Norwegen (1988) – Tag 2 – Oslo nach Bodø – Lange und weite Zugfahrt

Die Fahrt bis Oslo dauerte an diesem Tag noch bis 12.40 Uhr. Während der Nacht waren die ältere Dame und das junge Mädchen ausgestiegen. Auf diese Weise hatten wir schön viel Platz im Abteil.

Boris erzählte, dass er nach Fauske (das liegt auf der Höhe von Bodø) fahren wolle, um von dort durch einen Nationalpark zu wandern. Da ich nichts Besseres vorhatte, sagte ich, dass ich mit nach oben fahren würde. Allerdings würde ich weiterfahren bis Bodø. Boris schien diese Idee recht zu sein.

Je näher wir Oslo kamen, umso besser wurde das Wetter. Als wir schließlich in Oslo ankamen, hatten wir einen wolkenfreien Himmel und 20 Grad im Schatten. Das freute uns sehr.

Boris und ich hatten in Oslo etwa 2½ Std. Aufenthalt.

Damit wir aber gemeinsam weiterfahren konnten, musste ich noch einige Reservierungen tätigen: als Erstes die Platzreservierung bis Trondheim und von Trondheim bis Bodø eine Liegewagenreservierung.

Der Mann hinter dem Schalter im Osloer Bahnhof war sogar richtig fähig. Er verstand genau, dass Boris und ich zusammen fahren wollten. Er drehte es auch so, dass es klappte.

Nun verstauten Boris und ich unsere Rucksäcke. Bei dem Rucksack von Boris war das außerordentlich schwierig, denn er war einfach zu groß. Er musste schließlich seinen Rucksack in der Gepäckaufbewahrung abgeben, was hier nicht so ohne Weiteres möglich ist. Der Junge hinter dem Schalter machte aber keine Schwierigkeiten. Er war außerordentlich kooperativ.

Nachdem die Rucksäcke verstaut waren, gingen wir gemeinsam in die Stadt. Wir drehten eine kleine Runde. Sie begann am Bahnhof, führte am Dom vorbei, weiter zum königlichen Schloss und über den Hafen zurück zum Bahnhof.

Zwischendurch gingen wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen, und zwar in demselben Geschäft, in dem ich auch letztes Jahr mein Geld gelassen hatte.

Als wir wieder beim Bahnhof waren, holten wir unsere Rucksäcke und stampften zum Bahnsteig. Wir kamen so frühzeitig beim Zug an, dass wir ohne Probleme unsere Rucksäcke verstauen konnten, bevor der große Stress begann.

Bis wir losfuhren, waren wir von Deutschen umzingelt. Es waren drei Jungs gekommen, ebenfalls mit Rucksäcken. Sie wollten heute noch bis Trondheim. Ferner saß noch ein Mann bei uns in der Nähe, der schon eine ganze Ecke durch die Gegend gegondelt war und entsprechend viel zu berichten hatte. Ich war aber so fertig, dass ich es vorzog, vor mich hinzudösen.

Die Fahrt, auf der wir uns befanden, war schon super. Besonders schön wirkte das Ganze bei dem herrlichen Wetter.

In Dombås stieg ein Norweger in den Zug, der nach Hjerkinn wollte. Er erzählte so viel über dieses Gebiet, dass die drei Deutschen in Hjerkinn spontan ausstiegen, um dort etwas zu bleiben. Die Landschaft sah aber auch überwältigend aus, zumindest das, was man aus dem Fenster zu sehen bekam. Ich wäre auch gern ausgestiegen, aber …

Ich entschloss mich auf jeden Fall, auf der Rückfahrt, wenn es sich zeitlich machen ließe, hier vorbeizuschauen.

Wir kamen pünktlich in Trondheim an. Unser Zug nach Bodø stand schon auf dem gegenüberliegenden Gleis bereit. Wir wollten die Rucksäcke direkt loswerden und suchten darum gleich unser Abteil auf. Als wir dort ankamen, stand darin eine ältere Frau, und als ich meinte, wir wollten auch hinein, schaute sie mich ganz empört an und sagte „Nein“. Ich wunderte mich schon etwas, denn in Deutschland gibt es im Liegewagen keine Trennung zwischen Männern und Frauen, aber anscheinend in Norwegen.

Wie sich nach einigem Hin und Her herausstellte, hatte die Frau zwar eine Reservierung für dieses Abteil, aber für den nächsten Tag. So konnten wir das Abteil in Beschlag nehmen.

Das Abteil hatte 3 Betten und war gegenüber deutschen Verhältnissen super ausgestattet, vor allem, weil es nur 3 Betten, eine Waschecke und einen Nachttopf in dem Abteil gab.

Wir deponierten unsere Sachen, und da wir noch eine ½ Std. Zeit hatten, gingen wir noch etwas durch Trondheim. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass der Ort nicht schlecht aussah, meine Kamera aber defekt war.

Mir stiegen vor meinem geistigen Auge die reinsten Horrorvorstellungen empor, wie zum Beispiel eine neue Kamera kaufen zu müssen, und das bei diesen tollen Preisen.

Während des Bummelns tüftelte ich etwas an der Kamera herum und fand den Fehler. Der Deckel war nicht richtig eingerastet, und dadurch funktionierte die Kamera nicht. Nun arbeitete sie aber wieder einwandfrei.

Um 22.50 Uhr begann die Fahrt. Die Sonne war zwar schon lange untergegangen, dennoch zauberte sie herrliche Farben auf den Trondheimfjord.

An diesem Fjord machten sich die Leute einen schönen Abend mit riesigen Feuern. Ungefähr alle 100 m brannte ein neues Feuer.

Es war mittlerweile schon 23.30 Uhr, und draußen war es noch so hell wie in Deutschland um 7 oder 8 Uhr. Es war sehr beeindruckend.

Nachdem wir noch eine ½ Std. unsere Nasen aus dem Fenster gesteckt hatten, zogen wir uns langsam in unser Abteil zurück. Nun sollte noch ein Mann in unser Abteil kommen. Der Schaffner hatte aber ein Einsehen und verfrachtete ihn in das benachbarte, freie Abteil. Das war uns natürlich lieber.

Boris und ich redeten, nachdem wir uns hingelegt hatten, noch etwas, dann fielen mir aber die Augen zu.