Heute sollte es mit unserer Tour weitergehen. Dennoch konnte ich mich nicht dazu überwinden vor 9 Uhr aufzustehen.
Das hatte zur Folge, dass es 10 Uhr 30 wurde, bis wir schließlich losgingen. Wir hatten heute einiges vor uns, denn wir mussten über eine Hauptstraße von Porto Pozzo bis Palau (12 Kilometer) laufen. Die Tatsache, dass wir laufen mussten, war nicht so tragisch, eher der Verkehr, den man an solch einer Straße zu erwarten hatte.
Während wir gingen, hielt sich der Verkehr zum Glück in Grenzen, dennoch war das Laufen auf einer Teerpiste nicht sehr angenehm. Auch die Landschaft hatte nicht viel an Abwechslung zu bieten.
Gegen 12 Uhr 30 war die Lauferei über die Straße beendet, denn wir waren in Palau angelangt.

Direkt beim Ortseingang befanden sich Gleise, und wir konnten auch so etwas wie einen Bahnhof sehen. Da ich einigermaßen geschafft war, ließ ich Hans-Jürgen zum Bahnhofsgebäude gehen. Ich beschränkte mich darauf auf die Rucksäcke aufzupassen und seine Rückkehr abzuwarten.
Nach ein paar Minuten war Hans-Jürgen zurück und meinte, der Bahnhof würde ziemlich öde und verlassen aussehen. Daraus schlossen wir, dass es noch einen anderen geben müsste. Daher gingen wir weiter in den Ort.
Mehr durch Zufall entdeckte ich die Touristeninformation. Hier erfuhren wir, wo der Bahnhof zu finden sei. Bis wir ihn aber fanden, verging etwas Zeit. Der Bahnhof war nämlich nicht ohne weiteres zu erkennen. Er sah aus wie ein normales Wohnhaus. Nur an einem winzigen Schild (15 mal 30 Zentimeter) war zu erkennen, dass es sich bei diesem Haus um den Bahnhof handelte.
Als wir schließlich beim Bahnhof waren, hatte der „Beamte“ gerade den Laden dicht gemacht. Wir setzten uns vor das Gebäude in die Sonne und hofften, dass heute noch ein Zug fahren würde.
Gegen 15 Uhr 30 kam der „Bahnhofsvorsteher“ zurück. Jetzt konnten wir in den Bahnhof und nachsehen wohin – wenn überhaupt -, wann Züge fahren würden. Hans-Jürgen brachte in Erfahrung, dass ein Zug nach Sassari fuhr. Ein Blick auf die Landkarte und uns war klar, dass es ein schlechter Ort für uns wäre, denn weit und breit gab es keinen Zeltplatz. Nach kurzem, aber intensivem Studium der Landkarte fanden wir heraus, dass der Ort Alghero für uns besser wäre, denn dort gab es einen Bahnhof und einen Zeltplatz. Was mich am meisten freute, war die Tatsache, dass wir heute noch mit dem Zug bis Alghero fahren konnten. Wir brauchten in Sassari nur umzusteigen.
Etwas erschrocken war ich über die Dauer der Fahrt. Wir sollten für rund 100 Kilometer (bis Alghero) 5 Stunden unterwegs sein.
Vom Bahnhofsvorsteher (Er war auch gleichzeitig Schalterbeamter) erfuhr ich, dass auf dieser Strecke unser Interrail-Ticket keine Gültigkeit hatte. Wir mussten die gesamte Strecke bezahlen. Es war etwas ärgerlich, aber nicht tragisch. (Hans-Jürgen ärgerte es mehr). Die 5 Stunden Schunkelei sollte 11.000 Lire (etwa 17 Mark) kosten.

Kurz vor 16 Uhr 30 begann die Fahrt. Auf der gesamten Strecke änderte sich die Landschaft kaum. Um ehrlich zu sein, ich fand sie meist sehr trist. Das einzige was mir auffiel war die Tatsache, dass die Ortschaften erheblich größer ausfielen, als auf Korsika. Vielleicht waren die Orte auch nur so groß, weil hier die Eisenbahn entlangfuhr.
Gegen 20 Uhr 30 waren wir in Sassari. In Palau hatten wir keine Chance mehr gehabt etwas Ess- oder Trinkbares aufzutreiben, denn in Italien schließen die Geschäfte grundsätzlich um 13 Uhr und öffnen erst wieder um 17 Uhr. Aus diesem Grund hing uns der Magen in den Kniekehlen.
Den zehnminütigen Aufenthalt nutzte ich, um im Bahnhofskaffee eine Flasche Cola, eine Tüte Chips und zwei Packungen Biskuit zu kaufen. Etwas ordentliches wäre mir lieber gewesen, doch leider gab es nur diese tolle Sachen.
Schließlich ging es weiter und nach 45 Minuten Fahrt waren wir in Alghero.

Hier erwartete uns eine Überraschung. Ohne großes Hickhack wurden wir vom Zug in einen Bus gelotst. Es ging so schnell, dass wir beide nicht wussten, wie uns geschah. Als die Busfahrt nach ein paar Minuten beendet war, fand ich die Lösung. Der Bus brachte uns nur vom Bahnhof ins „Zentrum“ von Alghero.
Ich stürzte mich auf den Busfahrer, während Hans-Jürgen sich aus dem Bus zwängte und erkundigte mich wo der Zeltplatz sei.
Der Busfahrer machte mir klar, dass er in der Richtung lag, aus der wir gerade gekommen waren.
Er forderte Hans-Jürgen auf, wieder einzusteigen und dann brachte er uns ein Stück in die richtige Richtung. Als wir ausstiegen, zeigte er uns noch, wo der Platz sei.
Nun waren noch 1 bis 2 Kilometer zu laufen. Wir waren heil froh, als wir den Zeltplatz gefunden hatten. Wir konnten uns auch noch bei der Rezeption anmelden. Danach begann die Suche nach einem geeigneten Stellplatz.
Es war etwas schwierig, denn der Platz war nicht schlecht belegt. Schließlich fanden wir ein freies Plätzchen. Ich baute das Zelt auf, und während ich mich schon zum Schlafen hinlegte, stürzte sich Hans-Jürgen noch auf unsere Vorräte.





