Urlaub 2 (1989) – Tag 12 – Korsika – GR20 – Wandertag mit wenig Trinkwasser

Von der Prati-Hütte verläuft der GR 20 auf dem Hauptkamm nach Süden. Die Punta della Capella wird westlich in einer Höhe von etwa 2000 Metern umgangen. Über den Col de Rapari (1614 Meter) zum Col de Laparo (1520 Meter): 2 Stunden 30 Minuten von der Prati-Hütte.

Vom Col de Laparo Abstiegsmöglichkeit über die Kapelle Saint-Antoine (1449 Meter) und weiter auf einem befahrbaren Weg zum Forsthaus Saint-Antoine an der D 69. Von hier 6 Kilometer bis Cozzano.

Auf dem Col de Laparo ein relativ junger Buchenwald. Vom Col auf einem uralten Pfad östlich des Hauptkammes in südlicher Richtung. Die Punta Mozza (1831 Meter) wird östlich umgangen, doch gleich danach geht es in Kehren nach Westen zum Col de Punta Mozza (1800 Meter). Anschließend sofort wieder nach Süden dem Gratrücken folgend (teilweise mit Erlen bewachsen) bis zum Col de Brouillard (1950 Meter) vor dem Monte Formicola (1981 Meter). Während der alte, in diesem Bereich kaum erkennbare Weg nach links zu den Bergeries de Bianca abwärts führt, bleibt der GR 20 auf dem Gratrücken, umgeht den kleinen Gipfel des Monte Formicola und führt anschließend abwärts. Der unmittelbare Gratrücken wird bald verlassen, man steigt hinab in südwestlicher Richtung zu einem wenig ausgeprägten Sattel, wo die Selbstversorger-Hütte ‚Usiolu‘ (1750 Meter) liegt.

ACHTUNG:

Zwischen der Prati-Hütte und der Usciolu-Hütte KEINE Quelle, die ständig Wasser spendet, obwohl zwei Quellen an der Ostseite des Hauptkammes auf der Karte eingezeichnet sind. Aus diesem Grunde unbedingt genügend Wasser von der Prati-Hütte mitnehmen!

Abstieg nach Cozzano gelb markiert.

Am Ortseingang von Cozzano wohnt der Hüttenwart der Usiolu-Hütte (wenn keine Änderung eingetreten ist), die ein Privat-Refuge mit Kalt- und Warmwasser eingerichtet hat. Lager für etwa 12 Personen, gutes Essen wird angeboten. Abstieg von der Usciolu-Hütte etwa 2 Stunden.

Schon nach kurzer Zeit des Schlafes wachte ich wieder auf, denn jemand schnarchte fürchterlich. Es ließ mich aber relativ kalt, denn ich hatte meine Ohrstöpsel mit und konnte auf diese Weise dem Lärm entgehen.

Später erwachte ich nochmals, da ich dringend auf die Toilette musste. Ich quälte mich raus vor die Hütte und konnte dort den herrlichsten Nachthimmel bewundern. Leider war es mir zu kalt, um länger draußen zu verweilen. Ich zog es vor, wieder in meinen Schlafsack zu klettern.

Richtig schlafen konnte ich in dieser Nacht nicht mehr. Die Sorge um das Loch im Zahn ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich bildete mir ein, Zahnschmerzen zu haben.

Um 6 Uhr ging mein Wecker. Ich konnte mich aber nicht dazu entschließen aufzustehen. Ich ließ bestimmt 30 Minuten verstreichen und einige Leute aufstehen, ehe ich mich hochquälte.

Durch den wenigen Schlaf war ich gespannt, ob und wie ich die heutige Etappe unserer Wanderung überstehen würde. Nach dem Wanderführer schien es zumindest ein recht einfacher Tag zu werden.

Nachdem ich schließlich aus dem Bett war, begann ich mit dem Packen des Rucksackes. Hunger hatte ich keinen, daher ließ ich das Frühstück ausfallen. Dadurch, dass ich das Aufstehen so lange hinausgezögert hatte und Hans-Jürgen nicht mit dem Packen fertig wurde, war es wohl 8 Uhr 30, bis wir schließlich losliefen.

Ich ließ Hans-Jürgen vorgehen. Ich hatte keine Lust schon um diese Uhrzeit nach Markierungen zu suchen. Da ich nicht mit aufpasste, dauerte es nicht lange und wir standen mitten im Nichts. Es war weit und breit kein Weg mehr zu sehen. Dieses Missgeschick hätte mir hier auch passieren können, denn es gab hier Kühe, die Tausende von Wegen getrampelt hatten, die dem Wanderweg zum Verwechseln ähnlich sahen. Sich bei so etwas zu vertun, ist wirklich keine Kunst. Nach einiger Sucherei fanden wir den Wanderweg wieder.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt geahnt, was mir nun noch bevorstand, ich weiß nicht, ob ich heute überhaupt aufgestanden wäre.

Es fing damit an, dass der Weg sehr schwer zu gehen war (es lag sehr viel Geröll herum, und wir mussten durch felsiges Gelände). Um die Sache noch zu „erleichtern“, kam dichter Nebel auf (Eigentlich waren es „nur“ die Wolken, die versuchten über den Bergrücken zu kommen, über den wir liefen).

Als der Nebel einmal zu dicht wurde, bestand ich darauf kurz zu pausieren und abzuwarten (Wir hatten höchstens noch 15 Meter Sicht). Diese Entscheidung stieß bei Hans-Jürgen auf entschiedenen Widerstand. Ich bestand aber nachdrücklich auf dieser Zwangspause. Hans-Jürgen war deswegen etwas eingeschnappt.

Als das Wetter ETWAS besser geworden war, ging es weiter. Nun folgte ein schwieriges Stück, bei dem wir über ein Geröllfeld mit riesigen Felsblöcken gehen mussten und dort auch etwas klettern durften.

Eigentlich sollten wir heute die herrlichste Aussicht auf das Meer links und rechts haben, doch durch den Nebel konnten wir im besten Fall 50 bis 100 Metern weit sehen.

Die Schinderei durch das miese Gelände dauerte wohl 2 Stunden 30 Minuten. Dann ging es mehr oder weniger flach über einen sehr angenehmen Weg.

Vom „Col de Laparo“ sollte es 400 bis 450 Höhenmeter hinaufgehen. Nach unserer Grafik im Wanderführer sah der Weg recht einfach aus. Als die Steigerei begann, war ich noch guten Mutes, doch als sich der Weg schier endlos steil, in Kehren den Berg hinaufzog, sank meine Moral immer mehr.

Der Weg war so anstrengend, dass Hans-Jürgen und ich ungefähr alle 2 bis 3 Kehren eine Pause zum Verschnaufen einlegen mussten.

Gelegentlich führte der Weg über flache Stücke und ich dachte dann es wäre geschafft, doch tauchte immer wieder der nächste Anstieg aus dem Nebel auf. Was das Laufen nicht erleichterte, war die Tatsache, dass der Weg von Gestrüpp zugewuchert war und man schwer die Markierungen fand.

Ich glaube nach 2 Stunden 30 Minuten. Aufstieg waren wir auf dem „Col de Brouillard“ (1950 Meter), dem höchsten Punkt dieses Tages und dem Ende des Anstieges. Nun konnten wir den Rest des Weges angehen.

Zu allem Überfluss fing es an zu regnen. Meine „Begeisterung“ über den heutigen Tag wuchs von Sekunde zu Sekunde. (Meine Stimmung war aber immerhin noch besser, als die von Hans-Jürgen).

Zwischen 14 und 15 Uhr kamen wir bei der Usciolu-Hütte an. Kurz bevor wir eintrafen, nahm die Sicht so rapide ab und es wurde so dunkel, dass ich die Hütte erst sah, als wir auf eine Entfernung von 15 Meter an sie herangekommen waren.

Da mir kalt war, begann ich sogleich Feuerholz zu machen. Das war nicht einfach, denn das Holz erwies sich als sehr widerstandsfähig. Dazu kam, dass mein Magen sehr knurrte. Er hatte nämlich seit dem Vorabend, außer einer Handvoll Nüsse nichts zu tun bekommen.

Als ich etwas Holz zusammen hatte, ging es daran, etwas Essbares zu machen. Es gab Suppe, die in der üblichen Weise mit Reis verdickt wurde und „Pfannkuchen“ (Die Mixtur für die Pfannkuchen war sehr exotisch: Mehl, Eipulver, Tomatenmarkkonzentrat, Wasser, Salz, Knoblauchgewürz). So ungewöhnlich sich diese Mixtur auch anhört, diese Pfannkuchen schmeckten sehr gut. Das Essen war heute so reichlich bemessen, dass selbst Hans-Jürgen aufgab und wir losen mussten, wer die Reste aß. Im Übrigen brauchten wir das Essen nicht mehr zu rationieren, denn Hans-Jürgen hatte keine Lust mehr weiterzulaufen. Diese Einstellung kam mir sehr entgegen. Ich hätte nach dieser Etappe mindestens einen Ruhetag benötigt, bevor wir weitergegangen wären.

Im Laufe des Nachmittags kamen noch viele andere Leute auf die Usciolu-Hütte. Als erstes kam ein Engländer. Er war sehr nett und ich war froh mal wieder etwas Englisch sprechen zu können.

Später kamen 2 deutsche Jungs aus Richtung Süden. Sie waren die 9-Stunden-Etappe in nur 8 Stunden gegangen. Das war eine beachtliche Leistung.

Etwas später, damit hatte ich nicht mehr gerechnet, kamen die beiden deutschen Frauen (Margita und Ute). Sie waren völlig fertig, denn sie hatten sich im Nebel verloren und Margita hatte gedacht, Ute wäre abgestürzt. Sie waren sehr erleichtert gemeinsam und ohne Schaden hier angekommen zu sein.

Mittlerweile hatten Hans-Jürgen und ich wieder Hunger und wir bereiteten uns die Erbswurst. Sie schmeckte nicht schlecht, nur sah sie verboten aus, wenn man sie so im Topf betrachtet.

Als das Brennholz auszugehen drohte, mussten Hans-Jürgen und ich uns opfern, um nochmals etwas zu machen. Diesmal beteiligten sich die beiden deutschen Jungs (Franz und Manfred).

In der Hütte waren noch zwei Franzosen. Sie waren schon in der Hütte als wir ankamen. Sie machten keinerlei Anstalten, sich beim „Holzmachen“ zu beteiligen.

Obwohl wir dem Holz mit vereinten Kräften zu Leibe rückten, wehrte es sich bis zuletzt.

Der Rest des Abends verlief äußerst ruhig und harmonisch.

Am nächsten Tag wollten Hans-Jürgen und ich mit Ute und Margita ins Tal nach Cozzano absteigen.

Es war 21 Uhr 30, als ich ins Bett ging. Ich schlief sofort ein.