Norwegen (1987) – Tag 01 – Deutschland nach Dänemark

Um 6:15 Uhr stand ich auf und ging zur Eisenbahn. Um 7:09 Uhr ging es endlich los, nachdem ich fast ein halbes Jahr auf diesen Tag hingearbeitet und gefiebert hatte.

Von Birkelbach fuhr ich nach Kreuztal. Dort sah ich zum ersten Mal ein Pärchen, das ebenfalls mit Rucksack unterwegs war. Wir fuhren beide weiter nach Münster, wo wir uns wiedersahen und kurz miteinander sprachen. Eigentlich wollte ich dort den Inter-City (IC) nehmen, kurz vorher fuhr aber ein D-Zug, in den ich stieg. Die beiden nahmen den IC. Wie sich unterwegs herausstellte, war es ein Zug, der ausschließlich dafür eingesetzt wurde, Soldaten in ihre Standorte zu bringen. Andere Fahrgäste durften ihn aber benutzen. Nach etwa zwei Stunden erreichte ich Hamburg.

Schon während der Fahrt hatte ich gemerkt, dass ich noch Passbilder für meinen Jugendherbergsausweis brauchte. Also ließ ich mich in Hamburg kurz von einem Fotoautomaten knipsen (schreckliche Bilder). Als ich in den Zug nach Kopenhagen einstieg, traf ich die beiden aus Kreuztal wieder. Sie hatten denselben Weg wie ich, was mir ganz recht war, denn jetzt stand eine fast fünfstündige Fahrt bevor.

Der Zug fuhr bis Puttgarden und wurde dort eingeschifft. Es folgte eine einstündige Überfahrt bei herrlichstem Wetter. Um 19:09 Uhr erreichte ich Kopenhagen, wo ich zwei Stunden Aufenthalt hatte.

Bis ich meinen Rucksack im Bahnhof deponiert hatte, war ich mit den Nerven fertig. Zuerst musste ich die Schließfächer finden, dann herausfinden, was ein Fach kostet. Nach einigem Suchen war ich überzeugt, dass es 10 Kronen (2,50 DM) kostet. Ich kaufte eine Schließfachmarke, nahm Schlafsack, Zelt und Isomatte vom Rucksack ab und packte ihn ins Fach. Dann merkte ich, dass eine Münze fehlte. Ich hatte aber kein passendes Kleingeld. Den Rucksack wieder herausnehmen und alles neu zusammenbauen wollte ich nicht. Also suchte ich mir einen Verkaufsstand in der Nähe, von dem aus ich das Fach im Blick behielt, rannte hin, wechselte das Geld und kaufte die zusätzliche Münze, um das Fach endlich abschließen zu können.

Das musste alles sehr schnell gehen, denn im Kopenhagener Bahnhof laufen „Penner“ herum und durchsuchen die Schließfächer nach vergessenen Sachen. Danach schaute ich mir die Stadt kurz an. Im Grunde ist sie sehr schön, nur die Leute, die dort herumliefen, gefielen mir nicht. Sie grölten herum und hatten ihre Bierflaschen dabei.

Ich hatte Hunger und aß trotz der Wahnsinnspreise etwas. Ich entschied mich für einen Hotdog, weil er das Preiswerteste war, was ich fand: 10 Kronen (2,50 DM). Zu meiner großen Freude bekam ich ein feuerrotes Würstchen, und das Brötchen war so riesig, dass die Wurst kaum hineinpasste. Für das restliche Geld kaufte ich ein paar Kleinigkeiten im Bahnhofskaufhaus.

Um 21:21 Uhr fuhr der Zug nach Oslo. In der Nacht konnte ich davon ausgehen, dass jedes Mal, wenn ich eingeschlafen war, ein Schaffner, eine Passkontrolle oder sonst jemand kam und mich weckte.