Japan – Shigi-san (信貴山) – Die Wiedervereinigung mit seiner Schwester

Vor vielen Jahren, noch bevor man auf dem Berg Shigi von Wundern sprach, lebte Myoren als jüngerer Bruder in einem kleinen Dorf in der Provinz Yamato. Seine Eltern waren früh gestorben, und es war seine ältere Schwester gewesen, die ihn aufzog. Sie arbeitete auf den Feldern, nähte Kleidung, kochte einfache Mahlzeiten – und achtete stets darauf, dass ihr Bruder genug aß, genug lernte und seinen ruhigen, nachdenklichen Gedanken nachgehen konnte. Japan – Shigi-san (信貴山) – Die Wiedervereinigung mit seiner Schwester weiterlesen

Japan – Shigi-san (信貴山) – Die reisende Reisschale vom Shigi-san

Vor langer Zeit lebte hoch oben auf dem Berg Shigi ein Mönch namens Myoren. Seine Hütte war klein, aus Holz gezimmert und vom Wind umtost. Im Winter kroch die Kälte durch die Ritzen der Wände, im Sommer flirrte die Hitze über den Steinen des schmalen Bergpfades. Doch Myoren beklagte sich nie. Er hatte der Welt entsagt, um in Stille zu beten und sein Herz zu läutern. Besitz bedeutete ihm nichts. Japan – Shigi-san (信貴山) – Die reisende Reisschale vom Shigi-san weiterlesen

Japan – Mystische Begegnungen auf Koya-san (高野山)

Lesung aller Kapitel

Auf dem heiligen Berg Koya-san führen Nebel, uralte Zedern und schweigende Tempel durch fünf geheimnisvolle Begegnungen: eine Nebelgestalt am Ichinohashi-Tor, flüsternde Wälder, ein wandernder Samurai, nächtliche Mönchsgesänge und leuchtende Geisterlichter. Jede Geschichte verbindet Stille, Ehrfurcht und das Unsichtbare zu einer atmosphärischen Reise zwischen Diesseits und Jenseits.

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Japan – Herr des Donners, Hüter des Landes

Lange bevor Kyoto zur Kaiserstadt wurde, als die Ebenen noch still waren und die Berge als Wohnorte der Götter galten, lebte am klaren Wasser des Kamo-Flusses eine Frau von edler Herkunft: Tamayorihime-no-Mikoto. Sie war bekannt für ihre Reinheit, ihre spirituelle Kraft und ihre Nähe zu den Kami. Japan – Herr des Donners, Hüter des Landes weiterlesen

Japan – Zwei Drachen zwischen Himmel und Erde im Kennin-ji Tempel (建仁寺)

Man sagt, dass es Tage gibt, an denen Kyoto ganz still wird.
Nicht leer.
Nur aufmerksam. Japan – Zwei Drachen zwischen Himmel und Erde im Kennin-ji Tempel (建仁寺) weiterlesen

Japan – Miyazaki – Das verlassene göttliche Kind

Die Höhle von Udo lag hoch über dem Meer, verborgen im Fels, dort, wo Land und Wasser sich berühren. Unter ihr schlugen die Wellen gegen den Stein, doch in der Grotte selbst herrschte eine eigentümliche Stille, als hielte die Welt den Atem an. Hier hatte Toyotama-hime, Tochter des Meeresgottes Watatsumi, ihr Kind geboren. Japan – Miyazaki – Das verlassene göttliche Kind weiterlesen

Japan – In einer Küstengrotte

Der Wind roch nach Salz und füllte die Luft mit dem tiefen Murmeln des Meeres. Dort, wo die Brandung wie Atemzüge der Erde gegen die Felsen schlug, öffnete sich eine dunkle Höhle im Kliff — eine Grotte, die nur bei Ebbe ganz zugänglich war. Möwen kreisten über ihr, als hätten sie bereits geahnt, dass sich in dieser Stunde etwas Bedeutendes ereignen würde. In alten Berichten aus Izumo heißt es, dass solche Felsgrotten oft Orte der Begegnung zwischen Menschen und Göttern waren, Schwellenräume zwischen der Meereswelt und der Welt der Kami. Japan – In einer Küstengrotte weiterlesen

Japan – Miyajima – Die Göttin Benzaiten und der Drache

In sehr alter Zeit, als die Insel Miyajima noch ein stiller Ort voller dichter Wälder und klarer Quellen war, lebten die Menschen eng mit dem Meer zusammen. Sie fischten, bauten kleine Boote und brachten jeden Morgen Opfer an die Schreine der Insel, denn sie wussten, dass das Meer ebenso freundlich wie gefährlich sein konnte. Japan – Miyajima – Die Göttin Benzaiten und der Drache weiterlesen

Japan – Der Fuchs von Fushimi Inari

Am Fuß des heiligen Berges Inari, dort, wo die unzähligen roten Torii wie ein endloser Tunnel in die Berge steigen, lebte einst eine junge Frau namens Yone. Ihr Mann war früh gestorben, und das wenige Land, das er hinterlassen hatte, war von einer langen Dürre verdorrt. Japan – Der Fuchs von Fushimi Inari weiterlesen

Japan – Die Legende von Tatsuko – Die Frau, die ein Drache wurde

Vor langer Zeit lebte in den Bergen von Akita eine junge Frau namens Tatsuko, deren Schönheit nur von der Sanftheit ihres Herzens übertroffen wurde. Trotz aller Bewunderung, die ihr entgegengebracht wurde, fühlte sie sich innerlich unruhig, als würde ein Teil ihres Lebens noch im Verborgenen liegen. Eines Nachts erschien ihr ein göttlicher Bote im Traum und wies sie an, einer Quelle im Norden zu folgen, die ihr geben könne, wonach sie sich sehne. Getrieben von einer Mischung aus Hoffnung und Sehnsucht wanderte Tatsuko in die Berge, bis sie die geheimnisvolle Quelle fand. Als sie von ihrem Wasser trank, überkam sie ein Durst, der nicht nur ihren Körper, sondern ihre Seele ergriff. In diesem Moment begann sie sich zu verwandeln. Ihre Gestalt streckte sich, ihre Haut schimmerte, und sie wurde zu einem Drachen, einem ewigen Geist des Wassers. Japan – Die Legende von Tatsuko – Die Frau, die ein Drache wurde weiterlesen