Wann Stephen in der Nacht gekommen war, weiß ich nicht, denn so gut wie in dieser Nacht habe ich schon lange nicht mehr geschlafen. Ich wurde wach, als Stephen kurz vor 6 Uhr seine Sachen zusammenpackte. Zum Abschied erzählte er noch, dass er seinen Vetter in der Stadt getroffen und mit ihm noch etwas unternommen hatte.
Zehn Minuten vor 7 Uhr stand ich auf und ging frühstücken. Mich traf fast der Schlag, als ich die lange Menschenschlange vor der Kantine sah. Es war ein richtiger Kampf, etwas Essbares zu bekommen, obwohl wirklich genug da war. Es ärgerte mich sehr, denn ich sah, welche Mengen an Essen die Leute wegwarfen, bloß weil sie ihre Teller so vollgeladen hatten. Heute nahm ich mir selbst etwas mehr, denn wollte ich wieder in die Stadt, und da ist es besser, etwas zu essen mitzunehmen, um Geld zu sparen, und sind Essen und Übernachtung teuer genug.

Nach dem Frühstück tat ich mich mit einem Engländer zusammen, und wir gingen gemeinsam in die Stadt. Als Erstes besuchten wir das Munch-Museum. Erst kurz vor dem Eingang wurde mir klar, dass Munch ein Maler ist. Hätte ich es vorher gewusst, ich weiß nicht, ob ich hingegangen wäre. Laut Stadtführer enthält das Museum das Vermächtnis von Edvard Munch ( 12. Dezember 1863 in Løten, Hedmark, Norwegen; 23. Januar 1944 auf Ekely in Oslo) an die Stadt Oslo aus dem Jahr 1940.
Man konnte Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Fotos und mehr sehen. Die Fotos gefielen mir am besten, die Bilder weniger. Oft hatte ich den Eindruck, dass Munch zu viel mit Tod, Krankheit oder Verwunderung gemalt hat. Ich sehe diesen Besuch einfach als eine Erfahrung mehr. An der Kasse hatte ich ein wenig gemogelt und behauptet, ich sei Student, und kam für 5 statt 10 Kronen hinein. Um 11:15 Uhr verließen wir das Museum.
Wir mussten nur die Straße überqueren, um zum Botanischen Garten zu kommen. In dieser Jahreszeit gab es dort nicht viel zu sehen, und das ist noch untertrieben, es gab eher gar nichts. Im Sommer ist es bestimmt sehr interessant. In derselben Anlage gab es noch ein Treibhaus, ein Mineralmuseum und ein Zoologisches Museum, die aber erst um 12 Uhr öffneten. Der Engländer schrieb ein paar Postkarten, ich sah mich noch ein wenig um.

Gegen 12 Uhr gingen wir ins Treibhaus. Es war winzig, und auch hier blühte um diese Jahreszeit nichts. Um 12:30 Uhr erreichten wir das Mineralmuseum. Beeindruckend war dort nur ein kleiner Raum, in dem hinter Glasscheiben unscheinbare Steine lagen. Als das Licht ausging und nur UV-Lampen brannten, wurde es interessant: Die Steine leuchteten in den tollsten Farben, die einen blutrot, andere schwefelgelb, wieder andere grün. Das fand ich sehr beeindruckend.
Ich war fix und fertig und wollte nach diesem Museum nur noch kurz ins Zoologische Museum. Wir erreichten es um 13:17 Uhr, und es war sehr ansprechend und interessant gestaltet. Große und kleine Fenster zeigten die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung, es war schön anzusehen. Trotzdem verließen wir das Museum um 13:41 Uhr und setzten uns auf die Bänke davor.

Als wir den Park verließen, um zu einem Ruinenpark in der Nähe des Hafens zu gehen, sahen wir auf der Straße vor dem Botanischen Garten große Tische mit Hunderten von Bechern. Nach kurzer Überlegung erkannten wir, dass dort ein Marathon stattfand. Wir blieben nicht stehen. Den Ruinenpark erreichten wir um 15:25 Uhr. Es gab dort nichts zu sehen, und außerdem trieben sich dort Leute herum, die uns nicht ganz geheuer waren, deshalb machten wir uns lieber davon. Nach kurzem Fußmarsch kamen wir zum Hafen, wo ein paar größere Schiffe lagen. Wir sahen ihn uns kurz an und gingen weiter zur Festung, die wir um 16:05 Uhr erreichten. Wir brauchten beide eine Pause und setzten uns auf die Wiese davor. Von hier sah ich das Parkhaus vom Vortag, das Rathaus und das Kon-Tiki-Museum.
Wir waren noch nicht lange dort, da hörten wir Lautsprecherstimmen. Es war der Wagen vom Marathon mit einer Uhr obendrauf, und wir konnten von oben die Läufer auf der Straße beobachten. Mich interessierte das nicht so sehr, und ich legte mich lieber zurück und schlief bis 16:45 Uhr. Als ich aufwachte, war es 17 Uhr.

Wir gingen sofort zurück zur Jugendherberge. Weil ich keine Lust hatte, die 6 Kilometer zu laufen, trennten wir uns, und ich ging zum Bahnhof, um mit der Straßenbahn zu fahren. Zuvor verspürte ich ein Verlangen nach einer Toilette, aber wie sollte es anders sein, ich fand keine, auch nicht im Bahnhof. Später erfuhr ich, dass ich sie im Bahnhof gefunden hätte, es hätte mir aber nichts genutzt, denn sie wäre geschlossen gewesen.
Um 18 Uhr erreichte ich die Jugendherberge. Im Laufe des Abends kamen Marco und Jassin an. Ich sprach kurz mit ihnen, denn es zog mich zu meinem Bett. Vorher hatte ich noch ein Erlebnis, auf das ich seit Beginn der Norwegenreise gewartet hatte: Ich traf den Jungen, der im Bett über mir schlief, und wir sprachen Englisch, wie schon öfter. Heute fragte ich ihn, wo er herkommt. Er sagte: „I’m from Germany.“ Er war genauso erstaunt wie ich, als ich sagte: „Na dann können wir ja Deutsch reden.“ Daraufhin unterhielten wir uns noch etwas. Er wohnte in Gerolstein.
Für den nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen, den ganzen Tag nichts zu tun. Den Anfang machte ich damit, dass ich schon um 21 Uhr in der Falle lag.








