Urlaub 2 (1989) – Tag 23 – Schweiz – Sankt Moritz – Coole Berg Tour & Essen Geschenk

Am Vortag hatte mich der Zeltplatzverwalter darauf hingewiesen, dass es in der Nacht frisch werden würde. Ich hatte darauf nur gemeint, es müsse halt gehen.

Wie frisch es wurde, hätte ich mir in meinen Träumen nicht vorzustellen getraut. In der Nacht fror ich ganz schön.

Als ich mal nach draußen musste, stellte ich fest, dass das ganze Außenzelt gefroren war und auch das Innenzelt teilweise. Das Gras war vom Eis weiß wie Schnee.

Das Schlimme an diesen Temperaturen war nicht, dass es so kalt war, sondern in der Nacht spürte man die extrem hohe Luftfeuchtigkeit.

Als es auf 7 Uhr 30 zuging, lag ich zitternd und müde in meinem Schlafsack und ignorierte das Gepiepse einfach. Ich zog es vor weiterzuschlafen.

Später wurde ich durch angenehme Temperaturen, die sich im Zelt durch die Sonne ausbreiteten, geweckt. Sofort schlüpfte ich aus meinem Schlafsack. Ich stellte fest, dass es mittlerweile 9 Uhr 30 war.

Vor dem Zelt wurde ich von dem herrlichsten Wetter empfangen.

Sofort ging ich mich waschen. Danach gab es sogleich Frühstück, denn ich meinte ich hätte noch einen weiten Weg vor mir und müsse sehen, dass ich endlich aufbrach.

Bis ich alles gepackt und vorbereitet hatte, war es 10 Uhr 30.

Ich wollte heute vom Zeltplatz zum Hotel Muragl (2453 Meter) laufen.

Dieses Vorhaben startete ich um 10 Uhr 30.

Ich folgte dem Wanderweg in Richtung Sankt Moritz, der direkt an meinem Zeltplatz vorbeiführte. Nach rund 200 Meter kamen die ersten Hinweisschilder. Sie verwirrten mich zutiefst, denn die angegebenen Ziele fand ich nicht auf meiner Karte. Ich folgte einfach dem Weg, der meiner Meinung nach in die richtige Richtung führte.

Bald traf ich auf noch mehr Schilder. Meine Verwirrung stieg, aber gegen 11 Uhr 45 war ich glücklich in Pontresina, meinem angestrebten Ziel, angelangt.

Hier schaffte ich es das erste Mal herauszufinden, auf welchem Weg ich mich nach meiner Karte befand.

Pontresina lag auf 1.805 Meter. Als nächstes strebte ich eine Gastwirtschaft, die auf 2231 Meter lag, an.

Diese 400 Höhenmeter Unterschied hatte ich erstaunlicherweise nach 40 Minuten bewältigt. Ich wunderte mich selbst über diese schnelle Zeit, denn ich meinte, ich wäre langsam gegangen.

In der Wirtschaft kehrte ich ein und gönnte mir trotz des hohen Preises etwas zu trinken. (Die Dose Sprite, die ich erwarb, kostete mich 3,50 Schweizer Franken [etwa 4 Mark]).

Von der Gaststätte aus genoss ich die Aussicht ins Tal. Um 13 Uhr hielt es mich aber nicht mehr. Ich musste weiter gehen.

Von dem Gasthaus brauchte ich nur einem Höhenweg zu folgen. Er stellte auf den ersten 1,5 Kilometern keine großen Probleme dar. Auf den nächsten Kilometern sah es etwas anders aus, denn der Schnee war hier noch nicht weggeschmolzen und daher wurde das Gehen beschwerlich.

Auf dem letzten Kilometer stieg der Weg gemütlich 100 Höhenmeter bis zum Hotel Muragl an. Es war 13 Uhr 45, als ich dort ankam.

Beim Hotel angelangt gönnte ich mir den großen Luxus einer Suppe (6 Schweizer Franken [etwa 7 Mark]). Leider hatte ich nicht allzu viel von ihr, denn das meiste wurde mir von dem sehr starken Wind vom Löffel geweht. Als es mir zu dumm wurde, nahm ich die Terrine in die Hand und trank die Suppe so.

Ich blieb bis 15 Uhr 30. Dann fuhr ich mit der Zahnradbahn, die dieses Hotel mit dem Tal verband, hinunter. Die Fahrt dauerte etwa 20 bis 25 Minuten. Unten angekommen machte ich mich auf den Rückweg zum Zeltplatz.

Die ersten 1 bis 2 Kilometer (wenn es überhaupt so viel waren) konnte ich auf der Karte nachvollziehen, dann blickte ich aber nicht mehr durch dieses Weglabyrinth durch.

Dennoch schaffte ich es, bis an die Seepromenade von Sankt Moritz zu gelangen. Von hier war es kein Problem bis zum Zeltplatz vorzudringen. Den Zeltplatz hatte ich um 18 Uhr erreicht.

Ich war heute alles in allem rund 7 Stunden 30 Minuten unterwegs gewesen und etwa 15 Kilometer gelaufen. An Höhenmetern hatte ich rund 900 bis 1100 Metern (ohne die Fahrt mit der Zahnradbahn) zurückgelegt. – Eine gute Leistung –

Beim Zelt gab es als erstes eine ordentliche Portion zu Essen. Gegen 19 Uhr ging ich ins Zelt, denn draußen wehte ein frisches Lüftchen.

Es wird 19 Uhr 30 gewesen sein, als ich draußen vor dem Zelt Stimmen hörte. Es waren die älteren Herrschaften vom Vortag. Sie machten ihr Versprechen wahr, nochmal vorbeizukommen.

Sie brachten mir eine große Tüte mit Essen. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah.

Da ich nur kurze Sachen trug, wollten sie gleich wieder gehen.

Sie machten sich gerade auf den Weg, als 2 Jungen ankamen. Die beiden Herrschaften sprachen auch die beiden an, aber die Jungen verstanden sie nicht, denn sie waren aus Schottland. Ich spielte, so weit es mir möglich war, Übersetzer.

Den Rest des Abends blieb ich bei den Schotten. Sie waren ausgesprochen nett. Auch sie waren per Interrail unterwegs. Sie versuchten allerdings in den 30 Tagen so viele Kilometer wie nur möglich zu fahren.

Gegen 21 Uhr 30 oder 22 Uhr 30 ging ich in mein Zelt und bereitete mich auf die Nacht vor, die sicherlich auch frisch werden würde.

Heute dauerte es etwas, bis ich einschlief.

Inhalt der Tüte mit Essen:

1 Packung Quark
1 Packung Studentenfutter
1 Banane
1 Tomate
1 Tafel Schokolade
ein paar Scheiben Kuchen
ein paar Scheiben Brot.

Das war das Beste und Schönste, was mir in diesem Urlaub bisher widerfahren war. Ich hatte mich riesig gefreut.