Norwegen (1987) – Tag 11 – Oslo – Auf nach Oslo

In der Nacht schlief ich sehr schlecht, denn jemand schnarchte ganz unerbittlich. Irgendwann nervte es mich so sehr, dass ich wissen wollte, wer diese Geräuschkulisse erzeugte. Es war Uri.

Um 6:40 Uhr stand Uri auf, danach der Engländer. Ich hatte den Eindruck, sie wollten sich für unseren Lärm vom Vorabend revanchieren, denn sie machten einen gewaltigen Krach. Der Wecker ging um 7 Uhr, aber weil der Engländer noch im Bad war, konnte ich noch liegen bleiben. Kurz nach 7 Uhr kam ich zum Waschen, dann packte ich und machte mich fertig für die Fahrt. Gegen 7:45 Uhr saß ich im Aufenthaltsraum und wartete. Kurz nach 8 Uhr kam ich mit einer Schottin ins Gespräch und gab ihr Informationen über das Flåmtal und die Fährverbindungen.

Um 8:20 Uhr verließ ich die Jugendherberge. Uri kam mit, er wollte nach Finse. Auf dem Bahnsteig verabschiedete ich mich von ihm, denn er fuhr in der 1., ich in der 2. Klasse.

Im Zug war ich einerseits erleichtert, wieder unterwegs zu sein, andererseits etwas bedrückt. Dazu kam, dass mir das Klima in meinem Abteil nicht zusagte. Ein älterer Mann vor mir verwechselte wohl seinen Sitz mit einem Schaukelstuhl und wippte ständig auf und ab. Hinter mir saß eine Gruppe, die, wer weiß warum, dauernd an den Fußstützen spielte und dadurch einen höllischen Lärm verursachte.

Laut Fahrplan sollte der Zug nicht in Myrdal halten, tat es aber doch. Ich sah aus dem Fenster auf den Weg, auf dem vor knapp anderthalb Wochen alles begonnen hatte. In Finse wäre ich gern ausgestiegen, aber der Schnee, der in der Nacht gefallen war, schreckte mich ein wenig ab. Eines steht fest: Hier fahre ich irgendwann hin und schaue mir die Gegend genau an. Das Schöne ist, dass man schon sehr hoch ist, die Station liegt auf 1222 Metern über dem Meeresspiegel.

Der Zug sollte um 14:05 Uhr in Oslo einlaufen, aber kurz vor der Stadt mussten wir lange auf den entgegenkommenden Zug warten, sodass ich erst um 14:30 Uhr ankam. Im Bahnhof ging ich zuerst zur Information, um mich nach einer Weiterfahrt für Montag zu erkundigen. Das war schwerer als erwartet, denn die Mädchen dort hatten von den deutschen Fahrplänen kaum eine Ahnung. Der Plan, den ich bekam, passte nicht in mein Konzept, denn ich wollte über Münster nach Hause fahren. Nach ihm hätte ich von Oslo über Kopenhagen, Hamburg, Osnabrück, Düsseldorf und Köln nach Siegen fahren müssen. Ich machte mir darüber zunächst keine weiteren Gedanken.

Das Rathaus mit der Touristeninformation fand ich nicht, also ging ich zur Straßenbahnhaltestelle und fragte ein Mädchen. Sie schickte mich in den Bahnhof zurück, und tatsächlich gab es dort ein Informationsbüro, na ja, einen Informationsschalter. Hier bekam ich alles, was ich wollte. Danach ging ich zurück zur Haltestelle, wo sich nach einigem Warten herausstellte, dass ich zwar bei der richtigen Linie 1 stand, aber an der Haltestelle für die falsche Richtung. Ich trabte brav zur richtigen Haltestelle und musste dort eine halbe Ewigkeit auf die Straßenbahn warten. Die Fahrt zur Jugendherberge kostete 10 Kronen.

Gegen 16 Uhr kam ich an. Sie sah schon von Weitem recht heruntergekommen aus, und der Eindruck verstärkte sich, je näher man kam. Ich wollte bis Montag bleiben, also vier Nächte, aber an der Rezeption sagte man mir, es gehe nur für zwei. Nach fünf Minuten erklärte mir der Mann, es gehe doch. Ich war sehr erleichtert. Eine Nacht mit Frühstück kostete hier 88 Kronen.

Das Zimmer lag im Keller, und etwa 15 Personen schliefen darin. Ich war gespannt, wie das wird. Dort lernte ich einen Kanadier kennen, mit dem ich mich zusammentat, wir wollten gemeinsam Oslo entdecken. Er hieß Stephen. Ich war froh, dass es mit dem Englisch einigermaßen klappte. Inzwischen hatte ich mich entschieden, von Oslo nach Hamburg und von dort nach Münster zu fahren. Ich hoffte, dass es so klappt, wie ich es mir vorstellte. In beiden Städten wollte ich mich etwas aufhalten, obwohl die Lage nicht mehr so rosig war, denn hier ist einfach alles zu teuer.

Am Abend wagten wir uns gemeinsam an die Waschmaschine. Während sie arbeitete, ging ich in den Aufenthaltsraum, unterhielt mich mit ein paar Leuten und vergaß die Wäsche fast. Als ich nachsah, hatte schon jemand sie in den Trockner getan, und ich hatte einen Arbeitsgang gespart. Gegen 22:30 Uhr ging ich ins Bett.