In der letzten Nacht schlief ich mal wieder ausgesprochen schlecht. Irgendwann ging ich vors Zelt und konnte feststellen, dass wir eine sternenklare Nacht hatten.
Erfreut stellte ich fest, dass mein Zelt noch trocken war. Später wurde es aber wieder feucht.
Etwa gegen 8 Uhr 15 machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Ihn erreichte ich 8 Uhr 50. Nun galt es herauszufinden, wo der „Bernina-Express“ abfuhr. Auf den offiziellen Fahrplänen war dieser Zug nicht verzeichnet. Zuerst wollte ich zur Bahnhofsinformation gehen, doch das konnte ich mir sparen, denn eine Reisegruppe fuhr ebenfalls mit dem „Bernina-Express“. Ich brauchte mich nur ihnen anzuschließen.
Als der Zug erreicht war, war dieser erfreulich leer und ich konnte meinen Sitzplatz frei wählen. Je näher es auf den Zeitpunkt der Abfahrt zuging, um so voller wurde der Zug.
Pünktlich verließ der Zug Sankt Moritz in Richtung Pontresina. Auf der Strecke bis Pontresina entdeckte ich eine Kirche. Ich hätte sie sehr gerne fotografiert, aber die Fahrt ging so schnell, dass ich mich darauf beschränkte sie zu betrachten.
In Pontresina stiegen nochmals etliche Leute zu. Auch in meinem Abteil füllten sich die Plätze. Unter anderem setzte sich eine ältere Dame mir gegenüber. Sie begann sogleich ein Gespräch und erklärte mir die Berge. Ferner zeigte sie mir einiges, was man nicht ohne weiteres gesehen hätte.
Kurz nach Pontresina kamen wir zum Morteratsch-Gletscher, der beim Piz Bernina und anderen hohen mit Schnee bedeckten Bergen endete. Diese weiße Pracht und der blaue Himmel waren wirklich beeindruckend.

Vom Gletscher ging es in Kehren einen Berg hinauf bis zum Bianco-See, der auf 2181 Meter lag. Hier oben hatte es die Natur noch nicht geschafft viele Blumen zum Erblühen zu bringen. Nur gelegentlich sah man kleinere Blumenfelder.
Der See war größtenteils noch zugefroren. An jenen Stellen, an denen der See schon ein paar Mal aufgebrochen und später wieder zugefroren war, hatten sich eindrucksvolle Muster gebildet.
Der See zusammen mit den Bergen, die ihn umrahmten, bildeten ein harmonisch schönes Bild.
Über diese Hochebene ging es bis zur Alp Grüm. An der Alp begann die Fahrt ins Tal. Während dieser Fahrt hatte ich einen herrlichen Blick weit in das Tal hinein. Weit unten sah ich den Ort Poschiavo liegen. Poschiavo war vor 2 Jahren durch ein Unwetter stark zerstört worden. Die Instandsetzungsarbeiten waren selbst heute noch im Gange.
Kurz nach Poschiavo stieg die ältere Dame aus. Sie wollte, wenn ich später aus Tirano zurückkam, wieder zusteigen und dann mit mir etwas auf der Alp Grüm essen. Sie hatte mich dazu eingeladen.
Die weitere Fahrt war nicht weniger interessant. Besonders an einer Stelle wunderte ich mich. Der Zug fuhr nämlich einmal im Kreis. Hier war das Tal wohl so schmal, dass den Erbauern der Bahnlinie nichts anderes übrig geblieben war, als diesen Weg zu wählen. Zuerst fuhr der Zug über eine Brücke und nach einer 360-Grad-Kurve fuhr der Zug unter dieser Brücke hindurch.
Kurz vor 12 Uhr war ich in Tirano (Italien), obwohl ich gehört hatte, es solle sich nicht lohnen. Aber so recht mochte ich es nicht glauben, denn überall findet man schließlich etwas Sehenswertes.
Doch die Gerüchte bestätigten sich. Der Ort war nicht besonders schön und etwas Interessantes zum anzusehen fand ich auch nicht.
Aus diesem Grunde nutzte ich den Aufenthalt, um etwas italienische Wurst zu kaufen, und um mein restliches italienisches Geld unter die Leute zu bringen.
Um 11 Uhr 40 ging es wieder zurück in Richtung Schweiz.
Wie steil es zwischen Tirano und dem Berninapass hinaufging, merkte ich erst jetzt. Die Bahn hatte ganz schön zu ackern.

In Poschiavo stieg die Dame (Frau Isler) zu und wir fuhren bis zur Alp Grüm. Was ich an dieser Frau bewunderte, war die Tatsache, wie sie sich an der Natur freute. Sie sah die bautechnischen Missetaten einfach nicht, sondern nur das Schöne, das dazwischen übrig war.
Auf der Alp Grüm aßen wir gemeinsam. Auch wenn es mir etwas peinlich war, dass sie mich einlud, freute ich mich über diese nette Geste.
Es war 15 Uhr 30 als wir uns auf die Rückfahrt machten. Auf der Fahrt nach Tirano hatte ich keine Fotos gemacht. Das holte ich jetzt nach.
Leider war der Morteratsch-Gletscher nicht mehr so schön wie am Morgen, denn an den Bergen klebten dicke weiße Wolken und es gab keinen Kontrast zwischen dem Gletscher, den Bergen und dem Himmel.
In Pontresina verabschiedete ich mich von Frau Isler.

In Sankt Moritz angelangt, ging ich zuerst zur Post, um ein paar Postkarten loszuwerden. Anschließend kam ich an dem Eisstand vom Sonntag vorbei und konnte es mir nicht verkneifen nochmals ein Eis zu kaufen. Auch heute schmeckte es vorzüglich.
Auf dem weiteren Weg machte ich kurz halt, um Wurst und Käse und so weiter zu erwerben. Als ich den Laden verließ, hatte ich 40 Schweizer Franken (etwa 45 Mark) ausgegeben. Es reute mich jedoch nicht.
In Bad Sankt Moritz (Es gibt Sankt Moritz Ort und Sankt Moritz Bad, es sind zwei Orte) gab ich mein Messer zum Gravieren ab. Dummerweise war ich so spät, dass ich es dort lassen musste. Da schaute ich schön dumm, denn wie sollte ich nun heute Abend etwas schneiden.
Beim Zeltplatz angelangt, waren gerade die beiden älteren Herrschaften angekommen. Mit ihnen sprach ich eine Weile. Es war nur eine kurze Stippvisite von ihnen. Sie ließen mir dieses Mal eine Tafel Schokolade hier.
Als sie weg waren, ging ich zur Anmeldung und holte mir eine Flasche Limo und lieh mir ein Messer. Dadurch war mein Abendessen gerettet.
Den restlichen Abend blieb ich beim Zelt. Ich las und schrieb ein wenig. Ferner plante ich eine Wanderung für den nächsten Tag.
Irgendwann legte ich mich schlafen.





