Norwegen (1988) – Tag 6 – Ramberg – Zeltplatz kaputt aber nettes Angebot

Ich wachte um 9 Uhr auf, und da ich wusste, dass die beiden anderen Langschläfer sind, zog ich mich leise in den Aufenthaltsraum zurück.

Der Aufenthaltsraum war der Raum, in dem sich hier das ganze Leben abspielte. Hier wurde gekocht, gelesen, wurden Postkarten geschrieben oder sich einfach nur entspannt.

Ich machte mir Frühstück und ging dann richtig schön duschen. Als ich die Waschung beendet hatte, drückte ich mich erst etwas im Haus herum und anschließend in Stamsund selber.

Als ich von meinem Rundgang zurückkehrte, fielen die anderen Bewohner der Jugendherberge auch alle langsam aus ihren Betten.

Nun konnte ich mich in aller Ruhe ans Packen meines Rucksacks machen. Es war 10.45 Uhr, als ich damit fertig war. Mein Bus nach Ramberg sollte so um 11 Uhr kommen.

Die anderen waren sich nicht sicher, ob ich den Bus durch Herausstrecken der Hand stoppen konnte, also machte ich mich lieber auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle, die hier nicht gerade reichlich gesät waren.

Mit dem Bus ging es von Stamsund zuerst nach Leknes. Leknes erreichte ich um 11:20 Uhr. Als der Bus am Busbahnhof ankam, kam der Busfahrer zu mir und machte mir verständlich, dass es erst wieder um 12:50 Uhr weitergehen würde. Ich fragte ihn, ob ich so lange meine Sachen im Bus lassen könne. Er meinte ja, und so stieg ich aus. Ich schaute aber schon blöd, als der Bus plötzlich losfuhr. Ich war der Annahme gewesen, dass er jetzt hier in Leknes so lange stehen würde, bis es weiterging. Da lag ich aber wohl falsch. Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend schaute ich mir Leknes an.

Wie sich nach einem kleinen Rundgang herausstellte, gab es, zumindest dem ersten Anschein nach, hier nichts Interessantes. Ich kaufte darum einfach ein paar Postkarten, um schon mal welche zu schreiben. Nach dem Kauf der Postkarten suchte ich die Post auf, um Briefmarken zu kaufen. Danach ging’s zurück zur Bushaltestelle. Dort begann ich dann, die ersten Postkarten zu schreiben.

Mein Bus kam um 12:30 Uhr zur Haltestelle. Ich stieg auch gleich ein. Pünktlich um 12:50 Uhr ging es weiter nach Litleidet, von wo es mit einer Fähre weiterging.

Während der Überfahrt stieg ich, wie alle anderen, aus dem Bus aus. Die Einheimischen gingen unter Deck in die Cafeteria.

Ich zog es aber vor, auf Deck zu gehen, um etwas von der Überfahrt zu sehen.

Der Weg auf das Oberdeck lohnte sich. Das Panorama, das sich mir bot, war umwerfend. Was mir besonders auffiel und gefiel, war, dass ich gar nicht das Gefühl hatte, mich auf 0 Metern zu befinden, sondern irgendwo hoch oben auf einem Gebirgssee. Der Himmel kam mir sehr nah vor. Verstärkt wurde der ganze Eindruck durch die Formation der Berge.

Für die Überfahrt wurden mir nochmals 12 Kr. abgeknöpft, sodass mich die ganze Fahrt nach Ramberg 50 Kronen (etwa 15 DM) kostete.

Nach der Überfahrt begann für mich eine Zitterpartie, denn ich durfte Ramberg nicht verpassen. Ich starrte also die ganze Zeit gespannt aus dem Fenster, was sich ohnehin bei dieser tollen Landschaft voll rentierte.

Als wir Ramberg erreichten, zog auch schon jemand an der Halteschnur. Ich machte gar keinen Aufstand und stieg auch gleich mit aus.

Wie sich nun herausstellte, hätte ich zwar noch rund 1 km weiterfahren können, aber der Ausblick, der sich bot, entschädigte voll und ganz dafür. Vor mir breitete sich Ramberg aus, mit einem schneeweißen Sandstrand, dem tollsten blauen Wasser und im Hintergrund schneebedeckten Bergen. Dazu kam dieses tolle Wetter. Was soll man sich denn noch mehr wünschen?!

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichte ich den Campingplatz. Der Verwalter kam mir gleich entgegen und begrüßte mich sehr herzlich. Ich war der erste Gast in diesem Jahr.

Er meinte, ich könne mein Zelt aufbauen, wo immer ich mag. Das tat ich dann auch.

Von der See wehte ein recht starker Wind, der mir das Aufbauen des Zeltes ganz schön erschwerte. Damit nicht so viel Sand in mein Zelt kam, musste ich die zum Wind zeigende Seite mit Steinen beschweren. Um sicherzugehen, dass das Zelt gut stand, brachte ich zusätzlich die Sturmverspannung an.

Schließlich war alles aufgebaut, und ich konnte mir schon mal ein wenig die Gegend ansehen. Es gefiel mir alles so gut, dass ich beschloss, wenn das Wetter so bleiben sollte, bis Montag hier zu verweilen.

Am Abend machte ich dann einen Fehler. Ich ging nämlich ins Bett. Sonst hätte ich die Mitternachtssonne in ihrer ganzen Pracht gesehen. Ich bemerkte somit nur, so um Mitternacht, dass die Sonne auf mein Zelt schien.

Na ja, Schlafen ist auch wichtig.