Norwegen (1987) – Tag 02 – Myrdal – Spannendes Zelten

Um 6 Uhr wachte ich auf und döste zwischendurch immer wieder, bis der Zug in Oslo eintraf. Dort stieg ich in den Zug nach Bergen. Es war ein Zug mit vorgeschriebener Platzreservierung, was ein ziemliches Tohuwabohu auslöste, bis ich einen Platz ergattert hatte. Die meisten Plätze waren reserviert, und anders als in Deutschland war das nicht kenntlich gemacht. Außerdem musste ich 12 Kronen (4 DM) nachzahlen. Hätte ich gesagt, dass ich nur bis Myrdal wollte, hätte es mich möglicherweise nichts gekostet, aber ich hatte nicht geschaltet.

Der Zug war fest in der Hand amerikanischer Touristen. Ich hatte den Eindruck, die Welt besteht nur aus Amerikanern. In Myrdal kam ich mit etwa einer Viertelstunde Verspätung an.

Unterwegs hatte ich beschlossen, an diesem Tag noch ein Stück zu wandern, bis ich einen schönen Platz zum Zelten fand. Das war gar nicht so einfach. Nach etwa 2 Kilometern entdeckte ich einen Platz, der mir sehr gefiel. Um ihn zu erreichen, musste ich den Weg verlassen und mit dem Rucksack durch dichtes Buschwerk den Hang hinunterklettern. Das machte erhebliche Schwierigkeiten.

Der Platz lag, so dachte ich zumindest, schön am Wasser, denn in etwa 5 Metern Entfernung plätscherte ein Fluss. Der Eindruck täuschte: Zwischen ihm und mir lag eine 4 bis 5 Meter hohe, steile Felswand. Da ich seit 30 Stunden kaum geschlafen hatte, blieb ich trotz des Wassermangels. Der Platz gefiel nicht nur mir, auch die Mücken fanden ihn sehr schön, und ich bekam gleich meine ersten Stiche.

Um an Wasser zu kommen, ließ ich mir etwas Besonderes einfallen. Ich band eine Kordel an den größten Topf meines Kochgeschirrs und warf ihn in die Fluten. Das Ergebnis war mäßig, aber ich hatte zumindest Wasser. Weil die Sonne schien, legte ich mich erst einmal hin. Gegen 16 Uhr baute ich mein Zelt auf, machte mir eine Kleinigkeit zu essen und schlief bald ein. Gegen Mitternacht wurde ich das erste Mal wach: Es hatte angefangen zu regnen.