Sehr lange hielt es mich nicht in meinem Schlafsack. Irgendwie fühlte ich, dass ich heute noch einiges vor mir hatte.
Zuerst ging ich mich waschen und hielt dann Frühstück ab.
Anschließend packte ich meinen Rucksack. Das Zelt ließ ich noch stehen, denn der Wind wehte noch kräftig und kalt. So konnte ich mich noch in die Windstille meines Zeltes zurückziehen.
Gegen 11:15 Uhr kam Geir und verabschiedete sich. Er wollte mit seinem Partner nach Leknes fahren, um noch etwas zu erledigen. Als Andenken an die Zeit in Ramberg schenkte er mir die Feder eines Adlers, den er in der Nacht noch gejagt hatte. Es fiel ihm sichtlich schwer, sich von einer der Federn zu trennen.
Als Geir mir zum Abschied die Hand drückte, hatte ich das Gefühl, er lässt nie mehr los, so lange dauerte der Händedruck. Nachdem Geir weg war, kam ich zu der Überzeugung, dass ich langsam beginnen sollte, mein Zelt abzubauen.
Es erwies sich als ganz schön schwierig. Der Wind brachte mir dauernd alles durcheinander.
Bis 12 Uhr war schließlich alles gepackt. Nun stand ich vor der Überlegung: Was soll ich jetzt machen? Der Bus nach Napp sollte erst um 14 Uhr abfahren. Das war mir zu lang, es hier abzuwarten. Kurz entschlossen schulterte ich meinen Rucksack und marschierte los. Als ich aus Ramberg hinausging und zurückschaute, tat es mir schon leid, dass ich hier wegging.

Von Ramberg bis Napp sind es rund 19 Kilometer. Anfangs klappte es sehr gut mit dem Laufen, vor allem, da ich keine größeren Höhenunterschiede zu überwinden hatte. Als ich in Napp ankam, bestieg ich gleich die Fähre und machte auf ihr, während der Überfahrt, meine erste Pause. Hier merkte ich, dass meine Füße und Beine eine Erholung dringend nötig hatten.
Was mich während der nächsten 4 Kilometern, die mir bevorstanden, aufrecht hielt, war der Satz: „Ein Trapper kennt keine Schmerzen!“

Von der Fährstelle bis nach Leknes waren es nur noch rund 4,5 Kilometer. Diese Kilometer machten mich aber mehr fertig als die ersten neunzehn. Mir blies ein solcher Wind entgegen, dass ich das Gefühl hatte, ich kletterte mit dem Gepäck einen Berg hinauf. Um klarzumachen, wie stark der Wind wehte: Erfasste mich eine Böe von der Seite, so musste ich immer einen ganzen Schritt zur Seite machen. Das war nicht ungefährlich, denn auf der Straße, auf der ich ging, fuhren eine Menge Autos. Ferner wurde der Eindruck der Länge des Weges dadurch verstärkt, dass sich die Straße aus 4 gleich langen Stücken von je einem Kilometer zusammensetzte. Das war eigentlich noch schlimmer als der Wind, denn ich konnte immer sehen, was ich noch zu laufen hatte.
Ich fiel, als ich nach eine Stunde in Leknes ankam, wie tot auf eine Bank am Busbahnhof, und jeder Idealismus und jede Willensstärke, bis Stamsund (noch 17 Kilometer) weiterzugehen, waren aus mir gewichen. Ich hoffte nur noch, dass ein Bus kommt (ich wusste genau, dass einer kommt) und ich schön brav nach Stamsund fahren konnte.
Der Bus nach Stamsund verließ Leknes um 18 Uhr.
Stamsund erreichte ich 20 Minuten später. Ich freute mich schon auf die Jugendherberge, aber mehr noch auf ein Bett.
Im Laufe des Abends kamen und gingen die verschiedensten Leute. Unter anderem lernte ich 2 Deutsche kennen, die mit dem Mountainbike unterwegs waren. Sie fragten mich, ob ich nicht mit ihnen angeln gehen wolle. Kurz entschlossen, wie es bei mir im Urlaub immer der Fall ist, willigte ich ein.
Wir fuhren hinaus in den Hafen und begannen dort mit unseren Angelkünsten. Ich fing sogar einen Fisch. Es fiel mir nicht leicht, dem Fisch, nachdem ich ihn an Bord gehievt hatte, eins überzuziehen. Es musste aber sein. Schlimmer fand ich es, als es daranging, die Fische auszunehmen. Ich durfte es auch schön selber machen.
Bevor ich den Fisch ausnehmen sollte, ist bei unserem Anlegemanöver am Bootssteg noch etwas Lustiges passiert. Eigentlich mehr lustig für die anderen.
Martin und ich ruderten das Boot in Richtung Bootssteg, während Andreas sich damit begnügte zuzusehen. Als wir mit einigem Tempo auf den Anlegesteg zufuhren, rief ich: „Achtung, gleich rumst es!“ Und wirklich, es bumste ganz schön. An den beiden anderen ging dies aber spurlos vorüber, nur ich, der zuvor noch herumgerufen hatte, schoss wie eine Rakete über die Sitzfläche hinweg und lag, Beine nach oben, mitten im Boot. Das schadenfrohe Gelächter der beiden war entsprechend.
Am späten Abend gab es dann gebratenen Fisch. Ich muss sagen, er schmeckte sehr gut.
Danach hielt es mich nicht mehr lange wach, ich war recht müde und haute mich in die Falle.
Ich merkte aber, dass ich fix und fertig war. Das ist bei mir aber schlecht, denn dann wird es meistens nichts mit dem Schlafen. Ich bin dann einfach zu müde. Es dauerte daher lange, bis ich schließlich eingeschlafen war.




