Norwegen (1987) – Tag 12 – Oslo – Stadt Erkundung mit Kumpel aus Canada

Wir waren ungefähr 18 Personen in einem Zimmer, und so war es vorprogrammiert, dass die Nacht recht unruhig wurde. Es dauerte bis etwa 1 Uhr, bis alle im Bett waren. Gegen 7 Uhr stand ich auf und ging zum Frühstück, auf das ich recht gespannt war.

In der Kantine, besser gesagt in einer Art Speisesaal, stand ein großes Büfett, an dem man sich nehmen konnte, was und so viel man wollte. Am Kopfende standen Schalen für Cornflakes oder Haferflocken, danach kam die Milch. Es gibt in Norwegen sehr viele verschiedene Milchsorten, und man muss lange probieren, bis man die findet, die einem schmeckt. Dann folgten drei Körbe mit Brot: weißes Toastbrot, Vollkorntoast und Knäckebrot. Danach kam die Marmelade in zwei Sorten, welche, weiß ich nicht, denn ich bin kein Freund von Marmelade. Es folgten Margarine, Käse und zwei Platten mit Wurst. Für Deutsche ungewöhnlich waren zwei Töpfe mit Fisch, aus denen man sich bedienen konnte. Eier, Saft und Kaffee standen auf der Theke, das Essen davor.

Ich war recht zurückhaltend, wenn ich sah, wie die anderen ihre Teller beluden. Das Besteck und die Eierschälchen waren aus Plastik. Wenn man fertig ist, muss man alles, was man nicht gegessen hat, und das Besteck wegwerfen und das Geschirr an der Theke abstellen.

Nach dem Frühstück wusch ich mich. Aus dem Fenster sah man schon, dass es ein herrlicher Tag werden würde. Ich schloss meinen Rucksack in einem speziellen Raum ein, dann gingen Stephen und ich in die Stadt. Genauer gesagt fuhr er mit der Eisenbahn, da er so etwas wie ein Interrail-Ticket hat, und ich mit der Straßenbahn.

Um 8:30 Uhr war ich am Bahnhof, wo wir uns an der Information trafen, denn wir mussten noch etwas erfragen. Mich interessierte, ob ich am Montag um 17 Uhr mit dem Zug fahren kann. Wie ich jetzt erfuhr, hat dieser Zug nur Schlafwagen. Nach einigem Hin und Her entschloss ich mich, ihn trotzdem zu nehmen. Es wird bestimmt eine interessante Erfahrung. Der Zug fährt ohne Aufenthalt von Oslo über Kopenhagen und Puttgarden nach Hamburg. Stephen und ich machten meine Reservierung klar. Eine Kabine hätte 222 Kronen (etwa 75 DM) gekostet, deshalb nahm ich nur den Schlafwagen, der 80 Kronen (25 DM) kostet. Für mich ist das teuer genug.

Dann begann unsere Stadttour. Um 9:40 Uhr waren wir am Osloer Dom, der aber erst um 10 Uhr öffnete, also gingen wir einmal um ihn herum und weiter. Es ging zum königlichen Schloss, wo es ganz interessant war. Drei Wachen gingen auf und ab, zwei vor dem Schloss und eine vor einem einzelnen Haus. Sie gingen im Gleichschritt und drehten sich alle drei genau im selben Moment um. Bei der Wache vor dem einzelnen Haus sah man bei genauem Hinsehen, dass sie ständig zu den anderen hinüberblinzelte, um im Gleichschritt zu bleiben und sich im richtigen Moment umzudrehen.

Diesem Treiben sahen wir nicht lange zu, sondern gingen direkt zum Hafen an der Pipervika, den wir um 10 Uhr erreichten. Hier sah ich etwas zum ersten Mal: Am Kai lag ein riesiges Schiff, das ein Parkhaus auf dem Wasser war. Stephen und ich gingen aufs Dach, von wo wir einen tollen Blick auf das Rathaus, die Festung und das Kon-Tiki-Museum hatten.

Das Rathaus von Oslo ist ein großes Museum, dorthin wollten wir als Nächstes. Um 10:10 Uhr erfuhren wir an der Information, dass es wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Das war nicht schön, aber auch nicht tragisch, und wir beschlossen, ins Kon-Tiki-Museum zu fahren. Die Touristeninformation hatte uns gesagt, die Fahrt mit dem Schiff sei genauso teuer wie mit dem Bus. Am Hafen sahen wir im Fahrplan, dass das nächste Schiff um 10:45 Uhr fuhr, wir hatten also 15 Minuten Zeit. Im Hafen lagen ein paar Fischerboote, von denen herunter Fischer Shrimps verkauften. Stephen und ich kauften eine Tüte voll für 30 Kronen, mit rund 500 bis 1000 Gramm. Danach mussten wir uns sputen, um das Schiff zu erreichen.

An Bord begannen wir, die Krabben zu essen, aber als der Kontrolleur zum Kassieren kam, machte er uns klar, dass wir damit aufhören sollten, wegen des Geruchs. Wir stellten das Essen ein. Kurz vor 11 Uhr verließen wir das Schiff und gingen zuerst zum Seefahrtsmuseum, das noch geschlossen war. Deshalb besuchten wir erst einmal das Kon-Tiki-Museum.

Als Erstes sahen wir die Ra II, mit der Heyerdahl 1970 das Weltmeer durchquerte, an den Wänden hingen die Infotafeln dazu. Im nächsten Raum stand das Kon-Tiki (Kon-Tiki bedeutet „Sonnengott“), mit dem Heyerdahl als Erster mit einem Floß den Pazifik überquerte, etwa 1947. Dort standen auch zwei Statuen von den Osterinseln. In einem kleinen Raum mit mehreren Vitrinen wurde dokumentiert, dass es früher Schiffe wie das Kon-Tiki gab. Danach ging es nach unten, so weit, dass man unter das Boot schauen konnte, und ich sah das Treiben unter Wasser. Damit war der Rundgang fast zu Ende. Es gab nur noch einen kleinen Raum, in dem eine Figur mit verschiedenen Götzenbildern saß, und den Platz, an dem ich Postkarten kaufte.

Vom Kon-Tiki-Museum gingen wir zum Seefahrtsmuseum. Es ist um das Schiff Fram herumgebaut worden, das weiter nach Norden und Süden vorgedrungen ist als jedes Schiff zuvor. Es hat eine besondere Konstruktion: Der Rumpf ähnelt einem Ei, sodass das Schiff vom Eis nicht nach unten gedrückt, sondern nach oben geschoben wird. Wir gingen einmal um das Schiff herum, an den Wänden hingen alle Informationen, auch Baupläne. In der zweiten Etage konnten wir an Bord gehen und sogar unter Deck. Im Museum stand auch eine Statue von Amundsen (16.07.1872 bis 16.06.1928, verschollen bei der Rettung Nobiles am Nordpol), der am 14.12.1911 als erster Mensch am Südpol war. Ich war überrascht, wie alt er aussah, ich hatte ihn mir viel jünger vorgestellt.

Gegen 13:15 Uhr verließen wir das Museum, um zum Wikingermuseum zu gehen. Unterwegs kauften Stephen und ich ein paar Kleinigkeiten. Um 13:50 Uhr kamen wir dort an. Wir sahen alte Wikingerschiffe und Gebrauchsgegenstände, und da ich ein „bisschen“ über Wikinger wusste, erzählte ich Stephen von ihren Bräuchen. Ich lernte, dass die Boote sehr schnell waren, sie schafften 11 Knoten (1 Knoten = 1,853 km/h). Das Gebäude hielt ich für eine Kirche oder ein Kloster. Stephen klärte mich auf, dass es, wie das Seefahrtsmuseum und das Kon-Tiki-Museum, extra für diesen Zweck gebaut wurde.

Vom Wikingermuseum ging es zur Vigelandsanlage, wohin wir mit dem Bus fuhren. Der Fahrer sagte, wir müssten unterwegs umsteigen und noch einmal bezahlen, und ließ uns deshalb umsonst mitfahren. Um 15 Uhr erreichten wir den Park. Ich muss sagen, es war sehr beeindruckend. Das Gelände wurde, wie ich später erfuhr, dem Künstler Vigeland von der Stadt Oslo zur Verfügung gestellt, damit er etwas daraus macht. Der Park beginnt mit einer Brücke, auf dem Gelände stehen viele Statuen, alle nackt. Von der Brücke sieht man einen Brunnen mit einer Fontäne, dahinter einen Hügel mit einer Säule auf der Spitze, die bei genauem Hinsehen aus lauter Menschen besteht, der sogenannte Lebensbaum. Später erfuhr ich, dass die Statuen Situationen aus dem Leben darstellen sollen. Damit hatte ich oft Probleme, aber das tat dem Eindruck keinen Abbruch.

Um 16:15 Uhr verließen wir den Park und gingen langsam durch die Stadt zum Bahnhof. Als wir um 16:50 Uhr das Nationaltheater erreichten, spielte dort gerade eine Jazzband. Während wir zuhörten, merkte ich, dass es kälter und dunkler wurde, meistens ein Zeichen für ein Gewitter. Und richtig: Von einer Sekunde auf die andere ging ein Platzregen nieder, und es wurde stürmisch. So schnell, wie es gekommen war, war es auch wieder vorbei.

Stephen musste noch ein paar Kleinigkeiten kaufen, denn er wollte am nächsten Tag nach Flåm fahren. Danach gingen wir in eine Pizzeria, deren Preise sich ertragen ließen. Wir bestellten zusammen eine 4-Personen-Pizza. Als sie kam, suchten wir verzweifelt das Besteck. Ich wollte schon die Kellnerin rufen, als ich sah, dass die Pizza schon geschnitten war. Des Rätsels Lösung: Man aß sie mit der Hand. Das war abenteuerlich, denn die Pizza hatte etwa 40 Zentimeter Durchmesser, und die Stücke waren sehr groß.

Um 18 Uhr hatten wir das Lokal betreten, gegen 20:15 Uhr verließen wir es. Stephen sollte uns zum Bahnhof lotsen. Er zeigte einen Weg, der zwar richtig war, aber in die entgegengesetzte Richtung führte. Nach etlichem Fragen und Suchen fanden wir den Bahnhof. Ich fuhr mit der Straßenbahn, Stephen ging in den Bahnhof, und um 21 Uhr war ich in der Jugendherberge.

Ich holte unsere Rucksäcke aus dem verschlossenen Raum und wollte sofort ins Bett. Als ich schon in der Falle lag, war ich mir nicht mehr sicher, ob Stephen nicht doch seinen Rucksack suchen würde, wenn er aus der Stadt kam. Also stand ich auf und wartete auf ihn. Um 22:30 Uhr war er noch nicht da, und ich ging trotz meiner Zweifel ins Bett.