Es war 4 Uhr 50, als uns der Schlafwagenschaffner weckte. Ich musste wohl doch noch eingeschlafen sein. Zuerst wollte ich mich wieder auf die andere Seite legen, um noch etwas weiter zu schlafen, da fiel mir aber ein, dass wir schon um 6 Uhr 25 in Paris sein würden. Deshalb stand ich auf und zog mich an.
Nach einem Blick aus dem Fenster musste ich feststellen, dass hier in Frankreich das Wetter nicht so gut war wie in Deutschland. Es war nebelig, und es sah nach Regen aus. Daher holte ich dickere Kleidung hervor.
Pünktlich kamen wir in Paris am Bahnhof „Gare du Nord“ an. Hier hieß es aussteigen und herausfinden, wie wir zum anderen Bahnhof „Gare de Lyon“ kämen. Wir gingen in die Bahnhofshalle und liefen dort etwas ziellos durch die Gegend, bis uns ein Mann ansprach. Er war sehr hilfsbereit. Er zeigte uns, wie wir zu fahren hätten und kaufte uns sogar die Fahrkarten. Dieser Mann war aber, wie wir später (zu spät) merkten, ein Betrüger, der die dummen Touris übers Ohr haute. Er zockte uns 100 Francs (etwa 30 Mark) ab. Es ging so schnell, dass ich (wir) es gar nicht merkte(n).
Was war passiert:
Der Mann zeigte mir sogar auf der Anzeige des Fahrkartenautomaten, dass eine Fahrt 38 Francs kosten sollte. Er schmiss Geld in den Automaten, aber der Automat schien sein Geld nicht zu mögen. Es kam wieder heraus. Er drückte erneut alle Tasten und kaufte die Fahrkarten. Anschließend sollte ich die Fahrkarten bezahlen. Ich zahlte mit einem 100-Franc-Schein und wir merkten erst hinterher, dass das 30 Mark waren.
Die Fahrt hätte in Wirklichkeit höchstens 20 Francs gekostet. Das ganze Manöver war so schnell gegangen, dass wir beide nicht merkten, wie uns geschehen war.
Sich über diesen Vorfall zu ärgern wäre sinnlos, denn es war schließlich unsere eigene Dummheit gewesen. Dieses Missgeschick wird mir eine Lehre sein. In Zukunft werde ich etwas misstrauischer und vorsichtiger sein.
Durch die „Hilfe“ dieses Mannes kamen wir zumindest ohne Probleme zum „Gare de Lyon“. Als wir dort ankamen, war es etwa 7 Uhr. Nun mussten wir bis 11 Uhr 42 warten, bis der Zug nach Marseille abfuhr.
Nur nach und nach fanden wir uns auf diesem Bahnhof zurecht. Er war größer, als er zunächst erschien. Der größte Bahnhof, den ich bis heute kannte, war der Kölner Bahnhof. Dieser Bahnhof übertraf den Kölner Bahnhof um einiges.
Die Zeit bis zur Abfahrt verging recht schnell, wir hatten uns nämlich vor dem Bahnhof in die Sonne gesetzt und dort ein Nickerchen gehalten.

Kurz bevor es endlich losgehen sollte, fiel allem Anschein nach die Anzeige für die Züge aus. Das war nicht so toll, denn es war die einzige Möglichkeit um herauszufinden, auf welchem Gleis der Zug abfahren würde. Zum Glück setzte sich die Anzeige rechtzeitig wieder in Gang.
Auf dem Bahnsteig, auf dem wir abfahren sollten, mussten wir einen ganz schön langen Weg zurücklegen (Wir mussten an rund 13 Waggons vorbeigehen), bis wir zu unserem Zug und unserem Abteil kamen. Hier standen nämlich gleich zwei Züge hintereinander.
Unsere Sitzplätze fanden wir ohne Probleme und auch das Verstauen der Rucksäcke bereitete keine großen Schwierigkeiten.
Pünktlich begann die fünfstündige Fahrt nach Marseille.
Es war eine ruhige Fahrt, die ich mit lesen, schreiben und schlafen verbrachte.

Um 15 Uhr 30 kamen wir in Marseille an. Zuerst suchten wir die Touristeninformation, die sich im Bahnhofsgebäude befinden sollte. Nach langem Mühen fanden wir sie schließlich. Wir mussten aber feststellen, dass sie geschlossen war. Jetzt war guter Rat teuer, denn wo sollten wir hingehen und noch dazu ohne Stadtplan. Aus dem Interrail-Buch, das Hans-Jürgen mitgenommen hatte, erfuhren wir, dass die „Haupttouristeninformation“ beim Hafen sein sollte. Mir fiel ein, dass in meinem Jugendherbergsverzeichnis manchmal kleinere Karten von Städten sind, damit man die Herbergen leichter findet. Ich hatte Glück, auch über Marseille war eine kleine Karte enthalten. Mit Hilfe dieser Karte und viel Fragerei kamen wir schließlich zum Hafen. Am Hafen begann eine ziel- und planlose Lauferei, da half es wenig, dass der Hafen mit all den vielen Booten und Menschen so imposant aussah.
Ich fragte Leute nach der Touristeninformation und mir wurde weitergeholfen. Wir fanden die Information nun ohne Probleme. In der Information holte ich eine Karte von Marseille und ein Verzeichnis über Schiffsverbindungen nach Korsika. Ich wäre recht gerne einen Tag in Marseille geblieben, um mir diese Stadt etwas näher anzusehen, aber Hans-Jürgen und die Schiffsverbindungen sprachen dagegen. So sollte die Fahrt heute weitergehen.
Eigentlich wollten wir mit einer Fähre nach Calvi fahren, aber aus dem Schiffsverbindungsverzeichnis erfuhren wir, dass innerhalb der nächsten Zeit nichts nach Calvi fuhr (weder von Marseille noch von Nizza). Aus der Information ging ferner hervor, dass uns nichts anderes übrig blieb, als nach Bastia zu fahren.
Bastia hatte als Ziel den Nachteil, dass es auf der falschen Inselseite lag. Da uns nichts anderes übrig blieb, entschieden wir uns das Schiff nach Bastia zu nehmen.
Das Schiff sollte um 20 Uhr abfahren. Bis zum Fährschiff war es nicht so weit, daher brauchten wir uns nicht abhetzen, um zum Schiff zu kommen. Nach einer Stunde Fußweg waren wir bei der Fähre.
Wir besorgten uns zwei Tickets (für uns beide kostete es 330 Francs [etwa 110 Mark]) und warteten bis wir an Bord gelassen wurden.

Um 19 Uhr 30 war es so weit, wir konnten das Schiff mit den anderen Passagieren in Beschlag nehmen. Wir suchten uns sogleich eine schöne Stelle an Bord. Hier konnten wir die letzten Strahlen dieses herrlichen Sonnentages genießen. Pünktlich um 20 Uhr legte das Schiff ab.
Leider stellten wir nun fest, dass unser Platz, den wir zum Entspannen gewählt hatten, nicht so toll war. Wir wurden nämlich mit Russflocken bombardiert. Wie die Kleidung aussah kann man sich vorstellen. Wir mussten uns nun einen besseren Platz suchen, da wir außen auf Bord schlafen wollten.
Nach einiger Lauferei hatten wir einen optimalen Platz gefunden. Wir begannen uns sogleich auszubreiten.
Gegen 21 Uhr holten wir die Schlafsäcke und die Isoliermatten heraus und machten uns für die Nacht fertig. Während wir alles vorbereiteten, wurden wir argwöhnisch aus vielen Augen beobachtet. Die Leute hielten uns bestimmt für etwas bescheuert.
Nachdem alles aufgebaut und ich im Schlafsack verschwunden war, dauerte es nicht lange, bis ich ins Reich der Träume entschwunden war.








