Urlaub 2 (1989) – Tag 24 – Schweiz – Sankt Moritz – Leckeres Eis gegessen

Sonntag ist nicht nur der Tag, an dem die Arbeit ruhen soll, sondern es sollte auch mein Ruhetag werden. Heute wollte ich meinem Knie etwas Erholung gönnen. Es schmerzte und die Fahrt aus Sardinien steckte mir ebenfalls noch in den Knochen.

Daher ließ ich es 9 Uhr 30 werden, bis ich aus meinem Zelt kroch. Die Sonne machte nun das wieder gut, was ich in der Nacht an Behaglichkeit und Wärme entbehrt hatte. Letzte Nacht war es zwar nicht so kalt gewesen, wie in der Nacht zuvor, dennoch fror ich schrecklich. In der Nacht hatte ich immer mehr Sachen angezogen, um mich vor den Temperaturen zu schützen.

Jetzt aber, wo die Sonne schien, fühlte ich mich wohl.

Heute war meine erste Tat einen Plan zu entwerfen, in dem ich festlegte, wie ich zurück nach Hause fahren könnte. Die Route stand schon länger fest. Es sollte von Sankt Moritz über Chur nach Basel gehen. Von dort nach Colmar. In Colmar wollte ich einen kurzen Aufenthalt einlegen, um anschließend weiter nach Straßburg zu fahren. Von Straßburg sollte es über Brüssel nach Köln und weiter nach Bonn gehen. Nun brauchte ich aus meinem Fahrplanheft nur noch die Abfahrtszeiten herauszusuchen.

Ich musste dabei feststellen, dass diese Route nicht an einem Stück zu fahren war. Daher entschied ich mich, in Colmar eine Nacht zu bleiben. Nun blieb nur zu hoffen, dass ich in Colmar die Jugendherberge benutzen darf. (Ich war ja ohne Jugendherbergsausweis). Andernfalls müsste ich mich nach einer anderen Unterkunftsmöglichkeit umsehen. Diese würde aber ungleich teurer werden. Dies Problem schob ich aber erstmal beiseite.

Gegen 10 Uhr standen die Schotten auf und begannen ihr Zelt abzubauen. Ich nutzte die Gelegenheit, um in ihr weitaus ausführlicheres Fahrplanbuch zu sehen.

Weiter fiel ich ihnen nicht auf die Nerven, denn ich weiß, wie es ist, wenn man dabei ist, seine Sachen im Rucksack zu verstauen.

Um 11 Uhr waren die beiden fertig und verabschiedeten sich von mir.

Anschließend lungerte ich bis ungefähr 12 Uhr am Zelt herum. In dieser Zeit entschloss ich mich, nach Sankt Moritz hineinzugehen. Ich wollte unter anderem feststellen, wie lange ich bis zum Bahnhof bräuchte. Ich ging gemütlich und merkte, dass es rund 40 Minuten Weg waren.

Am Bahnhof besorgte ich mir Informationen über einen Zug, der „Bernina-Express“ heißt. Von diesem Zug hatte ich am Vortag von den älteren Herrschaften gehört. Diese Linie führte von Sankt Moritz über den Berninapass nach Tirano (Italien) und zurück.

Nachdem ich die Informationen hatte, holte ich mir im Bahnhof in der Wechselstube etwas Geld.

Vom Bahnhof ging ich durch Sankt Moritz. Aber ich muss sagen, beeindruckt war ich von dem Ort nicht. Er war eher nichtssagend. Als es mir zu blöd wurde hier herum zu laufen, setzte ich mich in ein Lokal und gönnte mir einen großen Salatteller und eine Flasche Mineralwasser. Den Preis erwähne ich besser nicht.

Nachdem ich gespeist hatte, machte ich mich auf den Rückweg zum Zeltplatz, denn es sah nach Regen aus. Der Himmel hatte sich verdächtig zugezogen.

Auf dem Rückweg konnte ich es mir nicht verkneifen an einem Eisstand halt zu machen. Jedes Bällchen kostete zwar 2,50 Schweizer Franken (etwa 2,80 Mark), aber das Eis war so lecker, dass mich kein Franken reute.

Gegen 16 Uhr oder 16 Uhr 30 war ich wieder am Zeltplatz. Hier machte ich bei einem deutschen Ehepaar halt, bevor ich zu meinem eigenen Zelt ging, denn ich hatte ihnen meine Wanderkarte geliehen.

Sie waren beim Hahnensee gewesen. Sie erzählten mir, dass es von dort einen herrlichen Blick auf Sankt Moritz geben soll. Im Übrigen sollte man von dort den Zeltplatz sehen können.

Ich nahm ihre Erzählung so hin. Für mich kam eine Wanderung oder ein Spaziergang nicht in Frage. Ich hatte keine Lust dazu.

Kurz vor 17 Uhr ging ich zu meinem Zelt. Ich fühlte mich nicht ausgelastet und wollte deshalb einen winzigen Spaziergang machen.

Die Sonne, die mittlerweile wieder vom Himmel brannte, forderte einen regelrecht dazu auf.

Ich verließ den Zeltplatz in Richtung Olympiaschanze, die nur 2 Minuten entfernt lag. Ich ging an ihr vorüber und weiter in Richtung Silvaplana. Nach 10 Minuten Spaziergang sah ich ein Schild, das den Wanderer in Richtung Hahnensee lockte. Ab diesem Schild sollte es ein einstündiger Fußmarsch sein. Ich ließ mich verführen und begann den Weg in einem strammen Tempo hinaufzugehen. Gelegentlich lief ich auch etwas. Nach 28 Minuten war ich beim See und der Ausblick auf Sankt Moritz und die Berge war wirklich wunderschön.

Die Sonne schien so herrlich warm, dass ich mich auf eine Bank legte und etwas in der Sonne badete.

Um 18 Uhr ging es wieder hinunter. Diesmal wollte ich noch mehr laufen. Nach rund 20 Minuten war ich beim Zeltplatz. Da ich einen anderen Weg nach unten eingeschlagen hatte, kam ich beim Schanzenanlauf der Olympiaschanze vorbei. Von hier ging ich an der Landefläche der Skispringer entlang. Das war mir aber zu steil. Daher nahm ich einen Weg der in Kehren neben der Schanze nach unten führte. Wie steil der Hügel war, auf dem die Skispringer landen, verwunderte mich von neuem.

Beim Zelt hielt ich mich erst draußen auf. Als es mir zu kühl wurde, ging ich hinein und zündete mir ein paar Kerzen an, damit es etwas wärmer würde. Der einzige Erfolg, den diese Aktion hatte, war, dass ich mir durch eigene Schusseligkeit ein Loch in das Innenzelt brannte. Ich flickte es notdürftig. Es sah verboten aus. Recht ärgern konnte ich mich nicht. Ich wunderte mich nur über so viel Doofheit.

Relativ früh legte ich mich hin, denn am nächsten Tag wollte ich mit dem „Bernina-Express“ fahren.

Der Zug sollte um 9 Uhr 12 abfahren, daher musste ich am nächsten Tag um 7 Uhr 45 aufstehen, um den Zug rechtzeitig zu erreichen.