Mein erster Urlaubstag begann, ohne mich selber loben zu wollen, mit einer guten Idee.
Eigentlich hätte ich von Donnerstag auf Freitag arbeiten müssen. Ich war auch schön brav zur Arbeit gegangen, als es jedoch auf Mitternacht zuging, ergab sich die Möglichkeit, den Rest der Nacht frei zu nehmen. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen. Ich nahm mir frei und ging nach Hause.
Ich erwachte gegen 10 Uhr. Sogleich begann ich den Rucksack zu packen und die Wohnung aufzuräumen. Das alles war bis 11 Uhr 25 geschafft. Nun brauchte ich nur noch ein paar Lebensmittel für die Fahrt nach Korsika kaufen. Ich besorgte reichlich Getränke, etwas Wurst und Äpfel. (Am Abend zuvor hatte ich einem Kollegen ein paar Pamelos abgekauft, die auch zu meinem Proviant gehörten. [Pamelos sehen aus wie Grapefruits, schmecken aber wie … – das lässt sich schwer beschreiben – … sie haben etwas von Stachelbeeren, von Grapefruits und noch anderen Obstsorten]).
Nach dem Einkaufen, als ich auf dem Weg zu meiner Wohnung war, fand ich eine Geldbörse. Da die Anschrift des Besitzers darin vermerkt war und dieser nicht weit entfernt wohnte, brachte ich die Geldbörse schnell dorthin.
Zurück bei meinem Hochhaus kam Hans-Jürgen um mich abzuholen, denn wir wollten gemeinsam in Aachen (dort wohnt er) unseren Urlaub beginnen. Bevor wir aber nach Aachen (genauer nach Vicht) fuhren, hieß es noch zum Friseur gehen. Wir schwangen uns auf die Fahrräder und fuhren zur Schur.
Bevor wir zum Friseur kamen, fuhr ich noch kurz bei Uwe vorbei, um mich von ihm zu verabschieden. Uwe war sogar zu Hause. Danach ging es endlich zum Friseur. Hier ließen wir uns eine Frisur verpassen, die einem Fremdenlegionär Konkurrenz machen würde. Danach ging es zurück zu meiner Wohnung, wo ich mich für die Abfahrt fertig machte.
Es war 15 Uhr als wir uns auf den Weg nach Aachen machten (meine Haustürschlüssel verteilte ich noch gleichmäßig unter meinen Bekannten). In Vicht kamen wir gegen 16 Uhr 10 an.
Hier war noch allerhand Arbeit zu erledigen. Der Rucksack von Hans-Jürgen musste gepackt werden und auch meiner musste nochmal neu zusammengepackt werden. Als die Rucksäcke fertig waren, wollten wir wissen wie schwer sie sind. Es stellte sich heraus, dass es der meinige auf das stattliche Gewicht von 26 Kilogramm brachte, aber auch der Rucksack von Hans-Jürgen war nicht gerade leicht, er wog immerhin 23 Kilogramm.
Um 18 Uhr 15 gab es unsere Henkersmahlzeit. Unser letztes gutes Essen für die nächsten 4 Wochen. Kurz vor Ende des Essens fiel mir ein, dass ich meinen Jugendherbergsausweis in Bonn vergessen hatte. Hans-Jürgen schlug vor, zurück nach Bonn zu fahren, um den Ausweis zu holen. Ich war mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Vorschlag halten sollte, denn schließlich ist es nicht gerade ein Katzensprung von Aachen nach Bonn. Was blieb mir aber anderes übrig, wenn ich in Herbergen übernachten wollte. Mir stellte sich nun noch ein Problem. Ich besaß keine Haustürschlüssel mehr. Die Schlüssel hatte ich aus Sicherheitsgründen meinen Bekannten gegeben.
Ich hängte mich ans Telefon und hatte sofort beim ersten Versuch Glück. Ich erreichte Sabine und wir konnten nach Bonn fahren.
Um 19 Uhr 10 machten wir uns auf den Weg. Gegen 20 Uhr 10 waren wir bei meiner Wohnung. Ich holte schnell meinen Schlüssel und der Sucherei stand nichts mehr im Wege. Nach rund 1 Stunde erfolglosem Suchen gab ich es auf. Wir mussten unverrichteter Dinge ohne den Ausweis zurück nach Aachen fahren. Durch die „Ausweispanne“ konnte ich auch einen geplanten Besuch bei Guido und Marita vergessen. Nun bleibt abzuwarten, wie es ohne den Ausweis im Urlaub geht. Wir wollten nämlich eventuell in Marseille in einer Jugendherberge übernachten und ohne Ausweis spielt sich normalerweise nichts ab.
Gegen 22 Uhr 30 waren wir in Vicht, und es sollte nun schon bald losgehen mit unserer Tour.
Um 23 Uhr 15 machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof in Aachen, den wir gegen 23 Uhr 45 erreichten. Wir verabschiedeten uns von Hans-Jürgens Vater, der uns zum Bahnhof gebracht hatte und machten uns auf den Weg zum Bahnsteig. Hier hatten wir 30 Minuten zu warten.
Der Zug kam mit zehn Minuten Verspätung. Wir stiegen ein und ich stellte mit Freude fest, dass wir allein im Abteil waren. Der Schlafwagenschaffner holte gleich die Pässe und Fahrkarten ab und drückte uns eine Zollerklärung in die Hand, die wir auszufüllen hatten, bevor wir uns hinlegen durften (Die Bürokratie triumphierte selbst noch im Urlaub).
Nachdem die ausgefüllten Formulare dem Schaffner zurück gegeben worden waren, bauten wir die Betten auf und ich haute mich aufs Ohr. Ich konnte allerdings nicht schlafen, sondern dämmerte vor mich hin.