Norwegen (1988) – Tag 10 – Ramberg – Besuch der Kirche von Flakstad

Für heute hatte ich wieder einen Tag mit viel Ruhe angesetzt. Daher wurde es 10 Uhr, bis ich mich entschloss, aus dem Schlafsack zu klettern.

Als ich aus dem Zelt schaute, wäre ich am liebsten gleich wieder schlafen gegangen, so tief hingen die Wolken. Das Wetter überzeugte mich absolut nicht.

Nichtsdestotrotz packte ich mein Waschzeug und begann die alltägliche Waschung. Anschließend gab es Frühstück.

Für den Sonntag hatte ich mir noch etwas zum Ansehen aufgehoben, und zwar die Kirche vom Nachbarort. Gegen 11 Uhr machte ich mich auf den Weg.

Als ich gerade Ramberg verlassen wollte, sah ich, dass ich die Straße auf der rechten Seite verlassen konnte, um so auf eine vorgelagerte Festlandzunge zu gelangen. Da ich Zeit hatte und dort die Sonne schien, kämpfte ich mich auf diese Landzunge durch. Ab und zu erwies es sich als recht schwierig, da überall große Gebiete mit Wasser überschwemmt waren.

Nach rund 15 Minuten war ich auf der Landzunge angekommen und genoss die Sonne. Allzu warm war es dennoch nicht, denn es blies eine steife Brise. Als die Sonne hinter den Wolken verschwand, machte ich mich wieder auf die Socken Richtung Kirche.

Bei der Kirche angekommen, musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass sie geschlossen war.

Hier bei der Kirche bot sich mir aber ein amüsanter Anblick. Es kamen drei Kinder auf ihren Ponys angeritten. An sich ist das noch nicht amüsant. Nur wollte das eine Pony um Verrecken nicht mehr weiterlaufen. Es blieb stur stehen und ließ sich weder durch Zureden, Ziehen oder Antreiben dazu überreden, auch nur noch einen Schritt zu machen. Nur wenn die Kinder das Pony Richtung Stall drehten, war es bereit, sich zu bewegen. Nach einiger Zeit vergeblichen Mühens gaben sie auf und traten den Rückzug zum Stall an.

Ich machte mich meinerseits auch auf den Rückweg zu meinem Stall, ähhh, Zelt. Inzwischen schien die Sonne wieder in ihrer ganzen Pracht. Nur brachte der Wind eine ganz schöne Kälte mit sich, da er aus Norden kam (original Polarluft).

Am Zeltplatz trudelte ich kurz vor 16 Uhr ein. Auf meinem Rückweg hatte ich mir noch einen Hammer geleistet. Ich kam, als ich von der Kirche wegging, an einem kleinen Friedhof vorbei und schaute vor mich hin, als mir plötzlich eine ganz tolle Blume ins Auge fiel. Ich, kurz entschlossen, in den Graben hinunter und den Fotoapparat gezückt. So etwas musste man ja schließlich festhalten. Nachdem ich mein Foto geschossen hatte, betrachtete ich die Blume erst einmal genauer. Wie sich nun herausstellte, war sie keineswegs ein Produkt dieser fantastischen Flora, sondern ein Produkt menschlicher Fingerfertigkeit. (Diese Blume war wohl von einem der Trauerkränze abgefallen.) Es war mir schon recht peinlich, dass ich es nicht vorher gemerkt hatte.

Am nächsten Tag wollte ich wieder weiterziehen. Daher beschloss ich, meinen Standplatz bezahlen zu gehen.

Ich ging zu Geir und bezahlte für 5 Nächte. Wir kamen dabei ins Gespräch und verbrachten den restlichen Nachmittag miteinander.

Gegen 17 Uhr kam ich zurück zum Zelt, und nun gab es erst einmal was zu spachteln. Es galt noch, Gewicht und Packmenge für den Rucksack zu verringern.

Am Abend frischte der Wind, der ohnehin ohne Unterlass blies, erst so richtig auf. Der Innenraum meines Zeltes verringerte sich zusehends, sodass ich befürchten musste, das Zelt könnte es nicht aushalten. Im Grunde waren diese Befürchtungen aber unbegründet.

Als ich einmal fast eingeschlafen war, hörte ich von draußen eine Stimme: „Andre, schläfst du schon?“ Ich log: „Nein.“ Es war Geir. Er hatte mir die Busfahrzeiten in Richtung Leknes besorgt. Er reichte sie mir herein und war dann auch schon gleich wieder verschwunden.

Irgendwann war ich dann auch richtig eingeschlafen. Wegen des Windes wachte ich aber so alle 2 Std. auf, um die Sachlage zu beurteilen. Um 2 Uhr morgens kletterte ich, um einem menschlichen Bedürfnis nachzukommen, aus dem Zelt. Was sich mir nun an Sonne bot, war besser als die Mitternachtssonne, die ich schon aufgenommen hatte.

Da es jedoch sehr kalt und ich reichlich müde war, kletterte ich wieder zurück ins Zelt und schlief auch bald ein.