Gegen 9 Uhr bekam ich auf einmal einen ganz gewaltigen Schweißausbruch, denn mir wurde bewusst, dass es bei mir im Zelt sau heiß war. Zuerst versuchte ich es zu ignorieren, da ich sehr müde war. Es wurde jedoch immer schlimmer, und so musste ich wohl oder übel aus dem Zelt raus.
Der Tag bot sich mir mit einem strahlend blauen Himmel und einer kräftig scheinenden Sonne.
An diesem Morgen hatte ich noch allerhand zu erledigen, bis ich mich auf den Weg in die Stadt machte. Ich musste Klamotten waschen und diverse Gegenstände flicken. Das dauerte bis gegen 12:30 Uhr.
Ich war gerade im Begriff, in die Stadt zu gehen, als ein Auto mit deutschem Nummernschild ankam, das die Ortsbuchstaben „OE“ hatte. Wie sich herausstellte, waren sie aus der Gegend um Olpe. Ich verbrachte jedoch nicht viel Zeit mit der Unterhaltung, denn ich wollte noch in die Stadt. Zuvor bezahlte ich den Standplatz für 2 Nächte.
In der Stadt angekommen, wunderte und freute ich mich über die schönen alten Häuser. Es war eine sehr nette Stadt, auch wenn sie, so hatte mir die Norwegerin erzählt, rund 40000 Einwohner hat.
Ich sagte mir: Bevor ich ziellos in der Gegend herummarschiere, gehe ich erst einmal zum Informationsbüro.
Dort holte ich mir Auskünfte über Busverbindungen nach Geiranger und weiter nach Åndalsnes. Hier stellte sich heraus, dass ich zwar von Geiranger nach Åndalsnes mit dem Bus fahren kann, aber nicht über die sogenannten Trollstigen. (Das ist eine Serpentinenstraße, die es in sich hat und dazu noch gut aussieht. Es gibt dort unter anderem auch einen Wasserfall, der 300 m hoch ist) Der Bus über die Trollstigen fährt erst ab dem 15.06.1988
Von der Information startete ich einen kleinen Streifzug durch die Stadt. Am Ende dieses Rundganges landete ich in einem Museum, das sich mit allerhand Themen aus Norwegen, aber speziell mit Ålesund befasst. Es ging hier thematisch von einer Apothekenausstattung über Stadtgeschichte, Schiffbau, Fotografie usw. bis zur Einrichtung diverser Handwerkswerkstätten.
In diesem Museum gab es aber nur eine Sache, die mich wirklich interessierte, nämlich wie ich hier wieder herauskomme. Ach ja, da war noch etwas anderes, nämlich ein Rettungsboot von besonderer Bauart.
Das „Brude-Ei“
(Auszug aus der Informationsschrift des Museums)
Steuermann Ole Brude war viele Jahre zur See gefahren und hatte die Mängel herkömmlicher Rettungsboote zur Genüge beobachten können. Insbesondere bei stürmischer See hielten die offenen Boote kaum, was ihre Namen versprachen. Der Seemann versuchte sich deshalb an einer Version mit Überbau. Um die Seetauglichkeit zu beweisen, wollte Ole Brude mit einem solchen Rettungsboot den Atlantik überqueren. Am sibten August hieß es „Leinen los“ in Ålesund. Nach fünf Monaten hatten Kapitän Thorsen, Ole Brude, Lars Madsen und Karl Madsen erstmals wieder festen Boden unter den Füßen – in Amerika. Dieses Ergebnis erregte weltweites Aufsehen. Ole Brude und seine Mannschaft wurden sogar von USAs Präsident Teddy Roosevelt empfangen.

Obwohl sich „Uræd“ (unerschrocken) als unsinkbar bewährt hatte, konnte Ole Brude von den 15 Rettungsbooten dieses Typs, die in den folgenden Jahren gebaut wurden, nur einige absetzen. Ironie des Schicksals: Heute sind Rettungsboote dieser Bauart Vorschrift, z. B. auf den Ölplattformen vor der norwegischen Küste.
Das Museum verließ ich gegen 15 Uhr. Ich musste noch schnell Lebensmittel einkaufen, denn die Geschäfte schließen hier, wie fast überall in Norwegen, um 16 Uhr. Bis ich schließlich ein Lebensmittelgeschäft gefunden hatte, war es 15:30 Uhr.
Nachdem ich alles eingekauft hatte, ging ich mir die Hauptattraktion ansehen. Das war ein Berg, auf dessen Spitze ein Lokal lag. Um zu ihm zu gelangen, muss man 418 Stufen hochklettern. Was sich mir von oben bot, war ganz nett, riss mich aber nicht vom Stuhl.
Danach ging’s zurück zum Zeltplatz. Hier verbrachte ich den Abend zusammen mit den Leuten aus der Gegend um Olpe. Sie stammten aus Attendorn.
Wir hatten eine Menge Spaß an diesem Abend. Ins Bett ging es gegen 24 Uhr. Eigentlich etwas spät, denn ich musste, um den Bus zu erreichen, spätestens um 7 Uhr aufstehen.
Als ich beim Zelt ankam, erlebte ich noch eine sehr unangenehme Überraschung. Ich hatte meinen Schlafsack zum Lüften aufs Zelt gelegt. Durch den Abendtau, der niedergegangen war, was ich schon beim Gehen über die Wiese bemerkt hatte, war mein Schlafsack ganz nass geworden. Es war richtig ekelhaft, sich in ihn zurückzuziehen.
Nichtsdestotrotz schlief ich irgendwann ein.






