Tja, heute begann endlich mein Urlaub. Mit meiner Urlaubsstimmung war es aber nicht weit her. Sie kam nämlich nicht so recht auf. Es lag wohl unter anderem daran, dass ich noch am letzten Wochenende mit einer Blinddarmreizung im Bett gelegen hatte und dadurch ganz schön um meinen Urlaub bangen musste. Zum Glück gab mir der Arzt aber am Montag grünes Licht, und meiner Tour stand nichts mehr im Wege.
Den nächsten Dämpfer erhielt ich einen Tag, bevor ich losfahren wollte. Helena rief mich aus Brüssel an. Sie teilte mir mit, dass in Finse, wo ich eigentlich wandern wollte, noch reichlich Schnee liege und es unmöglich sei, dort zu wandern. Bestenfalls könnte ich mich mit Langlaufskiern aufmachen.
Dadurch konnte ich meine Wandertour, die ich ein halbes Jahr vorbereitet hatte, vergessen. Nun hieß es schnell umplanen. Ich hatte aber absolut keine Idee, was ich sonst machen könnte. Ich entschloss mich schließlich, einfach draufloszufahren.
Ich kam Freitagmorgen vom Dienst nach Hause und wollte mich noch etwas hinlegen, um einigermaßen fit für die anstehende Fahrt zu sein. Es wurde aber nichts daraus. In meiner Darmgegend rumorte es verdächtig, sodass ich beschloss, einen Arzt aufzusuchen, bevor ich losdüsen wollte.
Die ganze Untersuchung dauerte rund 1½ Std. Sie ergab, dass ich ruhig in Urlaub fahren könne, danach aber zur Beobachtung öfter beim Arzt vorbeikommen sollte.
Nun war es jedoch schon so spät, dass es sich nicht lohnte, sich noch hinzulegen. Ich ging lieber noch ein paar Sachen für die Fahrt besorgen. Nachdem ich das getan hatte, lauerte ich nur noch darauf, endlich aufbrechen zu können.
Um 13.00 Uhr machte ich mich schließlich auf Achse. Die Leute schauten ganz schön blöd, als ich mit dem Rucksack aus dem Haus kam.
Den Bahnhof erreichte ich ungefähr um 13.30 Uhr. Dort gab ich meinen Rucksack in der Gepäckaufbewahrung ab, um mich besser durch die Stadt wühlen zu können.
Ich musste um 14.00 Uhr wieder im Bahnhof sein, da ich dort mit Elisabeth verabredet war. Ich wollte ihr noch ein paar Disketten geben. Wir sprachen miteinander, bis ich mich aufmachen musste, um den Zug zu erreichen.
Meine Fahrt sollte in Bonn um 14.47 Uhr beginnen. Durch die Verspätung des Zuges wurde es etwas später. Ich kämpfte mich bis zu meinem Abteil durch und nahm auch gleich meinen Sitzplatz in Beschlag. Hier in Bonn war der Zug noch einigermaßen leer. Als wir aber nach Köln kamen, war sogar auf dem Gang kein Platz mehr.
Meine Mitfahrer waren nicht sehr unterhaltsam, sodass ich die Zeit irgendwie totschlagen musste. In Dortmund wechselte die Besatzung in meinem Abteil. Das war regelrecht fatal. Es kam nämlich eine fußballfanatische Familie in mein Abteil, und der Sohnemann kam gerade aus einem Fußballtrainingslager. Es war ganz schön nervig, sich die ganze Zeit das Geschwafel über Fußball anhören zu müssen. Ich war deshalb auch ganz froh, als ich in Hamburg ankam (allerdings mit 16 Minuten Verspätung).
Ich ging gleich zu meinem Zug. Auf dem Bahnsteig sah ich jemanden, der mit einem noch größeren Rucksack unterwegs war als ich. Das war aber noch nicht das Besondere. Was ich toll fand, war, dass er hinten auf dem Rucksack Schneeschuhe befestigt hatte. Ich hätte mich sehr gerne mit ihm unterhalten, hatte aber keine Zeit mehr, da ich zu meinem Zug zurückkehren musste.
Wie es der Zufall so will, war genau dieser Junge in meinem Abteil. Ich machte mich gleich mit ihm bekannt. Er hieß Boris und studiert zurzeit in Aachen. Nun erfuhr ich von ihm, was sein Rucksack wog: Er brachte es auf sage und schreibe 40 kg. Daneben hatte er noch sonstige Ausrüstung, sodass er 50 kg mit sich herumschleppen musste.
In meinem Liegewagenabteil waren aber noch andere nette Leute: ein Historiker, eine Norwegerin, die als Au-pair-Mädchen in Deutschland arbeitet, ein junges Mädchen und eine ältere Dame aus Schweden.
Wir erreichten Puttgarden, als es gerade dunkel geworden war. Während der Überfahrt ging ich mit Boris auf Deck. Boris ist nebenbei noch begeisterter Hochseesegler, und so freute er sich über den tollen Seegang. Ich freute mich weniger darüber, da ich eher überlegen musste, ob mir schlecht wird oder nicht. Dabei hatten wir nicht einmal starken Seegang.
Als wir ins Abteil zurückkamen und der Zug ausgeladen worden war, dauerte es nicht lange, bis die Betten hergerichtet wurden.
Es war mittlerweile schon 23.00 Uhr. Ich dachte zwar, ich wäre kaum müde, aber es dauerte nicht lange, bis mir die Augen zufielen.
Nachtrag: Boris und ich schwärmten uns gegenseitig die ganze Zeit etwas von Norwegen vor. Dazu meinte das norwegische Mädchen schließlich nur, dass die meisten Norweger ihr Land „lang’&’weilig“ finden würden. Es dauerte schon ein bisschen, bis bei mir der Groschen gefallen war.