Japan (2010/22) – Kyoto – Kennin-ji Tempel (建仁寺)

Ich war im Jahr 2022 wieder im Kennin-ji Tempel. So herrlich der Besuch dort war, dauerte es bis 2026, bis ich realisierte, dass ich ihn schon im Jahr 2010 besucht hatte. Ursache war, dass ich einen anderen Abschnitt besucht und erkundet hatte als 12 Jahre vorher. Trotz allem war er herrlich und völlig Interessant zu besuchen.
Der Kennin-ji Tempel liegt im Herzen von Kyoto, ganz in der Nähe des lebhaften Gion-Viertels. Trotz dieser Umgebung strahlt der Tempel bis heute eine ruhige und klare Atmosphäre aus. Er gilt als der älteste Zen-Tempel Kyotos und spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte des japanischen Buddhismus.

Gegründet wurde der Kennin-ji im Jahr 1202 von dem Mönch Eisai. Eisai war eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Er reiste zweimal nach China, um dort den Zen-Buddhismus zu studieren. Nach seiner Rückkehr brachte er diese neue buddhistische Lehre nach Japan. Zen legt großen Wert auf Meditation, Einfachheit und direkte Erfahrung – Dinge, die damals neu und ungewöhnlich waren. Eisai gründete den Kennin-ji als Zentrum dieser Lehre, genauer gesagt der Rinzai-Zen-Schule.

Eisai ist aber nicht nur für Zen bekannt. Er brachte auch den Tee nach Japan und schrieb ein Buch über dessen gesundheitliche Wirkung. Deshalb gilt er bis heute als „Vater der japanischen Teekultur“. Der Kennin-ji steht also nicht nur für Religion, sondern auch für eine Kultur, die Japan stark geprägt hat.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Tempel viele Höhen und Tiefen. Brände, Kriege und politische Veränderungen setzten ihm immer wieder zu. Trotzdem wurde der Kennin-ji stets neu aufgebaut. Besonders während der Zeit der Samurai gewann der Zen-Buddhismus an Bedeutung, da er Disziplin, innere Ruhe und Konzentration förderte. Viele Krieger fühlten sich davon angesprochen.

Architektonisch ist der Kennin-ji bewusst schlicht gehalten. Zen vermeidet prunkvollen Schmuck und setzt auf klare Linien. Berühmt sind die Zen-Gärten, die mit Sand, Steinen und Moos gestaltet sind. Sie sollen zur Meditation einladen. Ein moderner Blickfang ist das riesige Drachengemälde an der Decke, das 2002 zum 800-jährigen Bestehen des Tempels geschaffen wurde. Der Drache symbolisiert Kraft, Schutz und Weisheit.

Heute ist der Kennin-ji ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt. Besucher können durch die Hallen gehen, Gärten betrachten und einen Eindruck vom Zen-Gedanken bekommen. Der Tempel verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf ruhige Weise – mitten in einer der lebendigsten Städte Japans.

Was ist Zen?

Zen ist eine besondere Form des Buddhismus, die sich auf Einfachheit, Achtsamkeit und direkte Erfahrung konzentriert. Dabei geht es weniger um komplizierte Texte oder feste Regeln, sondern darum, den eigenen Geist zu beruhigen und die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind.

Der Ursprung von Zen liegt in Indien, doch seine heutige Form entwickelte sich in China und später in Japan. Das Wort „Zen“ bedeutet so viel wie Meditation. Im Mittelpunkt steht das stille Sitzen, auch Zazen genannt. Dabei sitzt man aufrecht, atmet ruhig und lässt Gedanken kommen und wieder gehen, ohne ihnen zu folgen. Ziel ist es nicht, an „nichts“ zu denken, sondern den Geist klar und wach zu machen.

Zen lehrt, im Hier und Jetzt zu leben. Vergangenheit und Zukunft spielen keine große Rolle, denn das Leben findet immer nur im gegenwärtigen Moment statt. Selbst einfache Tätigkeiten wie Gehen, Essen oder Putzen können im Zen zu einer Übung werden, wenn man sie bewusst und aufmerksam ausführt.

Ein wichtiges Ziel im Zen ist das Erwachen, auch Erleuchtung genannt. Das ist kein magischer Moment, sondern ein tiefes Verstehen des Lebens. Man erkennt, dass alles miteinander verbunden ist und sich ständig verändert. Viele Zen-Meister sagen deshalb: Zen kann nicht erklärt werden – man muss es selbst erfahren.

Auch die äußere Form von Zen ist bewusst schlicht. Zen-Gärten, Teezeremonien und Tempelarchitektur folgen diesem Gedanken. Alles Unnötige wird weggelassen, damit Ruhe und Klarheit entstehen können. Diese Haltung hat die japanische Kultur stark beeinflusst – von der Kunst bis zum Alltag.

Kurz gesagt: Zen ist ein Weg, ruhiger, bewusster und gelassener zu leben. Es lädt dazu ein, einen Schritt zurückzutreten, tief durchzuatmen und den Moment ganz wahrzunehmen.