Am Fuß des heiligen Berges Inari, dort, wo die unzähligen roten Torii wie ein endloser Tunnel in die Berge steigen, lebte einst eine junge Frau namens Yone. Ihr Mann war früh gestorben, und das wenige Land, das er hinterlassen hatte, war von einer langen Dürre verdorrt.

Yone und ihre Kinder hatten kaum Reis, um durch den Winter zu kommen. Oft suchte sie spätabends den Schrein von Fushimi Inari auf, legte ein paar Reiskörner als Opfer nieder und betete in der kalten Stille um Hilfe.
In jener Nacht, als der Wind die Laternen flackern ließ und die Bäume leise wisperten, saß Yone erschöpft auf den Steinstufen des Schreins.

Ihre Hände waren trocken, ihre Kleidung abgenutzt. Die Welt war dunkel — bis plötzlich eine weiße Gestalt aus dem Schatten trat.
Ein Fuchs.
Sein Fell war so rein, dass es selbst im schwachen Licht schimmerte. Seine Augen wirkten wie kleine Sterne, ruhig und wissend. Doch war dies kein gewöhnlicher Fuchs: Yone spürte eine seltsame Wärme, eine stille Präsenz, die sie an die Kami erinnerte, an die Götter selbst.
Der Fuchs blieb ein paar Schritte vor ihr stehen und neigte leicht den Kopf, als wolle er sie auffordern zu folgen. Obwohl ihr Herz heftig schlug, erhob sie sich und ging hinter ihm her. Er führte sie hinaus aus den Schreingängen, durch eine schmale Seitengasse und schließlich zu einem abgelegenen Feld, das sie noch nie zuvor bemerkt hatte.
Der Mond stand hoch, und in seinem Licht wirkte die Landschaft unwirklich. Der weiße Fuchs setzte sich an den Rand des Feldes, scharrte mit den Vorderpfoten im Boden und legte schließlich ein kleines Häufchen glänzender Körner ab. Es waren Reiskörner — aber nicht wie gewöhnliche. Diese schimmerten goldfarben, als hätte jedes einzelne ein Stück Mondlicht eingefangen.
Yone kniete nieder, vollkommen überwältigt. Der Fuchs betrachtete sie mit einem Blick, der zugleich streng und gütig war. Als wolle er sagen: „Dies ist ein Geschenk. Doch vergiss nie, wem du es verdankst.“
Bevor sie Worte finden konnte, hatte sich die Gestalt des Fuchses bereits im Nebel aufgelöst. Kein Geräusch blieb zurück, nur das Rascheln der Reisstängel und das leise Schlagen ihres Herzens.
Yone nahm die goldenen Körner vorsichtig an sich und pflanzte sie am nächsten Morgen in ihrem eigenen Feld. Was dann geschah, erzählte man sich viele Jahre lang:
Die neuen Pflanzen wuchsen schneller und gesünder als alle anderen in der Gegend. Ihr Reis war voll, schwer und von außergewöhnlicher Qualität. Noch im selben Jahr konnte Yone ihre Schulden zurückzahlen, und in den folgenden Jahren herrschte nie wieder Mangel im Haushalt. Das kleine Feld wurde zum fruchtbarsten der ganzen Region. Bauern aus den Nachbardörfern kamen, um zu lernen, wie sie ihre Böden ebenso reich machen könnten — doch niemand konnte das Geheimnis ergründen.

Eines Tages, viele Jahre später, kam ein alter Landwirt zu Yone und sagte:
„Es heißt, nur Inari selbst kann Reis so segnen. Hast du vielleicht einen Boten des Gottes gesehen?“
Da erinnerte sich Yone an die Nacht am Schrein, an den weißen Fuchs mit dem Blick eines uralten Wesens. Und sie verstand.
Von da an brachte sie jedes Jahr neue Opfergaben zum Schrein — Reis, Sake und eine kleine Figur eines weißen Fuchses. Nicht aus Furcht, sondern aus Dankbarkeit. Und jedes Mal, wenn sie die Stufen hinaufstieg, glaubte sie, tief zwischen den Torii ein vertrautes, weißes Leuchten zu sehen.
So erzählt man in Kyoto noch heute:
Wer Inari respektiert, dem sendet der Gott seine Boten.
Und manchmal genügt ein Fuchs, um ein ganzes Leben zu verwandeln.
Ein paar Bilder von diesem
magischen und hübschen Ort






























