Sugawara no Michizane (菅原道真公) liebte die Pflaumenblüten.
In seinem Garten in Kyoto stand ein besonderer Baum. Jeden Frühling blühte er als erster. Zartrosa Blüten öffneten sich im kalten Wind, noch bevor der Winter ganz vergangen war. Michizane setzte sich oft unter diesen Baum, schrieb Gedichte und betrachtete die Blüten. Für ihn war der Pflaumenbaum ein Freund.
Dann kam das Unglück.
Durch Intrigen am Kaiserhof wurde Michizane zu Unrecht beschuldigt und weit fortgeschickt – ins ferne Dazaifu im Süden Japans. Er musste Kyoto verlassen. Als er ein letztes Mal in seinen Garten trat, wusste er, dass er seinen geliebten Baum nie wiedersehen würde.
Der Legende nach sprach er ein Gedicht zum Pflaumenbaum. Er sagte sinngemäß:
„Wenn der Ostwind weht, vergiss nicht den Duft der Blüten – auch wenn dein Herr nicht mehr hier ist.“
Der Baum blieb zurück.
Aber er vergaß nicht.
In der Nacht, so erzählt man, begann etwas Wunderbares zu geschehen. Der Pflaumenbaum löste sich aus der Erde. Seine Wurzeln hoben sich wie Füße. Und im Schutz der Dunkelheit erhob er sich in die Luft.
Er flog.
Über Berge und Flüsse, über Felder und Dörfer hinweg – von Kyoto bis nach Dazaifu. Getrieben nicht vom Wind, sondern von Treue.
Am nächsten Morgen stand der Baum plötzlich neben Michizanes neuem Haus im Exil.
Als er hinaustrat, sah er die vertrauten Blüten. Der Duft war derselbe wie in Kyoto. Sein einziger treuer Begleiter hatte den weiten Weg zu ihm gefunden.
Kurz darauf starb Michizane im Exil.
Doch der Baum blieb – als Zeichen unverbrüchlicher Loyalität.
Bis heute gilt die Pflaumenblüte am Kitano Tenmangū als heilig. Wenn sie im späten Winter blüht, erinnert sie an diese Geschichte:
an Treue über Entfernung hinweg,
an Erinnerung,
und daran, dass selbst ein Baum ein Herz haben kann.
Wer ist Sugawara no Michizane (菅原道真公)
Sugawara no Michizane wurde im Jahr 845 in Kyoto geboren. Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie, in der Bildung und Dichtung hoch geschätzt wurden. Schon als Kind zeigte er außergewöhnliche Begabung. Er lernte schnell, schrieb Gedichte und beherrschte die chinesische Schrift, die damals für gebildete Menschen besonders wichtig war. Sein Talent fiel früh auf.
Als junger Mann machte er am Kaiserhof Karriere. Er arbeitete als Beamter, Lehrer und Berater. Michizane war bekannt für seine Intelligenz, seine Disziplin und seine Liebe zur Literatur. Er schrieb viele Gedichte und galt als einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Besonders die Pflaumenblüte liebte er – sie wurde später zu einem Symbol seiner Person.
Mit der Zeit stieg er in hohe politische Ämter auf. Doch am Hof gab es Neid und Machtkämpfe. Einflussreiche Gegner beschuldigten ihn fälschlich, gegen den Kaiser zu intrigieren. Im Jahr 901 wurde er plötzlich entmachtet und in die ferne Stadt Dazaifu im Süden Japans verbannt. Für einen Mann seiner Stellung war das ein harter Schlag.
Im Exil lebte Michizane zurückgezogen. Er schrieb weiterhin Gedichte, dachte über sein Schicksal nach und vermisste Kyoto. Zwei Jahre später, 903, starb er dort – fern von seiner Heimat.

Nach seinem Tod geschah Unerwartetes. In Kyoto kam es zu schweren Gewittern, Blitzschlägen und Unglücken. Viele glaubten, sein Geist sei voller Zorn über das erlittene Unrecht. Schließlich wurde er rehabilitiert, seine Ehre wiederhergestellt und er als Gott verehrt. Man gab ihm den Namen Tenjin.
Heute gilt Sugawara no Michizane als Gott der Gelehrsamkeit. Schüler und Studierende beten zu ihm für Erfolg bei Prüfungen. Aus dem zu Unrecht verbannten Beamten wurde eine verehrte göttliche Gestalt – ein Symbol für Bildung, Treue und die Kraft des Geistes.
Ein paar Bilder von diesem magischen Ort
in Kyoto
Kitano Tenman-gu Schrein
(北野天満宮)

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