Als gegen 6 Uhr der Wecker ging, regnete es. Ich war noch sehr müde und beschloss zu warten, bis es zumindest aufgehört hatte. So bekam ich anderthalb Stunden mehr Schlaf, denn der nächste Bus sollte erst um 8:45 Uhr fahren. Um 7:30 Uhr stand ich auf. Es wurde knapp mit der Zeit, aber ich stand rechtzeitig an der Haltestelle.
Heute wollte ich bis Løn fahren und dort zwei Tage bleiben. Ich sagte dem Busfahrer, was ich vorhatte, und er knöpfte mir 30 Kronen (10 DM) ab. Ich bat ihn, mir Bescheid zu sagen, wenn wir am Campingplatz in Løn sind.
Wie die Fahrt verlief, konnte ich auf der Karte nicht nachvollziehen. Kurz vor Stalheim ging es eine Serpentine den Berg hinauf, die es in sich hatte. Der Bus nahm wohl auf einmal 400 bis 500 Höhenmeter. Das Gekurve war beeindruckend, und es ging oft ganz knapp am Abgrund vorbei. Weil ich den Überblick über die Strecke verloren hatte, glaubte ich schon, der Busfahrer hätte mich vergessen. Es regnete inzwischen stark, und ich war froh, im Bus zu sitzen.
Der Fahrer hatte mich nicht vergessen, und um 9:50 Uhr war ich in Lon. Obwohl es regnete, stieg ich guter Dinge aus. Auf dem Campingplatz stellte ich fest, dass er geschlossen war. Jetzt sah ich ganz schön dumm aus. Ich beschloss, weiter nach Voss zu fahren, wo ich ohnehin noch hinwollte.
Ein Einheimischer sagte mir, der nächste Bus komme um 10:40 Uhr. Ich ging noch ein paar Meter weiter, aber nur bis zur nächsten Haltestelle. Zu allem Überfluss riss, als ich den Rucksack aufnahm, ein Trageriemen, und es regnete noch stärker. Was sollte ich machen? Ich begann kurzerhand, den Rucksack zu flicken, und hatte ihn um 10:40 Uhr den Umständen entsprechend hergerichtet. Dann wartete ich auf den Bus. Er kam aber nicht. Ich vermute, dass er an mir vorbeigefahren ist, während ich vor mich hin nähte. Sicher bin ich nicht.
Der Bus, mit dem ich schließlich fuhr, kam um 11:20 Uhr. Die Fahrkarte nach Voss (gesprochen „Woss“) kostete 12 Kronen (4 DM). Beim Ticketkauf war das mit dem Namen noch lustig gewesen: Ich hatte „Voss“ gesagt, was sich wie „Wasserfall“ anhört, und der Fahrer wollte wissen, zu welchem Wasserfall ich wollte. Nachdem ich erklärt hatte, was ich meinte, sagte er mir, ich hätte „Woss“ sagen müssen, um den Ort konkret zu benennen.

In Voss ging es darum, eine Jugendherberge zu finden. Erst nach dem Besuch im Informationsbüro und dem Studium des Stadtplans fand ich die blöde Jugendherberge. Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich, es wäre ein Hotel, und selbst nachdem ich das Jugendherbergszeichen gesehen hatte, hatte ich noch meine Zweifel. Es war tatsächlich eine Jugendherberge.
Den ersten Schock bekam ich beim Bezahlen: 72 Kronen (24 DM) pro Nacht ohne Frühstück. Das Frühstück kostete noch einmal 37 Kronen (12 DM), das ließ ich weg, es war mir einfach zu viel. Fürs Mittagessen wollten sie 42 Kronen (14 DM), fürs Abendessen noch einmal 50 Kronen (16 DM). Ich entrichtete meinen Obolus für zwei Nächte: 144 Kronen.

An der Rezeption lernte ich zwei nette Deutsche kennen, Marco und Jassin. Marco stammte aus Osnabrück und studierte wie Jassin, der aus Berlin kam, in Berlin. Ich ging mit ihnen in die Stadt, wir kauften etwas zu essen, und dank Jassin bekam ich endlich mal richtige Milch.
Auf meinem Zimmer saß ein alter Mann. Er erzählte mir, er sei aus Israel, 78 Jahre alt und komme schon seit zehn Jahren nach Skandinavien. Ich unterhielt mich sehr lange mit ihm. Danach ging ich in den Aufenthaltsraum, wo ich Jassin traf, der dort etwas las, und auch mit ihm redete ich lange. So verbrachte ich den Abend.
Kurz vor dem Schlafengehen ging ich mit Uri, so hieß der Israeli, in die Sauna. Er erzählte mir, dass er am nächsten Tag nach Ulvik fahren würde, und da ich nichts Besseres vorhatte, sagte ich ihm, ich käme mit. Marco und Jassin wollten am nächsten Tag nach Flåm. Wir würden uns aber nach ihren Worten wahrscheinlich in Oslo wiedertreffen, wo ich ab Donnerstag bin.