In dieser Nacht fror ich wie ein Schneider. Es hatte sich mal wieder bewahrheitet, dass mein Schlafsack nichts taugt. Über die Angabe, dass er bis minus 16 Grad Celsius geeignet sei, kann ich nur lachen.
Ich war in der Nacht einmal aufgewacht und dabei bot sich mir ein grandioser Sternenhimmel. Ich hielt mich so lange wach, wie ich es vermochte, um dieses für mich bisher einmalige Erlebnis so lange wie möglich zu genießen.
Meinen Wecker hatte ich auf 6 Uhr gestellt. Als er jedoch am Morgen ging, hörte ich ihn nicht.
Geweckt wurde ich von der Sonne, die schon hoch über den Bergen stand. Es war, als ich auf die Uhr schaute, 7 Uhr 15.
Frierend stand ich auf und ging in die Sonne, um mich aufzuwärmen. Für mich war es erstaunlich, welche Kraft die Sonne hier schon um diese Uhrzeit hatte.
Kurz nach mir stand Hans-Jürgen auf. Nun gönnten wir uns ein kleines Frühstück. Anschließend packten wir unsere Rucksäcke.

Hans-Jürgen brauchte wie immer ewig und so wurde es 8 Uhr 45, bis wir losgehen konnten.
Von unserem Lager ging es etwa 500 Meter durch einen Wald, dann war die Waldgrenze erreicht, und wir gingen in Kehren bis zum Pass Bocca Palmente. Hier war der Anstieg zu Ende.
Auf dem Pass überholten wir zwei Franzosen, wir grüßten anständig, hielten uns aber nicht auf.
Der Wegabschnitt, der jetzt folgte, war sehr angenehm und erlaubte ein hohes Tempo. Der Weg führte uns an der „Bergerie D’Alzeta“ und der „Bergerie Scarpaccedie“ vorbei. Hier boten sich uns gelegentlich tolle Ausblicke auf die Berge.
Da wir uns in der Nähe von Bergerien (Almhütten) befanden, waren auf unserem Weg gelegentlich Kühe. Es dauerte immer einige Zeit, bis die Viecher kapierten, dass wir an ihnen vorbei wollten.
Kurz vor der „Bergerie Scarpaccedie“ mussten wir mal wieder einen Bach überqueren. Ich hatte keine Lust von Stein zu Stein zu jonglieren. Ich zog es vor, die Schuhe auszuziehen und durch das Wasser zu waten.
Es war ein kaltes, aber kein unangenehmes Vergnügen. Ich war gerade auf der anderen Seite des Baches angelangt, als mir Hans-Jürgen mitteilte, dass ich einen meiner Strümpfe auf der gegenüberliegenden Bachseite verloren hatte. So schön das Laufen durch das kalte Wasser war, die Vorstellung nochmal durch das Wasser laufen zu müssen, begeisterte mich nicht. Mir blieb jedoch nichts anderes übrig, und so brachte ich es hinter mich. Als ich die Schuhe wieder an hatte, stellte sich ein richtig tolles Gefühl ein. Das Laufen durch das Wasser hatte sich gelohnt.
Nach der „Bergerie Scarpaccedie“ mussten wir einen Berg hinauf. Dabei kam ich ganz schön ans Schnaufen. Zum Glück dauerte dieser Anstieg nicht lange.
Als wir oben waren, ging es kurz hinunter und schon standen wir an einer Straße. Wir entschieden uns, die Straße hinauf zu gehen. Diese Entscheidung sollte sich als falsch herausstellen. (Das kleine Tal bei dem wir uns nun befanden – hier sollte auch die Capannelle-Hütte sein – war mit einem Schleppliftkarussell versehen).
Wir waren der Straße bis zu ihrem Ende gefolgt. Dort fanden wir die Baustelle eines Hotels. Vom Hotel sahen wir unten im Tal ein paar Hütten. Nach ein paar Fragen an die Bauarbeiter, die an dem Hotel arbeiteten, wussten wir, dass wir hinuntergehen mussten, um zur Hütte zu kommen. Wir wollten nicht die Straße zurückgehen, daher gingen wir über die Skipiste hinunter ins Tal.
Im Tal waren ungefähr 10 Zelte aufgebaut. Zuerst dachte ich, es wären GR-20-Wanderer, aber es war eine Reisegruppe aus den Niederlanden.
Während Hans-Jürgen und ich die Capannelle-Hütte suchten, kam ein Holländer vorbei. Er war den ganzen GR 20 von Calenzana bis hierhin gelaufen, und er erzählte uns, dass auf dem Stück, welches wir ausgelassen hatten, noch gut Schnee gelegen hatte, und dass es nicht ungefährlich gewesen wäre, dort zu laufen. Nun war ich froh, dass ich diese Etappe ausgelassen hatte.
Schließlich fanden wir die Hütte. Sie war klein und dunkel. Deshalb überlegte ich, ob man nicht Zelten sollte. Hans-Jürgen war von der Idee nicht begeistert. Er wollte lieber in der Hütte schlafen. (Er „hasste“ das Zelten, eigentlich das Schlafen auf der Erde).
Hans-Jürgen hatte wie immer einen Bärenhunger, daher kochte ich etwas. Es gab einen Eintopf, der mit etwas Reis aufgefüllt wurde. Es schmeckte zwar lecker, machte aber nicht sonderlich satt.
Im Laufe des Nachmittags wurde mir kalt. Ich entschloss mich daher etwas Feuerholz zu machen. Es machte wider Erwarten sogar Spaß und mir wurde sogar warm bei der Arbeit. Nachdem das Holz gemacht war, ging ich mich waschen.

Zuerst hatte ich Hemmungen, mich dem Wasser auszusetzen, denn auch hier wurde das Wasser aus einem Bergbach abgeleitet. Aber nachdem ich mich an die Temperaturen gewöhnt hatte, machte die Wascherei Spaß.
Als die Waschungen beendet waren, ging ich Feuer machen. Da ich nicht besonders geübt bin in solchen Dingen, dauerte es etwas, bis das Feuer zu lodern begann. Schließlich breiteten sich der Rauch und angenehme Temperaturen im Raum aus.
Als das Feuerholz auszugehen drohte, wollten Hans-Jürgen und ich noch welches organisieren. Wir waren gerade aus der Hütte, als wir einen Mann sahen – dem Anschein nach ein Korse -, der sehr wütend auf die Hütte zukam. Als er angekommen war, inspizierte er die Hütte und stellte ein paar Fragen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen beantworteten. Anscheinend bezog sich sein Unmut nicht auf uns, sondern auf die Holländer mit ihren Zelten.
Wir waren sehr erleichtert, als wir merkten, dass wir nicht gemeint waren.
In der Nähe der Hütte lag ein Baum, den der Wind irgendwann einmal umgeworfen hatte. An ihm machten wir uns mit einer Säge zu schaffen um das nötige Brennmaterial zu erhalten. Vor uns hatten schon etliche Leute ihr Glück an diesem Baum versucht. Das sahen wir an den vielen Einschnitten im Holz. Nach langem Mühen hatten wir genügend Futter fürs Feuer.
Im Laufe des Abends kamen zwei deutsche Frauen. Mit ihnen unterhielten wir uns etwas.
Gegen 21 Uhr zog ich es vor ins Bett zu gehen, da wir am nächsten Tag um 6 Uhr aus der Falle wollten. Um diesen Moment nicht zu verpassen, hatte ich extra meinen Wecker gestellt.














