Urlaub 2 (1989) – Tag 19 – Sardinien – Alghero – Vorwürfe Essen verschenkt zu haben

Was mich an diesem Morgen am meisten freute, war die Tatsache, dass es im Zelt noch wunderbar kühl war, obwohl es auf 9 Uhr 30 zuging.

Nachdem ich aufgestanden war und vor dem Zelt stand, wehte mir eine kräftige und angenehm kühle Brise um die Nase. Ich packte ein paar Sachen, die ich zu waschen hatte und meine Waschutensilien und machte mich auf den Weg zu den Sanitäranlagen.

Dort angelangt inspizierte ich die Duschen. Selbst auf diesem Zeltplatz, der stattliche 9300 Lire (etwa 14 Mark) kostete, gab es, wie ich feststellte, kein warmes Wasser. Nach dieser Feststellung machte ich mich daran, mich für diesen Tag frisch zu machen.

Danach wollte ich meine Sachen waschen. Nach dem Waschen meiner Kleidung, fand ich einen meiner Socken nicht mehr. Auch intensives Suchen half nichts. Das Ding tauchte einfach nicht auf. Ich musste den Socken wohl unter Verlust verbuchen.

Das hatte zur Folge, dass ich mir heute wohl oder übel neue Socken kaufen musste. Ich besaß zwar noch 2 Paar Wanderstrümpfe, aber mit denen wollte ich nicht durch die Gegend laufen.

Als die Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt war, setzte ich mich neben das Zelt, um etwas zu lesen und zu schreiben.

Ich hatte mich gerade zum Schreiben hingesetzt, als Hans-Jürgen vom Bahnhof zurückkam. Er war nämlich in aller Frühe dorthin aufgebrochen, um zu erfragen, wann wir Alghero mit dem Zug verlassen könnten.

Hans-Jürgen hatte alle nötigen Informationen erhalten. Er teilte mir alles kurz mit, verschwand aber gleich wieder, um etwas Essbares zu beschaffen.

Bis heute hatten wir nicht herausgefunden, wo man in Italien Brot bekommt und vor allem wie man es nennt. Daher wandte ich mich, nachdem Hans-Jürgen zum Einkaufen gegangen war, an unseren Zeltnachbarn.

Ich ging zu ihm und da ich meinte, er sei kein Deutscher, sprach ich ihn englisch an. Nach ein paar kleineren Sprachproblemen, stellte sich heraus, dass er Deutscher war. Nun klappte der Informationsaustausch erheblich besser. Ich erfuhr von ihm, wo man Brot bekam. Brot wie bei uns gibt es nicht, nur so etwas wie Baguettebrötchen oder süße Kekse.

Ferner erfuhr ich von ihm, dass Alghero eine nette Altstadt habe und es in einiger Entfernung ein paar Grotten gibt.

All diese Informationen ließen in mir den Entschluss reifen noch einen Tag hier zu bleiben. Nur wie sollte ich das Hans-Jürgen begreiflich machen. Aus diesem Grunde ließ ich mir etwas einfallen, mit dem ich ihn überreden könnte.

Mein Einfall bestand darin ihm vorzuschlagen noch einen Tag hier zu bleiben, dann aber an einem Stück nach Sizilien zu fahren.

Während ich Hans-Jürgen meinen Vorschlag unterbreitete, verdüsterten sich seine Gesichtszüge zusehends. Er war augenscheinlich von der Vorstellung noch hier zu bleiben nicht begeistert. Dies änderte sich, als er hörte, dass wir in einem Stück bis Sizilien fahren würden.

Hans-Jürgen und ich setzten uns zu dem Deutschen (er heißt Alfons und wohnt in Berlin), frühstückten und unterhielten uns.

Um 12 Uhr 30 gingen Hans-Jürgen und ich in die Stadt. Zuerst schauten wir beim Fremdenverkehrsamt vorbei. Hier erfragte ich die Abfahrtszeiten des Busses zu den Grotten. Der nächste Bus sollte um 14 Uhr 50 fahren.

Im Fremdenverkehrsamt war es recht lustig, denn der Mann von dem wir die Informationen erhielten, hatte sich kräftig einen hinter die Binde gekippt.

Vom Fremdenverkehrsamt gingen wir durch die Stadt. Wegen der Helligkeit (ich hatte erhebliche Augenschmerzen dadurch) hatte ich mich dazu entschlossen bei einem der Straßenhändler eine Sonnenbrille zu kaufen.

Nachdem mir einer über den Weg lief – das war wirklich nicht schwer – suchte ich mir eine Brille aus. (Dabei tat ich mich schon schwer). Nun ging es darum den Preis auszuhandeln. Das war etwas, was mir nicht lag. Nun musste ich aber da durch. Er wollte für die Brille 25.000 Lire haben. Nach einigem Hin und Her trafen wir uns bei 15.000 Lire. Ich hatte jetzt meine Brille und der Händler eine Menge Geld.

Anschließend starteten wir die Suche nach dem Postamt. Das war etwas schwieriger als das Handeln, aber schließlich fanden wir es.

Dem Schalterbeamten drückte ich meine Postkarte nach Japan in die Hand, damit er sie richtig frankieren sollte. Als er lumpige 500 Lire (etwa 80 Pfennig) aufklebte, schien es mir das etwas zu wenig. Ich konnte dem Mann meinen Unglauben, dass es so billig sein soll, nicht begreiflich machen. Ich hoffte nur, dass die Karte ankäme.

Nun war es an der Zeit sich um den Bus zu den Grotten zu bemühen. Die Bushaltestelle hatten wir schnell gefunden. Nur wo es die Fahrkarten geben sollte, wussten wir nicht. Durch Zufall lernte ich während der Suche an einem Zeitungskiosk eine Gruppe Süd-Tiroler kennen. Sie wollten auch zu den Grotten (Da Süd-Tiroler Italienisch sprechen, dachte ich, das wäre eine gute Hilfe).

Diese Bekanntschaft nützte uns aber nichts. Wir erhielten weder die Fahrkarten, noch bekamen wir den Bus zu den Grotten. Der Bus war nämlich mal nicht pünktlich oder gar zu spät abgefahren, sondern mindestens 15 Minuten zu früh. Dadurch wurde nichts aus der Fahrt zu den Grotten. Hans-Jürgen ärgerte sich sehr darüber.

Ersatzweise gingen wir eine Wechselstube suchen, in der Hans-Jürgen Geld wechseln konnte. Nachdem wir eine gefunden und Hans-Jürgen sein Geld gewechselt hatte, gingen wir in das Aquarium von Alghero. Dieser Besuch war unser zweiter Reinfall an diesem Tage. Die 5.000 Lire, die wir für den Eintritt gezahlt hatten, waren rausgeschmissenes Geld.

Nach dem Aquariumsbesuch öffneten gerade die ersten Geschäfte. Unter anderem auch ein „großes“ Warenhaus.

Hier erstand ich nach langem Suchen ein paar Strümpfe.

Nachdem wir festgestellt hatten, dass es in diesem Warenhaus auch eine Lebensmittelabteilung gab, kauften wir ein paar Lebensmittel.

Nach dem Einkaufen setzten wir uns in die Sonne und genossen ein paar von den gekauften Gegenständen.

Es ging auf 18 Uhr zu, als wir uns entschlossen, zurück zum Zeltplatz zu gehen. Auf dem Rückweg kamen wir an einer Bäckerei vorbei. Ich ging hinein und erwarb Brötchen und eine kleine Leckerei.

Auf dem Zeltplatz angelangt trafen wir Alfons im zeltplatzeigenen Lokal. Wir setzten uns zu ihm, unterhielten uns, und ich bezahlte die Zeltplatzgebühr (18600 Lire pro Person). Ich erstand auch 2 Duschmarken (600 Lire pro Stück), denn ich hatte das Verlangen nach einer schönen heißen Dusche. Ferner rief ich kurz zu Hause an.

Während der Unterhaltung mit Alfons entschlossen wir uns, an diesem Abend gemeinsam etwas zu kochen.

Nachdem Hans-Jürgen und ich geduscht und Alfons ein Zelt von Bekannten abgebaut hatte, sollte es Nudeln mit Tomatensauce geben.

Die Nudeln waren fast fertig, als mir der Bottich umkippte und die Nudeln im Dreck landeten. Aus war der Traum vom Nudelglück. Ersatzweise gab es Wurst, Käse, Thunfisch und Paninis (die Brötchen). Ein schwacher Trost.

Es wurde fast 23 Uhr 30 bis wir in die Falle kamen. Auch heute schlief ich sofort ein.

Nachtrag:

Nachdem wir gegessen hatten und Hans-Jürgen und ich zurück bei unserem Zelt waren, begann er mir vorzurechnen, wie viele Paninis Alfons gegessen hatte. Hans-Jürgen stellte sich auf den Standpunkt, da ich Alfons eingeladen hatte, würden die Brötchen ausschließlich von meiner Hälfte unseres Vorrates abgezogen.

Über so viel Geiz konnte ich mich nicht mal ärgern.