Samoa – Hitze, Herzklopfen und Fast-Katastrophen

Ich war für eine Woche auf Samoa, doch eigentlich begann das Abenteuer schon eine Woche vorher, als ich noch in Tonga war. Mein wichtigstes Projekt damals: unendlich viele Kontaktversuche, um sicherzustellen, dass ich in Samoa ein Zimmer mit Klimaanlage bekomme.
Bei der Luftfeuchtigkeit hatte ich nämlich das Gefühl, dass ich sonst direkt dahinschmelzen würde wie Schokolade in der Sonne.

Kurz bevor ich nach Samoa fliegen sollte, erreichte ich endlich jemanden. Die erlösenden Worte:
„Ja, Sie bekommen ein Zimmer mit Klimaanlage.“
Ich fühlte mich wie der König der Tropen.

Und tatsächlich – schon bei meiner Ankunft stellte sich heraus, dass das eine absolut goldrichtige Entscheidung war. Die Abende und Nächte in meinem herrlich kühlen Zimmer waren so angenehm, dass ich mich jedes Mal fühlte, als würde ich in eine Schneekugel klettern, während draußen die Welt saunamäßig dampfte.

Tagsüber erkundete ich mit Reisegruppen die Insel. Wir machten Rundfahrten, ich entdeckte neue Orte, sah wunderschöne Strände, unglaubliche Landschaften – kurz: Ich hatte eine fantastische Zeit.

Doch am Ende der Reise schrammte ich haarscharf an einer Katastrophe vorbei.


Der letzte Tag – oder: Der Moment, in dem mein Herz kurz stehen blieb

An meinem letzten Tag gönnte ich mir einen Ausflug auf eine Nachbarinsel – ein absoluter Traum!
Nachmittags kam ich zurück, packte meinen Rucksack und machte es mir anschließend gemütlich auf dem Bett.

Aus purer Gewohnheit griff ich noch einmal nach meinem Flugticket, nur um sicherzugehen, wann genau ich am nächsten Tag abfliegen würde.
Ich schaute auf die Uhrzeit: 12:15.
Mittags, dachte ich. Easy.

Dann schaute ich noch mal hin. Und noch mal.
Plötzlich wurde aus meinem „Easy“ ein „Hä?“ und dann ein „OH NEIN!“

Der Verdacht kroch in meinem Kopf herum wie eine kleine, nervige Ameise:
Sollte das etwa… Mitternacht bedeuten?

Da ich dem Ganzen nicht traute, ging ich zur Rezeption und fragte die Frau dort. Auch sie schaute skeptisch auf das Ticket, als wäre es ein Rätsel aus einem Escape Room.
Sie rief kurzerhand am Flughafen an. Nach einem kurzen Gespräch drehte sie sich zu mir um – und sagte den Satz, der mich komplett einfrieren ließ:

„Ihr Flug geht wirklich 15 Minuten nach Mitternacht.“

Ich schaute auf die Uhr.
20 Uhr.
Ich musste noch zum Flughafen.
Und zwar bald.

Ich hatte eigentlich geplant, wieder mit dem Gruppenbus zu fahren, aber der fuhr natürlich erst am nächsten Tag. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ein Taxi zu nehmen – und damit mein gesamtes Trinkgeld-Budget zu opfern. Peinlich, aber nicht zu ändern.

Die Dame rief ein Taxi für mich, ich rannte ins Zimmer, schnappte meinen Rucksack (zum Glück schon gepackt!) und sprintete zurück.
Um 22 Uhr saß ich im Taxi und erklärte dem Fahrer panisch, wie dringend ich zum Flughafen musste.


Die Höllenfahrt – von Schneckentempo zu Formel 1

Der Taxifahrer nickte freundlich, startete den Motor…
…und fuhr los, als würde er einen gemütlichen Sonntagsausflug machen.

IN. ZEITLUPE.

Ich bekam Panik. Wirklich Panik.
In meinem Kopf hörte ich dramatische Filmmusik, während der Taxifahrer offenbar innerlich ein Nickerchen machte.

Und dann – natürlich! – hielt er auch noch an einer Tankstelle an, um zu tanken.
Ich war kurz davor, die Zapfsäule selbst zu übernehmen, so nervös war ich.

Doch danach verwandelte sich der Mann. Plötzlich mutierte er vom gemütlichen Inselcruiser zum heimlichen Rennfahrer Samoas. Er beschleunigte, die Landschaft flog vorbei, und ich war sicher, dass sämtliche Geschwindigkeitsregeln ab jetzt nur noch als freundliche Empfehlungen galten.

Aber:
Wir kamen an.
23:30 Uhr. Flughafen.


Kleiner Flughafen, großes Glück

Ich erwartete riesige Schlangen, stressige Kontrollen, Hektik.
Doch stattdessen… nichts.
Ein kleiner Flughafen, leere Schalter, freundliche Mitarbeiter.

Ich war in wenigen Minuten eingecheckt und auch die Sicherheitskontrolle dauerte ungefähr fünf Sekunden.

Im Warteraum erfuhr ich, dass der Flieger gerade gelandet war und erst noch betankt wurde. Ich war so erleichtert, dass mich nicht einmal die Extra-Wartezeit störte. Am Ende konnte ich ganz entspannt einsteigen – als wäre nie etwas gewesen.


Die Heimreise und das letzte Kapitel der Odyssee

Von Samoa ging es weiter nach Los Angeles. Dort wurde der Terminalwechsel wieder etwas chaotisch – der Flughafen ist ungefähr so groß wie ein mittelgroßer Kontinent – und die Mitarbeiter waren streng wie Türsteher eines VIP-Clubs.
Aber ich schaffte es in meinen Anschlussflug.

In Deutschland kam ich schließlich an…
… aber ohne Gepäck.

Also stand ich da:
Ich war zu Hause, aber meine ganzen Reiseerinnerungen trieben irgendwo zwischen Samoa, LA und meinem Heimatflughafen herum.

Nach einigen Tagen kam mein Rucksack dann endlich bei mir an – ziemlich zerknittert, aber immerhin komplett.

Und so endete meine Reise:
Als Mensch zurückgekehrt, als Gepäckstück etwas verspätet.