Der Bus nach Aurland sollte um 8:30 Uhr fahren, also stand ich kurz nach 7 Uhr auf, sogar noch vor der Zeit, für die ich den Wecker gestellt hatte. Zuerst ging ich duschen (4 Minuten, 5 Kronen, 1,60 DM), danach gab es Frühstück: Rührei mit Speck, eines meiner Brote und Kakao. Als ich fertig war, war es zwanzig nach 8, für das Abwaschen blieb keine Zeit mehr, und ich musste mich sogar sputen, um den Bus zu erwischen.
Im Bus traf ich die beiden Deutschen, die ebenfalls nach Aurland wollten, um von dort auf einen Berg zu steigen. Kurz vor 9 Uhr waren wir in Aurland. Das Erste, was ich fand, war die Post.
Den Arzt zu finden, war nicht so einfach, zumal ich in Norwegen ohne norwegische Sprachkenntnisse auskommen wollte. Ich landete erst einmal in einem Altersheim. Gegen zwanzig nach neun hatte ich die Praxis gefunden, erklärte an der Anmeldung mein Anliegen und musste wie alle anderen warten. Nach einer halben Stunde kam ich dran. Der Arzt konnte etwas Deutsch. Er betrachtete den Fuß und meinte, es sei nur eine Blase. Ich solle sie sauber halten und beim Wandern trocken, dafür solle ich mir Talkum besorgen. Das Gespräch kostete mich 50 Kronen (18 DM).
Ich kaufte das Talkum und wollte noch Geld bei der Post holen. Da fiel mir ein, dass es Geld nur gegen Vorlage eines Personalausweises gibt, und den hatte ich beim Campingplatz hinterlegen müssen. Also nichts mit Geldholen. Ich überlegte kurz und entschloss mich, die 7 Kilometer von Aurland nach Flåm zu Fuß zu gehen, um etwas vom Fjord zu sehen.

In Flåm angekommen, räumte ich mein Zelt auf, wusch das Geschirr und danach die Wäsche von Hand (allerdings mit zweifelhaftem Erfolg). Anschließend legte ich mich in die Sonne, die an diesem Tag ganz herrlich schien.
Um 15 Uhr ging ich einkaufen. Die Deutschen aus dem Nachbarzelt hatten mir von einem Geschäft in Richtung Myrdal erzählt, das ich nach 15 Minuten erreichte. Es gab eine große Auswahl an Lebensmitteln. Ich hatte gehört, dass Lachs billig sein soll, und machte mich auf die Suche. Nach langem Suchen fand ich ihn, aber er war nicht billig, oder doch, für deutsche Verhältnisse, nur wäre es eine Menge Geld auf einmal gewesen. Rund 500 g kosteten 60 Kronen (20 DM). Eigentlich wollte ich noch Milch holen, konnte mich bei der riesigen Auswahl aber nicht entscheiden. Ich hatte vor allem keine Ahnung, welche Sorten das waren. Als ich den Laden verließ, hatte ich dort 90 Kronen (30 DM) gelassen. Mein letztes Geld. Am nächsten Tag musste ich unbedingt neues holen.
Dafür brauchte ich erst meinen Personalausweis. Um 18 Uhr, als die Annahme besetzt war, tauschte ich ihn gegen meinen Jugendherbergsausweis zurück. Dort zeigten mir die Besitzer des Campingplatzes auch einen Wanderweg, bei dem ich 4 Kilometer ohne Weg laufen musste. So etwas freute mich natürlich.
An diesem Abend wurden meine Urlaubspläne wieder einmal über den Haufen geworfen. Ich wollte von Flåm nach Gudvangen, dort etwas bleiben und dann nach Kaupanger oder in einen anderen Ort der Gegend weiterfahren. Aber die Campingplätze dort machen entweder dicht oder sind nur sehr schlecht zu erreichen. Schließlich fand ich einen, der noch bis zum 20.09. geöffnet hat, in Stalheim. Es sieht bisher so aus, als führe ich von Flåm über Aurland mit der Fähre nach Gudvangen und von dort nach Stalheim. Dort würde ich fünf bis sechs Tage bleiben und dann, falls möglich, mit dem Bus nach Voss weiterfahren. Voss liegt an der Bahnstrecke Oslo–Bergen, die ich zurückfahren muss. Nun mal abwarten.
Den Abend ließ ich ruhig ausklingen, denn am nächsten Tag wollte ich meine erste Wanderung machen.




