Urlaub 2 (1989) – Tag 28 – Deutschland – Bonn – Viele Orte mit Zug zurück nach Hause

Für diesen Morgen war meine Zeit ganz genau berechnet. Ich hatte mir viel Mühe bei der Berechnung gegeben, damit mir nicht nochmal so ein Missgeschick wie in Sankt Moritz passierte.

Eigentlich wollte ich um 6 Uhr aufstehen. Da die Duschen jedoch erst um 6 Uhr 30 geöffnet wurden, stand ich erst um diese Zeit auf.

Als ich mit dem Duschen fertig war und meine Sachen aus dem Schlafraum geschafft hatte, war es kurz vor 7 Uhr. Beim Packen des Rucksackes (im Schlafraum) fiel mir ein, dass es günstig wäre, wenn ich das versteckte Geld hervorholen würde, denn ich könnte es heute bestimmt gut gebrauchen, wenn ich zurück nach Deutschland komme.

Kurz nach 7 Uhr ging ich zum Frühstück. Es gab ein typisch französisches Frühstück. Begeisterungsschreie entlockte es mir nicht.

Es war kurz vor 7 Uhr 30, als ich losmarschierte. Es wurde auch höchste Zeit, wollte ich rechtzeitig beim Bahnhof sein.

Um 7 Uhr 50 kam ich beim Bahnhof an. Hier fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte das deutsche Geld zwar aus seinem Versteck genommen, es aber nicht in meinen Geldbeutel getan. Stattdessen hatte ich das Geld auf meinem Bett liegengelassen.

Zuerst sagte ich mir, es wäre wichtiger den Zug zu bekommen, da ich zu Hause erwartet wurde. Ich ärgerte mich aber so sehr über den Verlust (es waren schließlich 100 Mark), dass ich schnell meine Heimfahrt umplante, meinen Rucksack in einem Schließfach verstaute und mich auf den Weg zurück zur Herberge machte.

Zu meiner großen Freude lag das Geld noch an der Stelle, auf der ich es zurückgelassen hatte.

In der Herberge traf ich den Australier nochmal. Er fragte, wann ich jetzt abfahren würde. Da ich erst um 9 Uhr 10 weiterfahren wollte (jetzt war es etwa 8 Uhr 10), meinte er, er würde mit mir fahren.

Er packte seine Sachen und gegen 8 Uhr 40 machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Bahnhof, den wir um 9 Uhr erreichten.

Unser Zug kam mit etwas Verspätung.

In Straßburg sollte ich 4 Stunden Aufenthalt haben, bevor es weiter nach Luxemburg ging. Michael, der Australier, wusste nicht, was er machen und wohin er fahren sollte. Wir entschlossen uns, dass wir zuerst gemeinsam die Stadt erkunden und er dann mit nach Bonn käme. Diese Vorstellung war mir recht angenehm.

Bevor wir in die Stadt gingen suchten wir Schließfächer für die Rucksäcke. Als wir sie schließlich fanden, war sogar ein genügend großes Schließfach frei, in das wir unsere Rucksäcke gemeinsam bekamen.

Anschließend gingen wir ins Fremdenverkehrsamt und deckten uns mit Informationsmaterial über Straßburg ein. Danach gingen wir nochmals in den Bahnhof, denn ich musste noch eine Fahrkarte für die Fahrt innerhalb von Deutschland kaufen.

Als die Karte erworben war, konnten wir in die Stadt gehen. Wir gingen gemütlich durch Straßburg bis zum Münster. Hier waren eine ganze Menge Leute unterwegs. Zuerst drehten wir eine Runde durch das Münster. Wären nicht sooo viele Leute im Münster gewesen, hätte es mir besser gefallen. Durch die Leute war es sehr unruhig und ungemütlich.

Als wir wieder hinaus wollten, stand eine riesige Menschentraube vor dem Ausgang, sodass es bestimmt 5 bis 10 Minuten gedauert hätte, bis wir hinausgekommen wären. Kurzentschlossen nahm ich den Eingang zum Hinausgehen, da hier keine Menschen waren.

Nun kletterten wir auf den Turm vom Münster. Da das etwas kostete, waren hier kaum noch Leute. Wir kämpften uns die rund 400 Stufen hinauf. Gelegentlich bekam ich einen kleinen Drehwurm. Michael war ganz schön außer Atem, als wir oben angekommen waren.

Heute hatten wir eine relativ gute Sicht. Michael konnte die Höhe nicht so ab. Ich vertrug es aber auch nur, weil es ein schönes hohes Geländer gab.

Hier oben gab es ein paar Tische und Bänke. Wir setzten uns und begannen zu essen. Es war nett in solch luftiger Höhe zu speisen. Ein Junge schüttelte, als er uns hier oben essen sah, den Kopf. Für ihn war es unbegreiflich, wie man hier etwas essen konnte. Ihm war nämlich schlecht.

Irgendwann ist auch der schönste Aufenthalt beendet und so machten wir uns nach dem Essen auf den Weg zum Fuß des Münsters. Wir gingen recht schnell hinunter. Hätte ich mich nicht am Geländer festgehalten, weiß ich nicht, ob ich heil hinuntergekommen wäre, so drehte sich mir alles im Kopf. Nach ein paar Minuten waren wir glücklich unten.

Vom Münster machten wir uns auf den Weg zur Orangerie (einem Park). Wir machten es uns einfach um dort hinzugelangen. Wir folgten dem Kanal, der die „Altstadt“ umschloss und der später in einen Flusslauf überging. Auf diese Weise kamen wir ohne Probleme in 30 Minuten beim Park an.

Beim Park befand sich das Gebäude des Europarates. Ich erkannte es sofort wieder, obwohl es schon ein paar Jahre her war, als ich es das letzte Mal gesehen hatte. Hässlich genug war der Bau für eine einprägsame Erinnerung.

Im Park legten wir uns in der Nähe eines Sees auf die Wiese und genossen die Sonne. Ich döste vor mich hin, während Michael einen Brief schrieb.

Unser Aufenthalt dauerte nicht allzu lange, denn wir mussten zurück zum Bahnhof und das war ein schönes Stück Fußweg.

Wir gingen quer durch die Stadt. Schließlich überquerten wir den Kanal, der die „Altstadt“ umschloss. Hier sahen wir, dass am Fluss viele Leute saßen und angelten. Ich war der Überzeugung, dass man hier bestimmt nichts fangen würde. Im Augenblick, als ich das dachte, zog einer der Angler einen Fisch aus dem Wasser. Wie langsam dieser den Fisch von der Angel befreite und wie er es (Er schnitt den Haken einfach aus dem Maul) tat, empfand ich als Tierquälerei.

Von hier ging es durch die Altstadt. Am Ende kamen wir bei dem Stadtteil „Petite France“ heraus. Ich fand den Widerspruch zwischen diesen und den übrigen Häusern Straßburgs beeindruckend. Hier waren die Häuser alle in einem „ländlichen“ Stil gebaut.

Als ich auf meine Uhr schaute, musste ich feststellen, dass es schon sehr spät war. Wir mussten uns sputen, um den Zug noch zu erreichen. Wir hielten uns deshalb nicht auf, sondern gingen auf dem kürzesten Weg zum Bahnhof.

Dort angelangt, holten wir das Gepäck aus den Schließfächern. Nun rannten wir zum Bahnsteig, denn 2 Minuten später sollte unser Zug nach Luxemburg abfahren. Natürlich hatte der Zug Verspätung (etwa 15 Minuten). Die ganze Hetzerei war umsonst gewesen.

Die Fahrt nach Luxemburg verbrachten wir mit lesen und schlafen. In Luxemburg hatten wir 45 Minuten Aufenthalt. Wir gingen in den Bahnhof. Hier saßen eine Menge Reisende herum. Michael und ich hockten uns auch in die Bahnhofshalle und aßen eine Kleinigkeit. Ich hatte noch reichlich Käse aus Sardinien und der Schweiz und Brot aus Colmar. Bei der Esserei verging die Zeit schnell.

Während der Zeit im Bahnhof und der anschließenden Fahrt, hatte ich ganz schön was auszustehen, denn seit wir in Luxemburg waren, meldete sich mein Heuschnupfen. Es war so schlimm, dass ich aus dem Niesen nicht mehr herauskam.

In Koblenz kaufte ich ein paar Zeitschriften. Zur Zeitüberbrückung setzten wir uns vor den Bahnhof in die Sonne. Wir hatten uns, um Geld zu sparen (ein Intercity hätte uns 6 Mark gekostet) dafür entschieden, einen Nahverkehrszug zu nehmen, daher hatten wir 50 Minuten Aufenthalt.

Auf dem Bahnhofsgelände trieben sich eine Menge Penner und sonstige Leute herum. Ich fühlte mich in dieser Umgebung nicht sehr wohl.

Um 21 Uhr 30 waren wir endlich in Bonn. Michael wollte etwas warmes zu Essen im Bauch haben. Aus diesem Grunde gingen wir noch schnell in ein Fastfood-Asienlokal und gönnten uns eine Kleinigkeit.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zu meiner Wohnung.

Sabine händigte mir meine Schlüssel aus und wir konnten meine Bude in Beschlag nehmen.

Obwohl der Tag anstrengend war, und es jetzt schon 22 Uhr 30 war, vergingen noch ein paar Stunden bis wir uns hinlegten. Die Zeit verbrachten wir mit Reden und spielen am Computer.

Um 0 Uhr 30 waren wir aber reif für die Falle. Ich schlief sofort ein.