Urlaub 2 (1989) – Tag 11 – Korsika – GR20 – Sehr Sonnig und Sehr Nebelig

Vom Gelände der Bergerie Capannelle dem GR 20 folgend, auf einem guten Pfad zu den Bergeries de Traggette (1520 Meter) Übernachtungsmöglichkeit. Danach absteigend zum Rundweg, der im Bereich des Platzes ‚Riccioli e Capelle‘ (1350 Meter) erreicht wird. Der GR 20 verläuft an einigen Stellen entlang der Straße (D 169) durch den Casso-Wald. Auf die Fortsetzung des Rundweges besonders achten, auf der man in südlicher Richtung das Plateau von Gialgone erreicht. – Gute Biwakmöglichkeiten.

Vom Plateau de Gialgone auf einem guten Pfad in Kehren hinab in das Marmano-Tal. Am Punkt 1390 Meter den Marmano-Bach queren, anschließend in einem spitzen Winkel direkt nach Osten durch einen Wald mit riesigen Tannen (darunter der etwa 55 Meter hohe ‚Sapin Geant de Gialgone‘) zum kleinen Col de la Flasca (1430 Meter). Der Höhenzug trennt hier das Tal von Taravo im Süden und das von Marmano im Norden und gehört zur großen Wasserscheide Korsikas. Vom Pass erst kurz nach Süden, dann in einem Bogen nach Osten zum Col de Verde (1289 Meter). Kurz vor dem Col de Verde gute Biwakmöglichkeiten, vor allem links unter einem großen Stein.

Auf dem Col de Verde: Imbissstube, Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeit. Nur in der Saison geöffnet!

Günstiger Treffpunkt mit einer Versorgungsmannschaft.

Die nächsten Ortschaften: Ghisoni im Norden (17 Kilometer), Cozzano im Süden (18 Kilometer).

Etwa 300 Meter südlich der Passhöhe – kurz nach der Grenze zwischen dem Wald von Marmano und dem von San Pietro di Verde – eine Quelle unterhalb des rechten Straßenrandes: „Fontaine de San Pietro di Verde“.

Vom Col de Verde – ausgezeichnet markiert – nur noch etwa 500 Meter auf der Forststraße entlang, dann Wegweiser ‚Refuge de Prati‘, der gleiche Hinweis auf einem Stein.

Die Route führt erst nach Osten, dann nach Südosten. Nach der ersten Waldgrenze geht es zuerst über ein freies Gelände, dann steil durch einen Buchenwald empor, der bei etwa 1550 Meter aufhört. Bei 1750 Meter wird ein Sattel erreicht, von dem man einen schönen Blick zur Ostküste hat. Anschließend über ein fast ebenes Plateau zur ‚Prati-Hütte‘ (etwa 1820 Meter). Standort, zwischen der Punta del Prato (1954 Meter) und Punta della Capella (2041 Meter).

Ich hatte den Wecker zwar auf 6 Uhr gestellt, hatte aber vergessen, ihn einzuschalten.

In dieser Nacht hatte ich sehr schlecht geschlafen, das half mir, obwohl der Wecker nicht geschellt hatte, schon um 6 Uhr 30 aufzustehen. Ich versuchte so leise wie möglich zu sein, es war aber wohl laut genug, um die Mitbewohner dazu zu veranlassen auch aufzustehen.

Hans-Jürgen und ich frühstückten und packten anschließend unsere Rucksäcke. Etwa um 7 Uhr 15 machten wir uns auf den Weg zur Prati-Hütte.

Der Weg von der Hütte bis zum Platz „Riccioli e Capelle“ war äußerst mühsam. Ich fragte mich, ob das alles so richtig wäre, was ich hier mache. Der Weg war steil und sehr steinig. Das Laufen machte nicht gerade viel Spaß.

Nach diesem anstrengenden Stück wurde der Weg aber so gut, dass ich meine Bedenken (über das Wandern) völlig vergaß. Diesen Weg konnte man als GENUSSSTRECKE bezeichnen, denn man konnte sich entspannen und die Landschaft in vollen Zügen genießen, ohne besonders auf den Weg achten zu müssen. Die einzige Abwechslung auf diesem Wegstück waren die Überquerungen von verschiedenen Bächen. Diese Querungen stellten mich manchmal vor einige Probleme. Was mich verwunderte, war die Tatsache, dass ich mich abmühen musste, um über die Bäche zu kommen, während Hans-Jürgen scheinbar ohne Probleme die Bachläufe überwand.

Nach knapp 3 Stunden Fußmarsch mussten wir den Marmano-Bach überqueren. Hierbei half uns ein umgefallener Baum. Wäre dieser nicht gewesen, so hätten wir erhebliche Probleme bekommen, ihn zu überwinden, denn der Bach war breit und reißend. Da wir 20 Minuten unter der für diesen Wegabschnitt angesetzten Zeit lagen, machten wir Pause, genossen die Sonne und trockneten unsere Kleidung.

Uns sollte nun erst ein kleiner Anstieg und anschließend eine Höhendifferenz von 600 Höhenmetern bevorstehen.

Da der Weg jetzt einfach verlief, konnte mich die bevorstehende Steigung nicht schrecken.

Nach dem „Col de Verde“ (Pass de Verde) stieg es so gemütlich an, dass ich schon dachte: „Wenn das alles ist, hätten wir einen sehr einfachen Tag gehabt.“

Was aber kam, war ein Hammer. Nun ging es sehr steil den Berg hinauf. Ich hatte tierisch zu schnaufen und zu schwitzen. Hier merkte ich, was es hieß, sich wieder und wieder selbst motivieren zu müssen, damit man sich den Rest des Weges noch hinaufquält.

Mir fiel eine Zentnerlast von der Seele, als wir den Sattel erreicht hatten. Aber jetzt beunruhigte mich das Wetter. Es verhielt sich nicht nett. Als wir am Morgen losgegangen waren, hatten wir den tollsten blauen Himmel und nun war der Himmel von dicken schwarzen Wolken bedeckt. Die Wolken, die etwas niedriger waren, quälten sich über den Pass und wir mussten durch sie hindurch laufen. Es war wie im dichtesten Nebel.

Vom Pass ging es über ein Plateau. Schließlich sah ich die Prati-Hütte in einiger Entfernung. Ich war froh, dass der heutige Stress zu Ende sein sollte.

Bei der Hütte angekommen, schaute ich auf meine Stoppuhr und stellte mit Freude fest, dass wir etwas weniger als 7 Stunden für den Weg benötigt hatten. Zog man 60 bis 90 Minuten für Pausen ab, so ergab es eine sehr gute Zeit, die wir heute gelaufen waren. Auf diese Zeit konnte ich schon stolz sein.

Mit uns war ein Franzose eingetroffen. Er sah ebenfalls sehr geschafft aus.

Ich brachte meine Sachen in die Hütte und ging mich anschließend waschen. Es war wie immer eine Überwindung sich mit dem kalten Wasser zu waschen, aber hinterher fühlte ich mich um so wohler.

Nach dem Waschen wurde das Essen bereitet. Es gab Spaghetti mit Tomatensauce. Die Soße hatte ich mit dem Mehl, welches ursprünglich für Pfannkuchen gedacht war, eingedickt. Es schmeckte zwar nicht besonders, ich war aber zumindest satt.

Nach dem Essen merkte ich zu meinem Entsetzen, dass das Loch, welches ich gestern in meinem Backenzahn entdeckt hatte, mittlerweile zu einer halben Grotte geworden war. Bis jetzt habe ich zwar noch keine Schmerzen (höchstens eingebildete), aber im Notfall müssen wir absteigen, um zu einem Zahnarzt zu gehen.

Nachdem ich diesen Schrecken überwunden hatte, beschloss ich, den Abend ruhig anzugehen. Daraus wurde jedoch nicht viel, denn ich wollte sehr gern Feuer in der Hütte haben. Leider hatten irgendwelche Idioten die beiden Sägen zerbrochen, die in der Hütte lagen. Daher mussten wir losziehen und versuchen irgendwie Holz aufzutreiben. Das war verdammt schwer, denn hier gab es keinerlei Bäume. Es blieb uns nichts anderes übrig, als das tote Holz von den Sträuchern, die hier auch nicht gerade reichlich wucherten, einzusammeln.

Während ich allein umherzog um Holz zu finden, ergaben sich die herrlichsten Naturschauspiele. Der Nebel, der Regen, der Wind und die Sonne spielten herrlich miteinander.

Von dem wenigen Holz, welches ich zusammenbekam, entzündeten wir ein kleines Feuer, um wenigstens etwas Wärme in der Bude zu haben.

Hans-Jürgen und ich hatten es uns gerade gemütlich gemacht, als ein Ehepaar (es war aus Deutschland) ankam. Bei ihnen erkundigte ich mich nach dem Weg, der uns erwartete, konnte jedoch nicht viel erfahren, da sie eine andere Strecke, als unsere geplante, gelaufen waren.

Gegen 20 Uhr kamen schließlich die beiden deutschen Frauen. Sie waren fix und fertig. Der steile Anstieg hatte ihnen ebenfalls sehr zugesetzt.

Ich unterhielt mich mit ihnen. Auf diese Weise wurde es 22 Uhr 30, bis ich in die Falle kam. Bevor ich mich hinlegte, beschäftigte mich das Problem, was ich als Kopfkissen nehmen sollte. Nach einigem Überlegen kam ich auf die Idee, den Wassersack zu nehmen. Ich blies ihn auf und hoffte das Beste.

Nachdem ich mich hingelegt hatte, dauerte es eine ganze Zeit, bis ich einschlief.