Mein ursprüngliches Ziel bei meinem Ausflug nach Kagogawa war der Kakurin-ji Tempel. Als ich jedoch meinen Weg vom Bahnhof zum Tempel plante, sah ich, dass es viele Tempel und Schreine auf meinem Weg gab und so entschied ich mich sie alle mal zu besuchen. Dass es sich zum Großteil um ganz kleine Anlagen handelte, hatte ich dabei nicht realisiert. Eine der noch etwas größeren Anlagen und mein erstes Ziel war der Jotokuji Tempel.
Beim Jotokuji Tempel beeindruckte mich der kleine hübsche Garten, doch meine Hauptaufmerksamkeit richtete sich auf den Friedhof.

Mich beeindruckt jedes Mal die vielen Säulen und Skulpturen. Da in Japan die Toten immer eingeäschert werden müssen, sind die einzelnen Gräber auch nicht so groß, doch billiger im Unterhalt im Vergleich zu Deutschland sind sie nicht wirklich.
Lang währte mein Aufenthalt nicht, denn ich wollte auf meinem weiteren Weg noch etliche weitere Orte aufsuchen und mein Zeitfenster war nicht unbegrenzt groß.
Information zum Jotokuji Tempel
Der Jotoku-ji (常徳寺) ist ein historisch bedeutender buddhistischer Tempel in Kakogawa, Präfektur Hyogo, gelegen im Ortsteil Awazu. Eingebettet in eine ruhige Wohngegend nahe der Küste des Seto-Binnenmeeres, bewahrt dieser Tempel jahrhundertealte religiöse Traditionen und ist ein fester Bestandteil des spirituellen und kulturellen Lebens der Region.
Der Tempel wurde laut Überlieferung im Jahr 1592 gegründet, in der späten Azuchi-Momoyama-Zeit, einer Epoche, in der sich Japan politisch und religiös neu ordnete. Die Gründung geht auf den buddhistischen Mönch Ryokan Shōnin zurück, der dem Tempel seine erste Ausrichtung innerhalb der Jōdo-Shinshū-Schule (Reines-Land-Buddhismus) gab. Diese Schule, begründet vom Mönch Shinran, konzentriert sich auf die Verehrung des Buddha Amida Nyorai (阿弥陀如来) – des Buddha des unendlichen Lichts und grenzenlosen Mitgefühls. Amida verspricht allen, die seinen Namen mit aufrichtigem Glauben anrufen, die Wiedergeburt im Reinen Land, einem Ort jenseits von Leid, Zweifel und Unwissen.
Amida Nyorai ist auch die Hauptgottheit (Honzon) des Jōtoku-ji. Seine Figur wird im zentralen Altar des Tempels verehrt, oft flankiert von seinen zwei Begleitern: Kannon Bosatsu (Bodhisattva des Mitgefühls) und Seishi Bosatsu (Bodhisattva der Weisheit). Gemeinsam verkörpern sie Hoffnung, Trost und Erlösung – besonders für einfache Menschen, die in der schwierigen Kriegs- und Umbruchszeit der Tempelgründung nach spiritueller Zuflucht suchten.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Jōtoku-ji zu einem lokalen Zentrum der Lehre und des Glaubens. Auch in der Edo-Zeit wurde er von den umliegenden Familien als Familientempel genutzt, was sich bis heute in regelmäßigen Zeremonien, Gedenkfeiern und saisonalen Festen widerspiegelt. Besonders der Obon-Zeitraum im Sommer ist bedeutend, wenn viele Gläubige den Tempel besuchen, um der Ahnen zu gedenken und Amida Nyorai um geistige Führung zu bitten.
Heute präsentiert sich der Tempel gepflegt und offen für die Gemeinde. Neben der traditionellen Architektur bietet er auch Raum für moderne buddhistische Praxis – Vorträge, stille Meditationen und gemeinschaftliche Veranstaltungen gehören zum aktuellen Alltag. Der Tempel vermittelt damit nicht nur die Lehren der Jōdo-Shinshū-Schule, sondern auch ein Gefühl von Beständigkeit und spiritueller Nähe in einer sich wandelnden Welt.
Der Jōtoku-ji in Awazu ist somit weit mehr als ein historisches Bauwerk – er ist ein lebendiger Ort des Glaubens, der Vergangenheit, Gegenwart und Hoffnung auf eine mitfühlende Zukunft miteinander verbindet.
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