„Auszug aus Hans Schymik Buch ‚Bergwelt Korsika'“
Von einem gemauerten Brunnen im Südosten von Calenzana auf dem GR 20 zur „Funtana di Ortivinti 550 Meter“ (Quelle). Kurz danach zweigt zuerst nach Westen, dann nach Süden der Fernwanderweg „Tra Mare e Monti“ von Calenzana nach Carghése ab. Auf diesem sehr angenehmen Weg (Markierung: orange) in rund 5 Stunden zur Auberge de la Forêt im Kessel von Bonifatu.
Es war 9 Uhr 30, als ich mich entschloss die Augen zu öffnen und den Tag zu beginnen.
Heute wollten wir nach Calenzana, dort eine Nacht bleiben und am nächsten Tag den GR 20 (die Hauptwanderroute durch Korsika von Calenzana [im Nordwesten] nach Conca [im Südosten]) in Angriff nehmen.
Nachdem Hans-Jürgen ebenfalls wach war, teilte er mir mit, dass ich ihm mit meinem Geschnarche auf den Geist gegangen war. Er hatte dadurch kaum geschlafen. Ich für meinen Teil habe in der Nacht hervorragend geschlafen. Meine Aussage, dass ich nur schnarche, wenn ich Heuschnupfen habe, tröstete Hans-Jürgen nicht. (Hier auf Korsika habe ich erhebliche Schwierigkeiten mit dem Heuschnupfen. Ich schlucke kräftig Tabletten.)
Nach dem Aufstehen ging ich mich waschen. Ich duschte mich ausgiebig und nahm auch die Toilette in Anspruch. Das war sehr komisch für mich, denn es handelte sich um ein Stehklo.
Als das allmorgendliche Ritual beendet war, ging es zurück zum Zelt. Hier wurde gefrühstückt. Na ja, was man so Frühstück nennt. Bei mir gab es einen Apfel und ein Stück Baguette. Anschließend begann ich zu packen, was bis gegen 12 Uhr dauerte.
Wir verabschiedeten uns, nachdem ich den Zeltplatz bezahlt hatte, von Karin und Axel und machten uns auf den Weg nach Calvi. Von dort wollten wir mit einem Taxi nach Calenzana fahren. In Calenzana wollten wir in der „Auberge de la Forêt“ eine Nacht verbringen.
Die Fahrt von Calvi nach Calenzana kostete 90 Francs (relativ viel für 13 Kilometer!?).
Gegen 13 Uhr 30 waren wir in Calenzana. Hier stellten wir nun fest, dass die Auberge gar nicht hier war, sondern in einem anderen Ort.
Nun rätselten wir herum, was wir tun könnten. Ich überlegte schon, ob wir in ein Hotel gehen sollten. Jedoch waren uns 180 Francs für eine Übernachtung für 2 Personen zu viel.
Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns heute schon loszuwandern, obwohl es schon spät war. Allerdings wollten wir nicht über den GR 20 wandern, sondern über den „Tra Mare e Monti“, da der GR 20 am Anfang viel zu anstrengend war (Es wären 2000 Höhenmeter zu überwinden und Bergsteigerfahrung notwendig gewesen). Wir wollten von Calenzana zu der Auberge de la Forêt gehen. Von der Auberge würden wir dann auf den GR 20 gelangen.
Bevor wir starteten, wollten wir im Supermarkt von Calenzana etwas einkaufen. Bis dahin waren es noch 1 Stunde 30 Minuten, daher gingen wir in Richtung „Zentrum“. Dort sah ich drei Jungs in einer Kneipe sitzen. Wir gesellten uns zu ihnen. Wie sich herausstellte, waren sie aus Deutschland und gerade aus den Bergen gekommen.
Von ihnen holte ich mir Informationen über die Weg-, Wasser- und Schneeverhältnisse. Sehr schnell waren die 1 Stunde 30 Minuten um.
Während Hans-Jürgen und die drei einkaufen gingen, blieb ich bei der Kneipe und passte auf unser Gepäck auf. Zu langweilen brauchte ich mich nicht, denn ich konnte den Männern des Dorfes beim Boccia zusehen. Es war lustig, mit welchem Ernst dieses Spiel betrieben wurde.
Als Hans-Jürgen vom Einkaufen wiederkam, war es 16 Uhr. Nun wollte ich unsere Getränke, die wir zu uns genommen hatten, bezahlen. Daraus wurde ein mittelgroßes Fiasko. Ich ging in die Kneipe und sagte: „Zwei Cola und zwei Mineralwasser.“ Ehe ich mich versah, standen zwei Cola und zwei Mineralwasser vor mir. Der Mann hatte mich völlig falsch verstanden. Ich sagte (auf deutsch und etwas französisch): „Nein, ich will keine Cola und Wasser. Ich will nur bezahlen. Aber ich nehme die zwei Cola mit.“ Anstatt, dass ich nun bezahlen konnte, stellte der Mann noch zwei Cola vor mir auf. Nun hatte ich 4 Cola und 2 Mineralwasser vor mir stehen. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte und auch der Mann in der Kneipe wusste nicht weiter. Ich machte ihm klar, dass er warten sollte und ich ging hinaus zu Hans-Jürgen und holte mir unser Französischbuch.

Zurück in der Kneipe meinte ich (auf französisch): „Die Rechnung bitte.“ Aber auch jetzt verstand er mich nicht. Ich bezahlte nun zwei von den Cola, die vor mir standen und nahm sie mit nach draußen. Die Getränke die wir draußen getrunken hatten, bezahlte ich nicht. Es war aber auch niemand da, der sich beschwerte, und ich hatte keine Lust, noch mehr Stress zu haben.
In Calenzana (275 Meter) begann die Wanderung für uns in der Nähe einer Kirche. Uns stand direkt ein steiler Anstieg bevor.
Die Sonne, die uns auf den Kopf brannte, ließ den Puls hochklettern und der Schweiß lief in Bächen, ach, was sag ich, in Flüssen an uns herunter.
Nach einer 45 Minuten hatten wir eine Abzweigung erreicht. Hier trennte sich der GR 20 vom „Tra Mare e Monti“, die bislang gemeinsam verlaufen waren. Auf einem Schild stand, dass es bis zur Auberge noch 7 Stunden seien. (Wir hatten uns so geeinigt, dass wir heute so weit gingen, wie wir kämen und uns dann zum schlafen in die Landschaft legten.) Unbeeindruckt von den 7 Stunden gingen wir weiter und kamen nach ein paar Metern auf ein Plateau. Von Calenzana bis zu diesem Plateau hatten wir immerhin schon 300 Höhenmeter überwunden.
Auf diesem Plateau ließ es sich gut laufen. Leider war es nicht sehr groß. Dann ging es ebenso steil hinab, wie vorher hinauf. Der Weg war teilweise so vom Ginster zugewuchert, dass man den Weg kaum sah. Hier half uns die gute Markierung des GR 20 weiter.
Nachdem wir einige Höhenmeter nach unten gelaufen waren, ging der Wanderweg auf einem breiten Weg weiter. Auf diesem Weg ließ es sich sehr gut gehen. Wir kamen so gut vorwärts, dass wir der Meinung waren, dass wir ohne Probleme bis zur Auberge kommen würden.
Diese Vermutung bewahrheitete sich, denn nach etwa 3 Stunden kamen wir an ein Schild, das uns mitteilte, dass es nur noch 1 Stunde bis zur Auberge sei. Diese Stunde wurde recht anstrengend. Es ging durch Geröll, durch sandiges Gelände, wir mussten uns unter einigen umgestürzten Bäumen durchzwängen oder sie überklettern. Kurz vor Ende der heutigen Etappe ging es noch einmal sehr steil nach oben.

Völlig verschwitzt kamen wir um 20 Uhr in der Auberge an. Hier ließen wir uns einen Schlafsackliegeplatz geben. Er kostete nur 40 Francs (rund 12 Mark). Das Duschen musste allerdings extra bezahlt werden.
Nachdem wir uns gewaschen hatten, gingen wir in die Auberge, um dort eine Kleinigkeit zu essen. Ich gönnte mir 2 Cola, ein Mineralwasser, einen Tomatensalat und eine Portion Spaghetti. Hans-Jürgen knauserte. Er holte sich nur Nudeln, obwohl er mehr Hunger hatte als ich. Nach dem Essen erwarb ich noch Postkarten und Briefmarken. Nun wollte ich aber unbedingt ins Bett.
Ich hatte mich noch nicht ganz hingelegt, da schlief ich auch schon.










