Norwegen (1987) – Tag 03 – Flåm – Moskito Fuß Verschmerzung

Eigentlich wollte ich um 6 Uhr aufstehen, aber es regnete, also blieb ich liegen. Um 9 Uhr hörte der Regen auf, und ich stand auf, um nachzusehen. Insgeheim hatte ich mich schon entschieden, noch einen Tag zu bleiben. Weil es mit dem Wasser so schlecht aussah, packte ich dann doch nach und nach zusammen. Zwischendurch gab es immer wieder Schauer, ein kleines Abschiedsgeschenk. Ich musste das Zelt nass einpacken, was dem Gesamtgewicht meines Rucksacks (30 Kilogramm) nicht sehr entgegenkam. Um den Zeltplatz zu verlassen, musste ich mich durch dichtes Gehölz zur Straße durchkämpfen. Der Platz war übrigens so gut versteckt, dass ich mein Zelt am Vortag nach einer kleinen Exkursion kaum wiedergefunden hätte.

Ich marschierte los, es regnete, und meine Stimmung war entsprechend. Der Weg nach Flåm ging ganz gut, nur mein linker Fuß schmerzte. Das fand ich nicht so tragisch, schließlich hatten mich dort genug Mücken gestochen. Unterwegs traf ich einen kleinen Amerikaner mit einem riesigen Rucksack, der mich nach dem Weg nach Myrdal fragte. Ich gab ihm Auskunft. Danach ging es mir besser, weil ich mir sagte: Was der kann, kann ich auch, ich meine so marschieren.

Leider drohte mein Rucksack langsam kaputtzugehen. Der Hüftgurt löste sich an den Nähten. Nach einer kurzen Rast an einem Bach war er an einer Seite ganz ab. Ich konnte nichts machen und ging weiter. Kurz nach Berekvam drückte mich der Rucksack so sehr, dass ich eine Pause einlegte, um ihn zu reparieren und nach meinem Fuß zu sehen. Das Nähen war eine Sauarbeit, weil die Nadel kaum durch das Material kam, aber nach einigen Mühen war es geschafft.

Dann schaute ich mir den Fuß an und musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass der betroffene Zeh ringsum mit riesigen Blasen übersät war. Kurzentschlossen sterilisierte ich mein Messer, schnitt die Blasen auf und ließ das Wundwasser ab. Dann ging ich weiter.

Der Fuß wurde nicht besser, und zu allem Überfluss verlor ich auch noch einen Metallring am Rucksack. Er hält einen Stift im Gestell fest, an dem Hüftgurt und Tragegurt befestigt sind. Ich fragte zwei entgegenkommende Wanderer nach der nächsten Jugendherberge und dem nächsten Campingplatz. Sie sagten: in Flåm. Das war mir zu weit zu laufen, deshalb ging ich zur nächsten Bahnstation. Unterwegs fragte ich Einheimische nach einem Arzt und erfuhr, dass der nächste in Aurland praktiziert.

Bis ich an der Bahnstation war, war ich richtig fertig. Der Weg dorthin führte eine Serpentine den Berg hinauf, die es in sich hatte, und besonders frustrierend war, dass sie länger war, als es die Karte zeigte. In Dalsbotn stieg ich in den Zug und fuhr bis Flåm.

Dort steuerte ich gegen 14 Uhr direkt den Campingplatz an. Ich wollte etwa eine Woche bleiben. Der Stellplatz kostete 25 Kronen pro Nacht (ca. 8 DM). Ich baute sofort mein Zelt auf. Neben mir wohnte ein Paar aus Holland, mit dem ich kurz sprach. Sie erzählten mir, im anderen Nachbarzelt wohnten Deutsche.

Kurz nach 15 Uhr ging ich einkaufen. Die Preise schockierten mich aufs Neue, obwohl ich doch wusste, was Lebensmittel in Norwegen kosten. 10 Eier kosteten 17 Kronen (6 DM), eine Packung Orangensaft 9,50 Kronen (3,20 DM) und so weiter. Danach backte ich mein erstes Brot. Es klappte sogar mit dem Campingkocher sehr gut.

Um 18 Uhr kamen die Deutschen, genau die, die ich morgens nach dem Campingplatz gefragt hatte. Ich unterhielt mich mit ihnen bis etwa 20:30 Uhr. Mein Zeh war inzwischen noch dicker geworden und leuchtete in den buntesten Farben, deshalb beschloss ich, am nächsten Tag mit dem Bus nach Aurland zu fahren und zum Arzt zu gehen.

In der Nacht hatten wir 6 bis 7 Grad, und mir war recht kalt. Nachdem ich die Angora-Unterwäsche angezogen hatte, machte mir die Kälte nichts mehr aus, und ich schlief sehr gut.