Urlaub 2 (1989) – Tag 26 – Schweiz – Sankt Moritz – Sorge im Schnee wandern

Ich hatte mich dazu entschlossen, eine etwas größere Wandertour zu unternehmen, dennoch wurde es 9 Uhr, bis ich mich überwand, aufzustehen.

Zuerst hieß es, sich waschen. Anschließend bereitete ich mir die reinste Kalorienbombe zum Frühstück.

Ich nahm Quark (den aus dem „Fresspaket“), dann kam Milch, Babybrei und Haferflocken hinzu. Geschmacklich riss es mich nicht vom Stuhl, aber es sollte viel Energie liefern. Anschließend aß ich etwas, was mir schmeckte.

Es war 9 Uhr 45, als ich mich auf den Weg machte. Ich ging vom Zeltplatz nach Champfer. An der Post von Champfer, bei der ich am Vortag telefoniert hatte, sah ich, dass es 10 Uhr 30 war. Von Champfer folgte ich einem Fußpfad, der mich schnell von 1825 Meter auf 1995 Meter brachte.

Der Pfad ging in einen Weg über, der fast einer Straße glich.

Während ich immer mehr an Höhe gewann, betrachtete ich die tollen Blumen am Wegrand und das Panorama der Berge. Die bizarren Gebilde der Berge beeindruckten mich sehr. Je höher ich vorstieß, um so mehr Schnee gab es. Ich überlegte schon, ob es gut und sinnvoll wäre, im Schnee weiterzulaufen.

Auf etwa 2450 Meter war kein Weg mehr zu sehen, sondern es war nur noch Schnee um mich.

Kurz unterhalb des Suvretta-Sees stieß ich auf eine Hütte vom örtlichen Skiverein. Hier setzte ich mich zum ersten Mal hin, um mich etwas zu entspannen und um wieder zu Atem zu kommen. Mittlerweile war es 11 Uhr 45.

Nach kurzer Rast ging es weiter bergan. Zum Glück war der Schnee fest und es war zu Beginn eine wahre Freude über den Schnee zu laufen, auch wenn es anstrengte.

Den Suvretta-See (2600 Meter) konnte ich nur erahnen, denn er war noch zugefroren und zugeschneit. Um den See machte ich einen weiträumigen Bogen. Ich hatte nämlich keine Lust eventuell einzubrechen. Vom Suvretta-See sollte der Weg dem im Suvrettatal verlaufenden Bach folgen, doch dort war der Schnee zu weich und es sah so aus, als gäbe es dort etliche kleinere Seen. Deshalb hielt ich mich am Westhang des Tales etwa 40 Meter oberhalb des Bachlaufes.

Auch wenn der Schnee hier fester war, blieb es nicht aus, dass ich gelegentlich einbrach. Wenn ich nur bis zur Wade wegsackte, ging es noch. Manchmal quälte ich mich aber auch weiter, wenn ich hüfttief in den Schnee einsank. Zum Glück waren dies nur Ausnahmen. Ich war schön am Schnaufen. Regelmäßig musste ich Erholungspausen einlegen.

Hörte ich durch den Schnee das Plätschern eines Baches, so war es vorprogrammiert, dass ich einbrach. Wenn ich mal wieder bis zur Hüfte im Schnee steckte, überlegte ich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, hier entlang zu gehen. Zumindest machte es mir trotz der hohen Anstrengung Spaß.

An den Stellen, an denen Lawinen abgegangen waren, konnte ich am besten gehen. Hier war der Schnee meist schön fest.

Ich schaute schon etwas verwundert, als ich einmal eine kleine Spinne über den Schnee laufen sah. Ich hätte nie mit solch einem Tier im Schnee gerechnet.

Je näher ich dem Talende zustrebte, um so schlechter wurde der Schnee (Es wurde aber auch weniger). Es blieb mir nichts anderes übrig, als hinunter zum Bach zu gehen und dort zu sehen, wie ich weiterkäme. Gelegentlich konnte ich schon den Weg erkennen.

Kurz bevor das Tal im Nächsten endete, musste ich den Bach durchqueren. Er führte so viel Wasser, dass nicht daran zu denken war von Stein zu Stein zu hüpfen. Ich lief daher einfach hindurch. Meine Schuhe waren ohnehin vom Laufen durch den Schnee völlig durchnässt.

Auf dem weiteren Weg, bis zur Alp Suvretta, sah ich ein Murmeltier. Es beobachtete mich aufmerksam. Als ich ihm zu nahe kam, verschwand es in seinem Bau.

Bis zur Alp ging es steil hinunter und ich war froh, dass es hier fast keinen Schnee mehr gab und ich dem Weg folgen konnte.

Die Alp (2145 Meter) erreichte ich gegen 13 Uhr. Hier stellte ich anhand meiner Karte fest, dass ich fast 5 Kilometer durch den Schnee gelaufen war.

Von der Alp führte eine Straße (nur für geländegängige Fahrzeuge) in die Richtung, in die ich zu gehen hatte.

Bevor ich jedoch weiterging, aß ich die beiden Brötchen, die ich mit hatte. Ferner leerte ich meine Flasche, die mit Milch und Multivitaminsaft gefüllt war. Diese Mixtur schmeckte scheußlich.

Nach einer Rast von 10 bis 15 Minuten ging es weiter.

Aus der Karte wusste ich, dass in rund 1 Kilometer Entfernung ein Bach zu überqueren war. Als ich zu der entsprechenden Stelle kam, war zu meiner „Freude“ die Brücke nicht mehr vorhanden. Es lagen aber schon ein paar Säcke mit Zement herum. Mir nutzte das nur recht wenig.

Ich suchte mir eine etwas breitere Stelle des Baches und tastete mich vorsichtig hindurch. Das einzige was mir etwas Sorge bereitete, war die Angst, dass ich hinfalle und die Kamera nass würde.

Nach der Bachdurchquerung brauchte ich nur der Straße zu folgen. Der Weg war sehr gut zu laufen. Um 13 Uhr 45 war ich in Spinas. Von hier gab es eine Eisenbahnverbindung nach Sankt Moritz und das wollte ich mir zu Nutze machen.

Beim Bahnhof stellte ich fest, dass ich einen Zug um 20 Minuten verpasst hatte und der nächste erst gegen 17 Uhr fahren sollte. Das passte überhaupt nicht in mein Konzept. Ich musste nämlich mein Messer, welches ich zum Gravieren weggegeben hatte, im Geschäft abholen. Auch der Zeltplatz musste noch bezahlt werden.

Erstmal setzte ich mich in die ortsansässige Gaststätte und bestellte eine Cola und ein Mineralwasser.

Von der Bedienung erfuhr ich, dass es von Bever (dem nächsten Ort) bessere Möglichkeiten gäbe wegzukommen. Von Spinas nach Bever waren es nochmals 4 bis 5 Kilometer. Auf die kam es mir auch nicht mehr an. Ich trank in Ruhe aus und machte mich schließlich auf den Weg.

Gerade als ich losging, fuhr ein Mädchen mit ihrem Sulky los. Im Grunde hatte das keine große Bedeutung, doch ich versuchte hinter dem Sulky (er war etwa 30 Meter vor mir) herzugehen. Obwohl das Pferd nur im Schritt ging, war es sehr schnell und somit ich auch. Nach kurzer Zeit merkte das Mädchen, dass ich hinter ihr ging. Jedes Mal, wenn ich ihr zu nahe kam, hielt sie das Pferd an etwas schneller zu werden. Auf diese Weise kam ich sehr schnell vorwärts. (Diese „Verfolgungsjagd“ wurde zu einem netten Spiel zwischen uns beiden)

Kurz vor Bever, nachdem wir den Beverin-Bach und die Eisenbahnschienen überquert hatten, ging ein ganz kleiner Pfad von der Straße weg, entlang am Fluss. Die Straße ging nach links und der Pfad nach rechts. Vom Pfad konnte ich das Mädchen auf ihrem Gefährt gut sehen.

Ich beobachtete nun, wie sich das Mädchen gewohnheitsgemäß umschaute (über die linke Schulter). Sie schaute nach vorn – stutzte – schaute ganz erstaunt nochmals zurück – ich war verschwunden. Ich hätte schon gern ihr Gesicht gesehen.

Hätte sie rechts über die Schulter nach hinten gesehen, was sie nicht tat, hätte sie mich gesehen. Ich fand die ganze Situation recht amüsant.

Ich folgte dem Pfad und kam zu meiner großen Freude direkt beim Bahnhof heraus. Es war nun etwa 15 Uhr 30. Zu meiner Freude stellte ich nach etwas Sucherei fest, dass um 16 Uhr 11 ein Zug nach Sankt Moritz fuhr.

Ich hockte die Zeit am Bahnhof ab. Kurz bevor der Zug abfuhr setzte sich ein älteres amerikanisches Ehepaar zu mir. Die Frau begann mich auszuhorchen. Am Ende unserer Unterhaltung machte mich die Frau auf einen unbedeutenden grammatikalischen Fehler meinerseits aufmerksam. Danach meinte sie, ich solle mich an sie als nette alte Frau erinnern. Als ich das hörte, dachte ich, ich spinne. (Sie war mir irgendwie unsympathisch, da sie ihren Mann herumkommandierte und mundtot machte.)

Im Zug unterhielt ich mich mit einem Jungen aus Sankt Moritz. In Sankt Moritz angelangt, ging ich erst zur Post, um meine Postkarten loszuschicken. Auf dem Weg zum Supermarkt kam ich an dem Eisstand vorbei und ich konnte nicht widerstehen, nochmals ein Eis zu kaufen.

Im Supermarkt holte ich mir einige Liter zu trinken. Danach ging es in ein Geschäft, in dem ich ein paar alte Postkarten gesehen hatte. Ich wollte den älteren Herrschaften, die so großzügig mir gegenüber waren, ein paar zur Erinnerung kaufen. Als ich die Karten hatte, ging ich mein Messer abholen.

Die Gravur (sie lautete TRAPPER AK ARNOLD) war sehr schön geworden. Ich war sehr zufrieden damit.

Auf dem Zeltplatz angelangt, bezahlte ich meinen Aufenthalt. Es war erfreulich günstig: nur 38 Schweizer Franken für 5 Nächte. Danach gab es etwas zu essen. Nach der heutigen Anstrengung genoss ich das Essen sehr.

Nach dem Essen begann ich meinen Rucksack zu packen. Ich wollte diese Zeit morgen sparen, denn ich musste schon um 3 Uhr aufstehen, um den Zug rechtzeitig zu erreichen.

Nach dem Packen unterhielt ich mich mit 2 Deutschen aus Würzburg. Sie waren heute angekommen. Sie liehen mir ihre Taschenlampe, damit ich den Rest am Morgen besser packen konnte, denn um 3 Uhr in der Frühe war es noch dunkel.

Etwas später kamen die beiden Herrschaften, um sich von mir zu verabschieden. Ich gab ihnen die Karten, die ich gekauft und mit einer Widmung versehen hatte. Sie freuten sich darüber. Zum Abschied schenkten sie mir Butterbrote und ein Ei als Reiseproviant.

Ich verabschiedete mich von den beiden und ging gleich ins Bett.

Ich schlief schnell ein.