Urlaub 2 (1989) – Tag 21 – Italien – Nepal – Rom – Pech für meinen Kumpel

In dieser Nacht schlief ich ausgesprochen schlecht. Die Kabine hatte sich, obwohl der Ventilator auf vollen Touren lief, unerträglich aufgeheizt.

Gegen 8 Uhr wurden die Passagiere geweckt. Wir blieben jedoch bis 8 Uhr 45 liegen. Warum sollten wir unnötig früh aufstehen!? Das Schiff sollte nämlich erst um 10 Uhr 40 in Neapel sein.

Um 9 Uhr wurden wir freundlich, aber bestimmt aufgefordert, die Kabine zu verlassen. Für mich war es kein Problem die paar Kleinigkeiten schnell zu packen. Bei Hans-Jürgen dauerte es wieder ewig. Ich sagte jedoch nichts.

Als das Reinigungsteam bedrohlich nah war, konnten wir endlich die Kabine verlassen.

Um der unangenehmen Type vom Vortag zu entgehen, setzten Hans-Jürgen und ich uns in die Nähe von italienischen Familien. Hier kam die Bordpolizei regelmäßig vorbei.

Es wurde 10 Uhr 55 bis das Schiff in Neapel angelegt hatte und die Passagiere das Schiff verlassen konnten.

Nachdem wir das Schiff verlassen hatten, ging es schnurgerade durch das Haupttor hinaus aus dem Hafen.

Nun galt es herauszufinden, wo der Bahnhof sei. Die Leute, die ich fragte, waren alle sehr hilfsbereit. Nachdem die ungefähre Richtung zum Bahnhof bekannt war, hatte ich etwas mehr Zeit die Stadt zu betrachten.

Der Eindruck der sich mir aufdrängte war: Hier herrscht ein totales Chaos auf den Straßen. Die Autos fuhren kreuz und quer. Es wurde pausenlos gehupt und kein Mensch scherte sich um Verkehrsregeln. Gelegentlich konnte man sehen, wie die Polizei versuchte das Chaos zu leiten. Bewundernswerterweise gelang das sogar in einigen Fällen.

Auf unserem Weg zum Bahnhof sah ich etwas Interessantes. Alle 50 Meter standen oder saßen Männer, die sich dort um die geparkten Autos kümmerten. Wie ich feststellte, waren es eine Art Parkwächter. Sie schafften „Parkplätze“ und schienen auf die hier geparkten Autos aufzupassen.

Die Straße, der wir folgten, sah in etwa so aus.

Zur Verdeutlichung beschreibe ich die Skizze aus meinem Tagebuch in Worten: Zuerst kamen die Häuser, davor lag ein Gehsteig. Daran schloss sich ein Streifen mit Fahrbahnen für Autos, Lastwagen und Busse an. Danach folgte, durch einen hohen Bordstein getrennt, die Fahrbahn für Busse und Straßenbahnen und dann, wieder durch einen hohen Bordstein getrennt, noch einmal Fahrbahnen. Am Rand parkten Autos, dahinter lag der zweite Gehsteig, und am Ende kam ein Zaun zum Hafen.

Auf den zwei Fahrspuren, die den Autos zur Verfügung standen, wurde meist in drei Reihen gefahren.

Da die Bürgersteige zugeparkt waren, quetschten sich die Fußgänger auf dem restlichen Bürgersteig zwischen den Autos hindurch, oder sie setzten sich dem Risiko überfahren zu werden aus und liefen über die Straße.

Auf der Fahrbahn für die Busse und Straßenbahnen fuhren nicht nur Busse und Straßenbahnen, sondern auch allerlei Autos. Hier waren die beiden Fahrtrichtungen nicht durch einen Bordstein getrennt, daher fuhren etliche Autos auf der Gegenfahrbahn. Kam ein Bus oder ähnliches entgegen, so drängte man sich durch lautstarkes Hupen und Zwang auf seine Fahrbahn.

Selbst die hohen (etwa 20 Zentimeter) Bordsteine, die den Busbereich von den eigentlichen Fahrbahnen trennten, waren kein Hindernis für die Autofahrer. Gelegentlich versuchten sie darüber hinwegzufahren.

Mit einem Wort, auf mich wirkte es CHAOTISCH.

Als wir der Straße rund 2 Kilometer gefolgt waren, fragte ich sicherheitshalber nochmals nach dem Weg zum Bahnhof. Es stellte sich heraus, dass wir falsch waren. Die Frau, die ich „gefragt“ hatte, war äußerst hilfsbereit. Sie führte uns bis zum Bahnhof. Eine sehr nette Geste!

Am Bahnhof angelangt, stellten wir fest, dass unser Zug auf einem anderen Bahnhof abfuhr. Diese Vorstellung fand bei uns keinerlei Anklang. Hans-Jürgen entdeckte jedoch einen Zug, der von diesem Bahnhof abfuhr.

Ich beauftragte Hans-Jürgen unser Gleis zu suchen, während ich eine Reservierung für den Nachtzug von Rom nach Basel zu bekommen versuchte.

Ich ging an einen Schalter. Wie durch ein Wunder war es der Richtige. Ich erhielt ohne Probleme die Reservierung. Anschließend ging ich zu Hans-Jürgen. Er hatte das Gleis gefunden und unser Zug stand auch schon bereit.

Auf dem Weg zum Zug erstand ich eine Pizza. Sie ließ ich mir, nachdem wir eingestiegen waren, schmecken.

Hans-Jürgen ging nochmal kurz hinaus, um etwas zu trinken zu erstehen. Ich hatte noch 1 Liter Milch und wollte daher nichts kaufen. Als jedoch ein Händler durch den Gang kam, erwarb ich doch eine Flasche Wasser.

Um 12 Uhr 15 begann die Fahrt. Da ich müde war, schlief ich etwas. Nachdem ich wieder aufgewacht war, las und schrieb ich etwas. Es war kurz vor 16 Uhr, als wir Rom erreichten.

Beim Aussteigen lernte ich zwei Amerikaner kennen. Während wir gemeinsam das Gleis verließen, redeten wir.

Als wir die Gleise verlassen hatten, kamen viele hilfsbereite Leute auf uns zu. Ich erinnerte mich aber an meine Lektion aus Paris und lehnte jegliche Hilfe ab.

Von einem Holländer, der uns seine Hilfe regelrecht aufdrängte, erfuhren wir, wo die Gepäckaufbewahrung war.

Bevor wir uns mit anderen Sachen beschäftigten, gingen Hans-Jürgen und ich unsere Rucksäcke verstauen. Ich hatte das Zelt außen am Rucksack befestigt, darum musste ich anstatt für ein Gepäckstück, für zwei bezahlen. (Das ärgerte mich)

Nachdem die Rucksäcke verstaut waren, gingen wir die Touristeninformation suchen. Jedoch fanden wir sie nicht. Aus diesem Grunde erwarb ich einen Stadtplan an einem Kiosk im Bahnhof.

Der Exkursion durch Rom stand nichts mehr im Wege.

Hans-Jürgen wollte unbedingt zum Petersdom. Weiß der Kuckuck warum.

Zuerst ging es durch die Stadt und es fiel mir sehr schwer mich auf der Karte zurechtzufinden, schließlich waren wir aber beim Kolosseum. Es sah sehr imposant aus.

Vom Kolosseum aus sah ich einen Park und wollte ihn mir etwas näher ansehen. Das traf bei Hans-Jürgen auf ausgesprochenen Widerwillen. Trotzdem ging ich hin, denn wir hatten schließlich 4 Stunden Zeit.

Im Park kam es zum Krach. Hans-Jürgen schimpfte so lange über diesen Parkbesuch, bis mir der Kragen platzte. (Das ewige Gucken auf seine Uhr, und dass er mich durch Rom hetzen wollte, gaben mir den Rest.) Ich knallte ihm die Karte vor die Füße, eigentlich mehr gegen den Kopf und meinte, er solle selber sehen, wie er zurechtkäme. Er ging aber nicht darauf ein.

Nachdem meine Wut etwas verraucht war, schnappte ich mir die Karte und ging einfach los, ohne auf Hans-Jürgen zu achten. Wie ich jedoch bemerkte, folgte er mir in einigem Abstand. Schließlich kam er etwas näher und erkundigte sich, ob wir zum Petersdom gingen. Ich meinte nur, dass das doch wohl klar gewesen wäre. Das waren die einzigen Worte die wir wechselten, bis wir schließlich beim Petersdom ankamen.

Um den Weg schneller zu finden, hatte ich mich oft der Hilfe von Römern bedient. Obwohl ich gehört hatte, sie wären nicht hilfsbereit (eher unhöflich), halfen sie mir sehr bereitwillig und höflich.

Auf dem Weg zum Petersdom stellte ich fest, dass Rom eine außerordentlich grüne Stadt war. In meiner Vorstellung gab es hier nur Steine und Beton. Was in meinen Augen sehr interessant war, war die Kombination von römischem Kulturgut und den „neuen“ Bauwerken. Ich bedauerte es, dass wir nur 4 Stunden Zeit hatten.

Rom ist mehr Zeit wert.

Beim Petersdom erwarb ich ein paar Postkarten. Meiner Meinung nach konnten sie das Stadtbild am besten widerspiegeln. Um diese Uhrzeit waren die Lichtverhältnisse ohnehin nicht gut zum Fotografieren.

Der Wunsch Hans-Jürgens, auf den Petersdom hinaufzusteigen, zerschlug sich, denn er hatte eine kurze Hose an und damit hat man keine Chance in eine Kirche oder ähnliches hineinzukommen. Ich kannte das schon aus Venedig und hatte es Hans-Jürgen erzählt, er hatte mir aber nicht glauben wollen.

An einer Säule vor dem Petersdom saßen wir 15 Minuten, dann gingen wir zurück zum Bahnhof. Ich hatte den einfachsten und schnellsten Weg herausgesucht.

Auf dem Rückweg gingen wir noch schnell in ein Lädchen. Hier kauften wir Lebensmittel. Ich holte mir 1 Flasche Cola, 4 Brötchen, ein Stück Kuchen und eine Pizza. Das alles kostete zwar über 7.000 Lire (etwa 10 Mark), aber das belastete mich nicht, denn heute Abend verließen wir Italien und beim Wechseln von italienischem Geld macht man nicht gerade eine gute Figur.

Den Bahnhof erreichten wir um 19 Uhr 15. Im Bahnhof setzten wir uns auf eine Bank und aßen. Meine Pizza war ein Flop. Es war nur Teig in dem man gelegentlich ein paar Oliven fand. Der Kuchen hingegen schmeckte hervorragend.

Gegen 20 Uhr holten wir die Rucksäcke und gingen direkt zum Gleis, wo unser Zug stand.

Wir gingen zum Abteil und verstauten dort unsere Sachen. Mit uns war ein Italiener im Abteil.

Etwas später kam noch eine Schweizerin. Ihr schien der Gedanke, dass hier in einem „Sechspersonenabteil“ 4 Leute liegen sollten, nicht zu behagen. Daher erkundigte sie sich beim Schlafwagenschaffner, ob sie nicht in ein anderes Abteil könnte. Im Nachbarabteil war „mehr“ Platz und so zog sie um. Auf diese Weise hatten wir zu dritt ein „Sechspersonenabteil“.

Ich las, während Hans-Jürgen vor sich hinschmollte.

Irgendwann machte ich mein Bett und legte mich hin.