstellung wurde stark durch Einflüsse aus dem Buddhism und der einheimischen Shinto-Tradition geprägt. Japan – Gut zu Wissen – Was sind Oni (鬼) weiterlesen

Japan – Gut zu Wissen – Kannon das erleuchtete Wesen (Mahayana-Buddhismus)

Kannon ist im japanischen Buddhismus keine Gottheit im klassischen Sinne, sondern ein sogenannter Bodhisattva – ein erleuchtetes Wesen, das bewusst auf den endgültigen Eintritt ins Nirvana verzichtet, um anderen Lebewesen zu helfen. Diese Vorstellung gehört zum Mahayana-Buddhismus, der in Japan weit verbreitet ist und Mitgefühl als eine der höchsten spirituellen Tugenden betrachtet. Kannon verkörpert genau dieses Mitgefühl in seiner reinsten Form: die Fähigkeit, das Leiden aller Wesen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Japan – Gut zu Wissen – Kannon das erleuchtete Wesen (Mahayana-Buddhismus) weiterlesen