Zuerst schlief ich in dieser Nacht sehr gut. Als ich jedoch einmal erwachte, klappte es danach nicht mehr so recht mit dem Schlafen.
Gegen 8 Uhr standen ringsherum die Leute auf, und das machte sich durch eine entsprechende Geräuschkulisse bemerkbar. Das nahm ich zum Anlass auch aufzustehen.
Zuerst ging ich mich waschen, soweit dies im Zug möglich war. Anschließend las ich.
Um 8 Uhr 40 waren wir in Bern. Irrtümlicherweise nahm ich an, wir wären schon in Basel und hielt Hans-Jürgen und mich an, schnell zu packen. Ich bemerkte den Irrtum aber recht schnell und hob den „Alarm“ auf.
Auf dem Weg von Bern nach Basel unterhielt ich mich mit einer Engländerin, die im Nachbarabteil untergebracht war.
Pünktlich um 10 Uhr kamen wir in Basel an. Nachdem wir ausgestiegen waren, meinte Hans-Jürgen, er wollte nicht mehr weiter mitfahren, er wolle nach Hause. Ich nahm diese Mitteilung gelassen hin. Ich hatte keine Lust wegen ihm meinen Urlaub abzubrechen, daher trennten sich unsere Wege hier in Basel.
Hans-Jürgen hatte sich schon eine Zugverbindung nach Hause herausgesucht.
Wir gingen gemeinsam zur Information, da Hans-Jürgen und mir nicht klar war, wo sein Zug abfahren sollte.
Während er seine Infos holte, ging ich Geld wechseln und eine Landkarte von der Schweiz kaufen. Ich hatte nämlich keine Vorstellung, wo es hingehen könnte.
Als Hans-Jürgen seine Informationen hatte, verabschiedeten wir uns und jeder ging seines Weges.
Nach einiger Sucherei auf der Landkarte stieß ich auf den Namen „Sankt Moritz“. Ich sagte mir: „Den Namen kennst du, dort wird hingefahren.“
Ich ging zur Zuginformation und holte mir die nötige Auskunft über Zugverbindungen nach Sankt Moritz. Wie sich herausstellte, sollte der nächste mögliche Zug nach Sankt Moritz in 10 Minuten fahren. Ich nahm daher schnell meine Sachen und ging zum Gleis.
Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Intercity. Ich befürchtete schon, dass ich einen Zuschlag zahlen müsste. Zum Glück war dies nicht der Fall.
Um 10 Uhr 56 ging es los. Die meiste Zeit beschäftigte ich mich selbst. Kurz vor Chur ergab sich die Möglichkeit einer Unterhaltung mit einem Mädchen, welches mir gegenübersaß.
In Chur musste ich umsteigen. Von hier ging es mit einem Nahverkehrszug weiter. Was mir bei diesem Zug besonders auffiel, waren die großen Fenster.
Auf der Fahrt merkte ich wozu diese vorhanden waren: Die Fahrt führte durch eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend. Durch diese Fenster sollte dem Touristen die Möglichkeit gegeben werden, alles besser betrachten zu können. Ich nutzte diese Möglichkeit ausgiebig.
Sankt Moritz erreichte ich um 15 Uhr 48. Hier begann sofort die Suche nach dem Fremdenverkehrsamt. Während dieser Suche stieß ich auf die Post und nutzte die Gelegenheit, meine Postkarten loszuschicken. Von der Post aus irrte ich etwas durch Sankt Moritz und fand schließlich das Fremdenverkehrsamt. Hier holte ich mir Informationen über Zeltplätze und Wandermöglichkeiten.
Das Mädchen in der Information war sehr hilfsbereit und höflich.
Nachdem ich das Fremdenverkehrsamt verlassen hatte und schon ein paar Meter in Richtung des Zeltplatzes gegangen war, fiel mir ein, dass es nicht schlecht wäre, etwas Essbares zu kaufen. Nur hatte das einen kleinen Haken. Auf meinem Weg durch Sankt Moritz hatte ich viele verschiedene Geschäfte gesehen, nur ein Lebensmittelladen war nicht dabeigewesen. Eine kurze Frage an einen Passanten half mir weiter.
In dem Laden deckte ich mich mit ein paar Kleinigkeiten ein und bekam sogar etwas Butter geschenkt. Das wunderte mich erst, aber das Verfallsdatum klärte das Rätsel auf. Es war überschritten.
Von dem Geschäft ging es endlich zum Zeltplatz. Zu meinem Leidwesen musste ich an einer Hauptstraße entlanggehen.
Ich schätze, ich war nach 30 Minuten beim Zeltplatz angelangt. Ich meldete mich an und hatte hier zum ersten Mal den berüchtigten Fragebogen (der normalerweise auf Zeltplätzen, Hotels und so weiter auszufüllen ist) auszufüllen. In ihm hat man einzutragen: Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnort, Abreise vom Wohnort, letzter Aufenthaltsort, Ankunftstag, Abreisetag, nächstes Ziel und Unterschrift.
Für diese Arbeit entschädigte mich die Tatsache, dass der Aufenthalt pro Nacht nur 8,50 Schweizer Franken (9,50 Mark) kostete.
Zu meiner weiteren Freude merkte ich, dass ich der einzige Camper war. Außer mir befand sich nur noch ein Wohnmobil auf dem Platz.
Ich baute mein Zelt mitten auf der Wiese auf. Ich hatte den Stellplatz danach gewählt, dass ich so lange wie möglich Sonne hätte und so früh wie möglich wieder bekäme.
Während des Aufbauens nahm ich ein paar Rehe wahr. Sie waren aus dem nahegelegenen Wald (etwa 50 Meter) herausgekommen und ästen auf der Wiese. Diese Tiere waren so an den Menschen gewöhnt, dass sie nicht einmal davonliefen, als etwa 20 Meter von ihnen ein Jogger vorbeilief.
Mein Zelt stand gerade, als mich zwei ältere Herrschaften (eine Frau und ein Mann) ansprachen. Sie wunderten sich darüber, dass ich das Zelt mitten auf der Wiese aufgebaut hatte. Hieraus ergab sich ein sehr nettes und vor allen Dingen aufschlussreiches Gespräch. Ich erfuhr viel über die Gegend und Wandermöglichkeiten. Die beiden kamen nämlich schon seit 6 Jahren hierher.

Bevor sie gingen meinten sie, sie würden nochmal vorbeisehen und wäre ich nicht da, so würden sie eine Tafel Schokolade ins Zelt legen, damit ich wüsste, dass sie hier waren.
Nachdem sie gegangen waren legte ich mich in die Sonne. Um 20 Uhr 30 verschwand die Sonne hinter den Bergen und es wurde merklich kühler.
Ich hatte mich während meines „Sonnenbades“ entschlossen, am nächsten Tag eine schöne Wanderung zu machen.
Schließlich zog ich mich in mein Zelt zurück, schlüpfte in meinen Schlafsack und schlief sofort ein.



