Urlaub 2 (1989) – Tag 27 – Frankreich – Sankt Moritz – Colmar – Ort meiner letzten Klassenfahrt

Das erste Mal piepste mein Wecker um 2 Uhr 50. Zum zweiten Mal um 3 Uhr. Da die Zeit knapp berechnet war, stand ich gleich auf und begann mit dem Packen.

Als ich aus dem Zelt stieg, befühlte ich es gleich und stellte mit Freude fest, dass es trocken war. In den letzten Nächten war das Zelt nämlich immer nass geworden.

Nachdem der Rucksack gepackt war, ging ich daran das Zelt abzubauen. Zu meiner Freude klappte es gut. Nach 10 Minuten war es abgebaut und nach weiteren 10 Minuten weggepackt.

Ich war froh als alles verstaut war. Ich stellte mit Befriedigung fest, dass ich gut in der Zeit lag.

Nun dachte ich etwas genauer über meine Zeitplanung nach und ich stellte zu meinem Missvergnügen fest, dass ich mich bei meiner Zeitplanung verrechnet hatte. Im Augenblick war es 4 Uhr und mein Zug sollte um 5 Uhr 50 fahren. Vom Zeltplatz bis zum Bahnhof bräuchte ich rund 45 Minuten. Demnach wäre ich rund 1 Stunde zu früh beim Bahnhof. Ich hätte erst um 4 Uhr aufzustehen brauchen, um meine morgendlichen Aktivitäten in „Ruhe“ durchführen zu können. (So ein Mist)

Hier herumzuhängen hatte keinen Sinn, daher machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof.

Nach etwa 50 Minuten war ich dort. Zu meinem Bedauern merkte ich, dass der Bahnhof noch verschlossen war. Ich setzte mich daher auf eine Bank beim Bahnsteig und versuchte etwas zu ruhen. Es klappte jedoch nicht, deshalb machte ich mich über mein Essen her und frühstückte in Ruhe. Anschließend las ich. Auf diese Weise verging die Zeit recht schnell.

Es war 5 Uhr 30, als es auf dem Bahnsteig etwas lebhafter wurde. Um diese Zeit wurde auch die Bahnhofshalle geöffnet.

Mir war recht kalt, deshalb ging ich mich im Bahnhof aufwärmen. Kurz bevor der Zug abfuhr, stieg ich ein. Genau um 5 Uhr 50 ging es los.

In Chur musste ich umsteigen. Kurz bevor ich in Basel ankam, lernte ich 2 Finninnen kennen. Es war nett mit ihnen zu plaudern.

Im selben Abteil sah ich auch einen Jungen mit großem Gepäck sitzen. An seiner Ausrüstung hatte ich erkannt, dass er Deutscher war.

Mit einer Verspätung von 10 Minuten kamen wir in Basel an. Das war für mich schlecht, denn ich hätte 6 Minuten zum Umsteigen gehabt, um weiter nach Colmar zu fahren.

Aus dem Vorhaben direkt weiterfahren zu können wurde nun nichts. Ich erkundigte mich nach dem nächsten Zug.

Jetzt war es 11 Uhr 15 und der nächste Zug sollte um 12 Uhr 6 fahren. Nun hieß es etwas warten. Ich ging in den französischen Bahnhof von Basel (Der französische und Schweizer Bahnhof befanden sich in ein und dem selben Gebäude.).

Dort traf ich den deutschen Jungen (aus dem Zug, mit dem ich in Basel eingetroffen war) wieder. Mit ihm ergab sich eine nette Unterhaltung. Er war auf dem Weg nach Hause und wir konnten bis Colmar gemeinsam fahren.

Etwa 15 Minuten bevor der Zug abfuhr, konnten wir durch den Zoll gehen. Ich zeigte meinen Personalausweis, den der Beamte nicht besonders begutachtete und machte mich auf den Weg zum Bahnsteig.

Den eigentlichen Bahnsteig, auf dem die Züge standen, durften wir aber erst kurz vor der Abfahrt des Zuges betreten. Bis dahin war der Bahnsteig durch ein Metallgitter versperrt.

Schließlich konnten wir einsteigen und die Fahrt begann. Nach 20 Minuten Fahrt hieß es in Mulhouse umsteigen. Wir brauchten bei diesem Manöver nur von der einen Seite des Bahnsteiges zur anderen zu gehen und einzusteigen.

Die Fahrt ging mit einer Art S-Bahn weiter. Der Zug war sehr voll. Es dauerte eine Weile, bis wir freie Sitzplätze fanden.

Nun standen mir noch 20 Minuten Zugfahrt bis Colmar bevor.

Während der Fahrt passierte etwas Außergewöhnliches. Der Zug blieb mitten auf der Strecke stehen und machte keine Anstalten weiterzufahren. Dieser Halt verwirrte selbst den Schaffner. Er stieg aus um nachzusehen was los sei. Als er zurückkam erzählte er etwas von einer Blockierung der Strecke, jedoch Genaueres war nicht zu erfahren. Es dauerte 20 bis 25 Minuten, bis die Fahrt weiterging. Von der Stelle, an der wir gestanden hatten, bis nach Colmar waren es nur noch 5 Minuten gewesen.

Ich verabschiedete mich von dem Jungen und stieg aus.

Vor ein paar Jahren war ich, im Rahmen einer Klassenfahrt, schon mal hier gewesen. Daher meinte ich zu wissen, wo die Jugendherberge sei.

Ich ging aus dem Bahnhof und erkannte sogar einiges wieder. Sofort marschierte ich los.

Nachdem ich etwa 20 Minuten gelaufen war, zog ich es vor, Leute nach dem Weg zu fragen. Zu meiner Freude war ich auf dem richtigen Weg. Mich wunderte bei meiner Lauferei nur, dass nirgends ein Hinweisschild stand.

Schließlich kam ich bei der Herberge an und wurde dort von einer Horde Kinder in Empfang genommen. Sie machten mir klar, dass hier nur Kinder untergebracht seien.

Eine Frau, die herbeigerufen wurde, um mir zu helfen, erwies sich als keine große Hilfe, denn sie sprach weder Englisch noch Deutsch.

Schließlich kam ein Mann und erzählte mir, was ich schon wusste und wie ich zur anderen Herberge käme. Leider muss ich gestehen, dass ich sein Englisch kaum verstand.

Ich ging mit einer ungefähren Vorstellung über den Weg los, in der Hoffnung die Herberge zu finden. Nach ein paar Metern stand ich völlig verwirrt herum und wusste nicht wohin. Auch Fragen an Passanten halfen nicht weiter. Sie wollten mich immer zu der Herberge schicken, von der ich gerade kam. Schließlich ging ich zurück zum Bahnhof.

Dort blickte ich auf einen Stadtplan, um herauszufinden, wo die Touristeninformation war. Jetzt ging es vom Bahnhof in Richtung Altstadt, denn in ihr sollte die Information sein.

Ich besaß kein französisches Geld, daher ging ich in eine Bank und wechselte die Schweizer Franken, die ich noch besaß. Der Wechselkurs, mit dem abgerechnet wurde, war meiner Meinung nach sehr gut.

Von der Bank war es nur noch ein Sprung bis zur Touristeninformation. Hier holte ich mir einen Stadtplan und die Auskunft über die Jugendherberge.

Bis ich bei der Herberge war, war noch ein Weg von rund 15 bis 20 Minuten zurückzulegen. Ich war erleichtert, als ich gegen 15 Uhr ankam.

Ich ärgerte mich aber gleich wieder, als ich feststellte, dass ich erst um 17 Uhr eingelassen würde.

Der Hunger nagte mittlerweile an mir, deshalb hockte ich mich auf eine Bank vor der Herberge und kramte mein Essen hervor.

Ich hatte gerade angefangen zu essen, als ein Wagen mit deutschem Kennzeichen auf den Platz vor der Herberge fuhr. Ihm entstieg ein Junge. Er kam auf mich zu und wir unterhielten uns. Ich lud ihn zum Essen ein. Erfreut nahm er die Einladung an.

Nach dem Essen (15 Uhr 30) entschlossen wir uns nach Colmar hineinzugehen und ein paar Kleinigkeiten zum Essen einzukaufen.

In der Stadt angelangt, fanden wir sofort einen großen Laden. Hier deckten wir uns mit Essen ein. (Ich holte hauptsächlich Getränke.)

Auf dem Rückweg zur Herberge kamen wir an dem Museum vorbei, in dem der Isenheimer-Altar stand. Wir ließen es uns nicht nehmen hier hinein zu gehen. Die meisten Abteilungen im Museum schenkten wir uns, denn uns interessierte besonders der Altar.

Vor ein paar Jahren hatte dieser Altar schon einmal einen großen Eindruck auf mich gemacht, auch dieses Mal übte er eine große Ausstrahlungskraft auf mich aus.

Dieser Altar ist in solch einmaligen Farben gemalt und die Bilder wurden in einer so ausdrucksstarken Form gestaltet, dass man sich der Ausstrahlung dieses Altars nicht entziehen kann. Leider waren zu viele Leute in diesem Raum und wir hatten auch nicht die Zeit um ihn richtig zu genießen.

Als wir das Museum verließen, erwarb ich ein paar Postkarten, um eine Erinnerung an den Altar zu haben.

Die Herberge erreichten wir kurz nach 17 Uhr. Mit der Anmeldung für die Nacht gab es keine Probleme. Ich wurde einfach unter dem Familiennamen des Deutschen in der Herberge aufgenommen.

Nach der Anmeldung nahmen wir das Zimmer in Augenschein. Die Herberge war eine alte Schule. Da die Schlafräume die ehemaligen Klassenzimmer waren, fielen sie entsprechend groß aus. In meinem Raum waren 7 Stockbetten untergebracht, somit konnten 14 Leute untergebracht werden. Zum Glück waren wir nicht so viele.

Zuerst unterhielt ich mich mit einem Australier, danach ging ich duschen. Auch wenn der ganze Laden sehr heruntergekommen aussah, die Duschen waren toll. Man erhielt richtig heißes Wasser und das ist schon etwas besonderes für eine Jugendherberge.

Nach dem Duschen sprach ich mit einem Deutschen, der mit dem Rad unterwegs war und später wieder mit dem Australier.

Gegen 19 Uhr 30 ging ich mit dem Deutschen, mit dem ich durch Colmar gegangen war, in den Aufenthaltsraum. Hier aßen wir.

Im Aufenthaltsraum gab es einen Fernseher. Eigentlich wollten wir nicht in die Glotze sehen, als wir aber herausbekamen, dass es deutsche Programme gab und eine Reportage mit Rüdiger Nehberg kam, schauten wir uns diese Reportage an. Diese Maßnahme gefiel den Franzosen nicht.

Danach ging der Deutsche ins Bett. Ich unterhielt mich noch mit dem Australier. Es wurde dadurch 23 Uhr 30, bis ich mich schließlich hinlegte.

Nach dem heutigen Stress schlief ich schnell ein.