Norwegen (1988) – Tag 9 – Ramberg – Treffe Katastrophen übende Männer

Mit dem frühen Aufstehen wurde es nichts. Ich konnte mich erst gegen 10:30 Uhr überwinden, aus dem Schlafsack zu klettern. Was soll’s! Ich habe Urlaub!

Als ich aus dem Zelt schaute, musste ich feststellen, dass das Wetter nicht mehr so toll war. Der Himmel war bedeckt. Das einzig Gute war, dass sich kein Lüftchen regte. So war es zumindest angenehm warm.

Da ich am Vortag genügend Milch und Brot eingekauft hatte, brauchte ich heute nicht einkaufen zu gehen.

Nach dem Waschen aß ich etwas und machte mich sogleich auf den Weg. Ich verließ Ramberg in Richtung [Ortsname fehlt] und folgte der Straße bis zu der Stelle, wo angeblich eine Fähre zur Nachbarinsel ablegen sollte.

Ich fand auch die Ablegestelle, und zu meiner großen Freude war auch gerade eine Fähre da, sodass der Überfahrt nichts im Wege stand. Ich ging auch gleich ohne zu zögern auf die Fähre. Nun konnte es von mir aus losgehen, aber es dauerte noch rund eine Viertelstunde.

Mir machte es aber nichts aus, ich hatte ja Zeit genug. Die Fähre brachte mich nach Ferding. Dieser Ort ist zurzeit nur durch diese Fähre zu erreichen. Es wird aber schon an einer Brücke gebaut, die nächstes Jahr fertig werden soll.

In Ferding angekommen, folgte ich der einzigen Straße in Richtung Norden, bis sie schließlich nach rund 2 km endete. Nun ging es nur noch über Stock und Stein an der Küste entlang. Nachdem ich aber ein paar Meter gegangen war, sah ich, dass in ca. 500-1000 m Entfernung ein schön breiter Weg an der Küste entlanggehen musste.

Ich kletterte also durch den Matsch und die Sträucher zu diesem Weg. Zu meiner großen Freude hatte ich mich nicht getäuscht. Ich fand einen ganz tollen und vor allem super breiten Weg.

Diesem Weg folgte ich bis zum Ende der Insel. Dort befand sich eine Hütte, Mulstrøm. Das erklärte auch den tollen Weg. Ungefähr 200 m hinter der Hütte reichte eine tolle Felsformation ins Meer. Auf ihr wollte ich mich niederlassen, mich entspannen und dann in aller Ruhe den Rückweg angehen.

Als ich auf die Felsen hinaufkletterte, sah ich, dass ich nicht allein war. Außer mir befanden sich noch zwei Typen hier. Der eine lag ganz ruhig oben auf den Felsen und rührte sich nicht. Der andere lag weiter unten in einer Felsnische und schrie die ganze Zeit etwas. Ich war schon zu der Meinung gelangt, dass er ganz schön einen im Kahn haben müsse.

Nach ein paar Minuten kam der eine von den beiden, der immer so herumgebrüllt hatte, auf mich zu. Nun kam das große Licht in dieses Dunkel.

Der Junge erklärte mir, dass heute hier eine Übung stattfinde. Er und der andere Junge seien hier gestrandet. Er habe sich dabei das Bein gebrochen, und der andere sei tot, und nun würde er auf die Retter warten. Jetzt wurde mir einiges klar, vor allem, warum er so geschrien hatte. Er hatte mich nämlich für einen der Retter gehalten.

Jetzt rief er zu seinem Kumpel, zwar auf Norwegisch, aber ich konnte mir schon zusammenreimen, was er rief: „Hei, entspann dich, das hier ist nur ein Tourist.“ Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Die anderen aber auch nicht.

Da mir die ganze Situation ganz schön peinlich war, zog ich mich langsam zurück und machte mich auf den Rückweg. Als ich schließlich bei der Fähre war, hatte ich weit und breit noch keinen Retter gesehen.

Ich glaube, die beiden liegen dort noch eine ganze Weile.

Ich war gegen 16 Uhr zurück in Ramberg. Auf dem Zeltplatz angekommen, ging ich gleich zu meinem Zelt und blieb dort den Rest des Tages.

Da sich an meinem Hemd und an der Hose einige Flickarbeiten ergeben hatten, nahm ich mich ihrer an und reparierte alles, so gut es ging.

Gegen 21 Uhr haute ich mich aufs Ohr und wollte schlafen. Es klappte aber einfach nicht.

Dazu kam, dass gegen 23.30 Uhr ein mordsmäßiger Radau draußen war. Als es mir zu viel wurde, linste ich mal kurz raus, um zu sehen, wer die Verursacher waren.

Das Einzige, was ich zu sehen bekam, war, dass Leute dabei waren, eine große Kote aufzubauen. Ich legte mich wieder hin, und es dauerte bis 1.00 Uhr, bis ich schließlich einschlief.