Urlaub 2 (1989) – Tag 13 – Korsika – Cozzano – Ende GR20 und Polizeibesuch

In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein. So gut, wie schon seit langem nicht mehr.

Es war gegen 7 Uhr, als ich aufstand. Ich war einer der letzten, die sich aus den Schlafsäcken wühlten.

Das Wetter draußen schien etwas besser geworden zu sein. Sogleich begann ich mit dem Packen meines Rucksackes. Nach rund 20 Minuten war alles bereit und ich fertig zum Aufbruch.

Die beiden Frauen frühstückten noch. Daher setzte ich mich zu ihnen und begann ebenfalls eine Kleinigkeit zu essen. Etwa 10 Minuten nach mir war auch Hans-Jürgen mit dem Packen fertig. Als das die Frauen sahen, meinten sie, wir könnten ruhig ohne sie losgehen, wir bräuchten nicht auf sie zu warten. Ich meinte darauf, dass es uns nichts ausmachen würde zu warten. Außerdem war mir der Gedanke an einen ruhigen Abstieg (die Frauen waren nicht so schnell) äußerst angenehm.

Es ging auf 8 Uhr 30 zu und die Frauen waren immer noch im Gange mit ihren morgendlichen Vorbereitungen.

Franz und Manfred wollten gerade nach Cozzano aufbrechen. Ich entschloss mich daher nicht mehr auf die Frauen zu warten, sondern mit den beiden Jungs hinunter zu gehen. Franz und Manfred wollten in Cozzano etwas Essen kaufen. Ihre Vorräte waren fast zu Ende.

Nach einer kurzen Verabschiedung von den Frauen und einem kleinen Foto von Manfred, Franz und Hans-Jürgen vor der Hütte ging es los.

Manfred, der vorging, legte ein derartig hohes Tempo vor, dass Hans-Jürgen nach kurzer Zeit meinte es wäre ihm zu schnell. Ich trieb ihn aber etwas an, und so hielten wir mit den beiden mit.

Zuerst ging es etwa 20 bis 50 Höhenmeter auf einen Berg hinauf und dann sollte ein 1000 Höhenmeter langer Abstieg beginnen.

Das hohe Tempo Manfreds steigerte sich beim Abstieg noch, sodass wir die 1000 Höhenmeter in 1 Stunde 30 Minuten bewältigten.

Als wir im Tal ankamen, waren wir alle vier ganz nass. Nicht nur vom Schwitzen, sondern auch von den mannshohen feuchten Sträuchern, die wir durchquert hatten. Es war äußerst unangenehm.

Kurz bevor wir im Ort waren, trafen wir einen älteren Mann, der gerade dabei war Sträucher zu beseitigen. Es war, wie sich später herausstellte, der Hüttenwart der Usciolu-Hütte, der in Cozzano einen Stützpunkt für müde Wanderer unterhielt. Ich machte ihm klar, dass wir nur Essen kaufen wollten und nicht bei ihm nächtigen möchten.

Da wir nicht wussten, wo sich im Ort ein Geschäft befand, befragte ich eine Frau. Von ihr erfuhr ich, dass es einen Lebensmittelladen gab. Wir gingen schnurgerade zu ihm. Hier deckten wir uns mit allem ein, wovon wir die ganze Zeit nur geträumt hatten.

Vom Ladenbesitzer erfuhr ich, dass von Cozzano ein Bus nach Ajaccio fuhr. Die Sache hatte nur einen Nachteil. Der Bus fuhr erst wieder am nächsten Tag und da schon um 6 Uhr 30.

Nach kurzer Überlegung entschlossen sich Hans-Jürgen und ich dazu, eine Nacht in der „Herberge“ zu verbringen.

Nun ergab sich ein neues Problem, wir hatten beide kaum noch französisches Geld. Auch auf dem Postamt am Ort konnte man kein Geld bekommen. Die Frau am „Schalter“ meinte aber, im Nachbarort (Zicavo) könnte man Geld bekommen.

Als erstes gingen wir vier zur Herberge (der Anstieg auf den GR 20 begann bei der Herberge), denn Franz und Manfred mussten auf den GR 20 zurück.

Hier trennten sich unsere Wege. Als erstes gingen Hans-Jürgen und ich die „Herberge“ betrachten. Wie sich herausstellte war die Unterkunft super. Es gab saubere und bequeme Betten. Ferner gab es tolle Toiletten und EINE WARME DUSCHE. Auch die Küche war nicht zu verachten. Wir machten uns schon Sorgen was so eine tolle Unterkunft wohl kosten würde (Es gab nur einen Wermutstropfen, die Franzosen, die auch in der Usciolu-Hütte waren, waren ebenfalls in der „Herberge“ untergebracht und noch dazu in unserem Zimmer).

Nachdem das Zimmer in Beschlag genommen war, ging ich mich duschen. Danach gab es saubere und trockene Kleider und etwas zu essen.

Als wir mit dem Essen fertig waren, wollten wir nach Zicavo um Geld zu organisieren. Ich packte ein paar Kleinigkeiten zusammen und dann gingen wir los.

In einer Kneipe von Cozzano trafen wir Margita und Ute. Wir fragten, was sie tun wollten, sie hatten jedoch keine Vorstellung was sie machen sollten. Ich teilte ihnen unsere Pläne mit und sie meinten daraufhin, sie würden ebenso verfahren.

Wir verabschiedeten uns auf später, da wir weiter nach Zicavo wollten.

Von Cozzano bis Zicavo waren es nur 4 Kilometer, aber selbst die waren zu viel, denn wir erhielten auch dort keinen Pfennig Geld.

Zu allem Überfluss kamen wir auf dem Rückweg in einen dicken Regenschauer, der uns bis auf die Knochen durchnässte. (Nun hatte ich keine trockenen Kleider mehr).

In der „Herberge“ zurück, traf ich Margita, die sich köstlich über mein Aussehen amüsierte. Ich ging meine Sachen wechseln und setzte mich danach zu ihr in die Küche. Wir sprachen etwas und während dieser Unterhaltung erfuhr ich, dass es im Ort eine Polizeistation gab. Das trieb mich zu dem Entschluss, den Diebstahl meiner Sachen doch zu melden. Allerdings wollte ich sagen, dass die Sachen auf einer Hütte gestohlen worden waren. Der ursprüngliche Zeitpunkt lag zu lange zurück.

Als Margita einkaufen gehen wollte, schloss ich mich ihr an, in der Hoffnung, dass sie mit mir zur Polizei kommen würde. Mir war der Gedanke es allein durchstehen zu müssen etwas unangenehm.

Um zum Polizeigebäude zu gelangen war viel Sucherei notwendig. Das Gebäude sahen wir, jedoch fanden wir keine Straße, die zu dem Gebäude führte. Erst nachdem wir eine einheimische Frau bemüht hatten, fanden wir den Weg.

Beim Polizeigebäude angelangt (es war durch einen hohen Zaun abgesichert und das Tor war verschlossen), musste ich erst durch eine Gegensprechanlage um Einlass bitten. Ein Polizist kam aus dem Polizeigebäude und ließ uns durch ein Tor herein. Hinter uns wurde das Tor wieder sorgfältig verschlossen. Auch als es ins Gebäude ging, musste erst aufgeschlossen werden und nachdem wir eingetreten waren, wurde die Tür wieder sorgfältig verschlossen.

Nun war es endlich soweit. Wir standen in der Polizeistube und der Kampf konnte beginnen. Dieser Kampf begann jedoch erst gar nicht, denn dem Polizisten war es zu mühsam alles in Kleinarbeit herauszufinden, was passiert war. Daher hockte er sich an sein Funkgerät und holte einen Kollegen, der Deutsch sprechen konnte. Bis der Kollege kam, dauerte es etwas, aber schließlich ging es los.

Die ganze Befragung dauerte 60 bis 90 Minuten. Ich war erleichtert, als ich es hinter mir hatte.

Zurück in der Herberge merkte ich, dass ich meine Versicherungspapiere bei der Polizei vergessen hatte. Nun konnte ich nochmals zur Polizei laufen. Das nervte mich etwas.

Bei der Polizei wusste man schon, wer nun schon wieder klingelte, denn der Polizist, der mit mir das Protokoll gemacht hatte, kam sofort heraus und überreichte mir das Dokument. Ich bedankte mich und machte mich auf den Rückweg zur Herberge. Ich war gerade 5 Meter gegangen, als ich sah, wie sich ein alter Korse mit 2 großen Gasflaschen abmühte. Ich war nicht faul, griff zu und half ihm etwas. Als ich, nachdem die Flaschen verstaut waren, gehen wollte, hielt er mich zurück und lud mich zu einem Kaffee ein. Ich wollte erst ablehnen, denn ich mag absolut keinen Kaffee, jedoch wollte ich den Mann nicht beleidigen und nahm die Einladung an. Ich trank brav den Kaffee, konnte mich immerhin um einen Schnaps drücken und wurde anschließend in Gnaden entlassen. (Die Unterhaltung war sehr kärglich, denn ich kann weder Französisch noch Italienisch.)

Zur Herberge gehörte ein Lokal. Dort traf ich Margita und Ute, als ich zur Unterkunft gehen wollte. Sie erzählten mir, dass es heute Abend Wildschwein geben sollte und es sollte nur 60 Francs (20 Mark) kosten (für korsische Verhältnisse und angesichts der Tatsache, dass man ein komplettes Menü erhielt war es echt billig). So etwas ließ ich mir nicht zweimal erzählen, ich ging in das Lokal und meldete Hans-Jürgen und mich zum Essen an.

Nun musste ich die Tatsache, dass wir Essen gingen, Hans-Jürgen schonend beibringen. Hans-Jürgen war zuerst schockiert und äußerte seinen Unmut. Was das Witzige war, er ärgerte sich nicht wegen der Tatsache, dass ich ihn nicht gefragt hatte, sondern weil er das Geld nicht ausgeben wollte. Ich schlug ihm vor, ihn wieder abzumelden, das wollte er aber auch nicht und so ging er doch mit.

Um 20 Uhr gingen Hans-Jürgen, Ute, Margita und ich in die Kneipe, denn das Essen sollte beginnen.

Als wir ankamen dauerte es zwar noch, bis das Essen kam, aber wir vertrieben uns mit Plaudern die Zeit.

Das Essen begann damit, dass zwei Tische zusammengestellt wurden, damit die Gäste der Herberge zusammensitzen und essen konnten.

Am Essen nahmen wir vier (Hans-Jürgen, Ute, Margita und ich), ein Schweizer Pärchen und die 2 Franzosen aus der Usciolu-Hütte teil.

Zuerst gab es Weißbrot und Butter. Die Butter genossen wir, denn Hans-Jürgen und ich hatten seit 2 Wochen nichts mehr in der Art gehabt. Anschließend bekamen wir etwas korsische Salami. Sie schmeckte hervorragend.

Danach wurde ein großer Topf Spaghetti aufgetragen. Als die Spaghetti fast alle gegessen waren bekamen wir das Wildschweinfleisch (Bei dem Fleisch handelte es sich nicht um solche Wildschweine, wie wir sie kennen, sondern um Fleisch von den wilden Hausschweinen, die hier auf der Insel herumstreunen.) Ich erwischte bei dem Fleisch wohl das einzige Stück, welches nicht zäh war.

Dem Fleisch folgte etwas Käse und zum Abschluss wurde Obst angeboten. Ich war richtig satt nach dem Essen.

Zum Essen gab es im übrigen Wein. Hans-Jürgen und ich tranken keinen. Das machten sich die Schweizer, Margita und Ute zunutze. Sie tranken um so mehr.

Nach dem Essen sollte der gemütliche Teil des Abends beginnen. Der „Herbergsvater“ und die ganze Familie setzte sich zu uns. Sie brachten Glühwein mit. Der „Herbergsvater“ wollte nun, dass wir ein paar fröhliche Lieder anstimmen. Nur kannte keiner eines. Auf diese Weise war der Abend mehr peinlich als gemütlich.

Gegen 23 Uhr 30 konnten wir uns aufmachen fürs Bett. Auch das Geldproblem löste sich. Wir konnten in Mark bezahlen.

Wir kämpften uns durch das Dunkel zur Herberge und jeder versuchte so schnell wie möglich ins Bett zu kommen.

Am nächsten Morgen wollten und mussten wir nämlich um 5 Uhr aufstehen. Außerdem sollte ich die Frauen wecken, die ganz schön gepichelt hatten und gut abgefüllt waren.

Mit dem Einschlafen hatte ich einige Probleme, aber schließlich gelangte ich doch ins Tal der Träume.