Bei etlichen Besuchen der Stadt Kobe in Japan hatte ich das luxuriöse Geschenk, in einem Haus zu wohnen, das einen sehr guten Standort hatte und mir viele schöne Dinge zur Erkundung schenkte.
Von meinem Wohnhaus aus unternahm ich viele Erkundungen und bekam als Erstes einen Fluss und die dort herrlich blühenden Kirschbäume zu sehen. Ich durchstreifte dieses Gebiet mit viel Freude und war dann sogar überrascht, einen hübschen Schrein zu entdecken, den ich fortan immer wieder gerne besuchte.
Dieser Schrein hieß Tsunashiki-Tenman-Schrein — auf Japanisch Tsunashiki Tenman Jinja (綱敷天満神社) — und liegt so selbstverständlich mitten im Stadtbild von Higashinada, als hätte die Stadt sich einfach um ihn herum gebaut. Was sie, im Grunde genommen, auch getan hat.
Das erste, was mich jedes Mal begrüßt, ist das große rote Torii (鳥居) — das charakteristische Eingangstor eines Shintō-Schreins (神道), das den Übergang aus der Alltagswelt in den heiligen Bezirk markiert. Im Sommer verschwindet es fast unter dem Blätterdach der alten Bäume, die sich von beiden Seiten über den Weg wölben — das Rot leuchtet zwischen dem Grün wie eine Glut. Im Winter hängt zwischen den Pfosten ein dicker geflochtener Shimenawa (注連縄), ein heiliges Strohseil, das den Eingang rituell abgrenzt und schützt, geschmückt mit Zweigen und weißen Papierstreifen, den Shide (紙垂). Dasselbe Bild, dieselbe Stätte — und doch jedes Mal ein anderes Gefühl.

Wenn ich durch dieses Tor trete, fällt die Stadt ab. Die Stille wird dichter. Shintō ist Japans traditionelle Religion, in der Kami (神) verehrt werden — göttliche Wesen, die in der Natur, in Ahnen und in außergewöhnlichen Menschen wohnen. Und dieser Ort trägt das Gewicht von etwas, das älter ist als jede schriftliche Überlieferung.
Entlang des Weges stehen die Jūnishi (十二支), die zwölf Tierkreiszeichen des ostasiatischen Kalenders als Steinfiguren auf runden Sockeln — Hase, Pferd, und weitere, die sich in zwei Reihen durch den Schreinbezirk ziehen. Jeder, der unter einem bestimmten Tierzeichen geboren wurde, findet hier seine Schutzfigur. Ich gehe jedes Mal langsam daran vorbei. Es ist eine dieser kleinen Gesten, die einen Schrein menschlich machen — nicht nur ehrwürdig, sondern nah.
Am Ende des Weges öffnet sich der Blick auf das Honden (本殿), das Hauptgebäude: leuchtend rot, mit einem dunkel geschwungenen Dach, goldenen Ornamenten und zwei Komainu (狛犬) — den steinernen Löwenhund-Wächtern — die symmetrisch zu beiden Seiten der Treppe kauern. Bei meinen ersten Besuchen brauchte ich einen Moment, um diesen Anblick zu verarbeiten. Das Gebäude ist nicht groß, aber es hat eine Präsenz, die größer wirkt als seine Maße. Weiße Chōchin (提灯), Papierlampen mit dem Pflaumenblüten-Wappen Michizanes, hängen zu beiden Seiten des Eingangs.

Die Einwohner hier sagen „Mikage no Tenjin-sama“, wenn sie von diesem Ort sprechen — der verehrte Tenjin von Mikage. Tenjin (天神) bedeutet „Himmelsgott“, und dieser Titel gehört Sugawara no Michizane (845–903), einem der bedeutendsten Gelehrten, Dichter und Staatsmänner der Heian-Zeit (794–1185), der nach seinem Tod vergöttlicht wurde und seither in ganz Japan als Schutzpatron des Lernens verehrt wird.
Aber dieser Schrein hat eine Geschichte, die älter ist als Michizane selbst. Der Überlieferung nach wurde zuerst auf dem Tenzan, einem Berg im heutigen Mikage Yamate, die Gottheit Wakeikazuchi-no-Kami (別雷神), eine Gottheit des Donners und des Schutzes, verehrt. Neben ihr stand Ame-no-Hohi-no-Mikoto (天穂日命) — in der japanischen Mythologie die Ahngottheit der Familie Sugawara. Das Gründungsdatum des Schreins ist unbekannt. Im Mittelalter wurde er vom Berg an seinen heutigen Standort verlegt — den er bis heute innehat.
Dann kam Shōtoku Taishi (574–622), der berühmte Prinzregent des frühen Japan, in diese Gegend, auf der Suche nach Stein für den Bau des Shitennō-ji-Tempels in Osaka. Das Gestein, das er hier fand, war so außergewöhnlich schön und gleichmäßig, dass er es „Mikage-Ishi“ (御影石) nannte — „Stein des göttlichen Abbildes“. Aus Dankbarkeit ließ er an diesem Ort Ukanomitama-no-Kami (倉稲魂神) verehren, die Gottheit des Reises und des Wohlstands, die oft mit Inari (稲荷), der bekannten Fruchtbarkeitsgottheit, gleichgesetzt wird. Der Name Mikage — der Name dieses ganzen Stadtteils — geht auf genau diesen Moment zurück.

Michizane selbst soll zweimal hierher gekommen sein: einmal auf dem Weg zu seinem Amt als Gouverneur der Provinz Sanuki (讃岐), und ein zweites Mal im Jahr 901 auf dem schwersten Weg seines Lebens — in die Verbannung nach Dazaifu auf Kyūshū, wohin ihn politische Intrigen seiner Rivalen geschickt hatten. Dass er ausgerechnet den Schrein seiner eigenen Ahngottheit aufsuchte, bevor er die Hauptstadt hinter sich ließ, sagt viel. Er starb zwei Jahre später, im Jahr 903, in der Verbannung. Danach begann die Vergöttlichung.

Den Namen Tsunashiki (綱敷) trägt der Schrein wegen eines Nachfahren Michizanes: In der Zeit des Kaisers Go-Horikawa (後堀河天皇, regierte 1221–1232) zog Michizanes neunter Nachkomme Sugawara Yoshiteru als frisch ernannter Shintō-Priester nach Dazaifu. Auf dem Weg machte er an dieser Michizane besonders heilig verbundenen Stätte Halt, ließ ein Schreingebäude errichten und legte zum feierlichen Empfang des Geistes seines Vorfahren ein Seil auf einen Stein. „Tsuna“ (綱) ist das Seil, „shiki“ (敷) das Auslegen. Tsunashiki — ein Name, der einen einzigen Augenblick tiefer Verehrung für alle Zeit festhält.
In einem der Nebenbereiche des Schreins steht eine liegende Stierstatue aus Bronze auf einem Steinsockel, vor einem kleinen Nebenschrein. Der Stier — auf Japanisch Ushi (牛) — ist das Tier, das untrennbar mit Tenjin verbunden ist: Michizane wurde dem Überlieferung nach in der Stunde des Ochsen geboren, er starb in der Stunde des Ochsen, und ein Stier soll seinen Leichnam nach Dazaifu gezogen haben, bis er sich weigerte weiterzugehen — genau dort, wo das berühmte Dazaifu Tenman-gū gebaut wurde. An allen Tenman-Schreinen Japans findet man diese Figur. Besucher reiben dem Stier den Kopf — wer sich an einer bestimmten Körperstelle wünscht gesund zu werden, reibt die entsprechende Stelle am Tier.

Vor dem Hauptgebäude hängen Ema (絵馬), kleine Holztafeln, auf die Besucher ihre Wünsche geschrieben haben. Viele kommen vor Prüfungen hierher, um Kigan (祈願) zu erbitten — traditionelle Gebete und Segnungen um Erfolg, Schutz, Gesundheit. Andere nehmen Omamori (お守り) mit, kleine Schutzamulette für den Alltag. Im Februar blühen hier rund hundert Ume-Bäume (梅, japanische Aprikosenbäume), die untrennbar mit Michizane verbunden sind — er liebte sie leidenschaftlich, und sie sind das Symbol aller Tenman-Schreine Japans. Wer auf Pilgerreise durch Japans Schreine zieht, lässt sich das Goshuin (御朱印) nicht entgehen — den kunstvoll gestempelten und handgeschriebenen Pilgernachweis des Schreins. Ich tue das jedes Mal.
Wenn ich gehe, nehme ich immer dasselbe Gefühl mit: dass dieser Ort aus der Zeit gefallen ist, ohne dabei museal zu wirken. Kein Touristenstrom, keine Warteschlangen. Nur die Bäume, das Holz, die Stille — und irgendwo darin, unsichtbar und doch greifbar, über tausend Jahre Geschichte.



























